¡Viva Méjico, cabrones!


Monterrey
31/07/2011, 23:26
Filed under: Méjico | Schlagwörter: , , , , , , ,

Als ich heute mit meinem Nachbarn Jaime im Parque Fundidora im Stadtzentrum von Monterrey saß, fand ich es schon fast lachhaft, was ein Aufhebens um die Sicherheit in der Stadt gemacht wird. Dass ich trotzdem nicht leichtsinnig werde, dafür wird ein Nebensatz von Jaime noch sorgen. Aber der Reihe nach.

Monterrey Stadtzentrum

Stadtzentrum

Monterrey ist eine sehr moderne Großstadt (4 Millionen Einwohner!), die unverkennbar lateinamerikanisch ist. Trotzdem, es ist nicht das selbe wie in Ecuador. Man merkt es an den vielen kleinen Dingen (schließlich bin ich noch in einer Phase, in der ich mich orientiere und deshalb auf meine Erfahrungen aus Ecuador zurückgreife), die anders sind als bei meinem ersten längeren Lateinamerika-Aufenthalt.

Da wären die Menschen. Bisher habe ich sie als sehr weltoffen und vor allem besser ausgebildet wahrgenommen. Das mag an meinem bisherigen Umgang liegen (in meinem Haus leben andere Studenten und Mitarbeiter der Tec de Monterrey, die logischerweise wiederum mit anderen Studenten und Mitarbeitern befreundet sind; und einen Urlaub in Europa gehört bestimmt nicht zum Standardprogramm einer durchschnittlichen mexikanischen Familie!), aber ich finde es sehr angenehm, dass ich bisher keinerlei Probleme hatte, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Dann wäre da der relative Reichtum. Es gibt anscheinend viel mehr Autobesitzer, in der Stadt wimmelt es nur so von amerikanischen Großmärkten, Einkaufsmeilen und Fast-Food-Ketten und dem Zentrum sieht man an, dass die Stadt nicht gerade mit einem sechsstelligen Budget arbeiten muss. Aber hier möchte ich natürlich einschränken, dass ich in einem mittelständischen Viertel lebe, nur den Süden und das Zentrum der Stadt bisher kennengelernt habe und Monterrey das höchste Pro-Kopf-Einkommen Mexikos aufweist. Man sollte schließlich nicht übersehen, dass erst vor wenigen Tagen im Handelsblatt zu lesen war, dass die Armut in Mexiko im letzten Jahr wieder leicht gestiegen ist…

Paseo Santa Lucia

Paseo Santa Lucia

Was mich aber am meisten bisher überrascht hat, ist die Disziplin, die die Mexikaner an den Tag legen. Dort kann man als Beispiel sehr gut den Parque Fundidora und den Paseo Santa Lucia heranziehen. Das erste ist ein ehemaliges Industriegelände, dass in ein Freizeitgelände umgestaltet wurde und nun zwischen alten Industrieruinen Liegewiesen, Seen und Veranstaltungszentren aufbietet. Der Paseo ist dagegen ein künstlicher Wasserlauf, der vom Zentrum zum Parque führt und mit zwei Uferpromenaden und vielen verbindenden Brücken gestaltet wurde. Das alles ist nicht sensationell, auch in Ecuador gab es einzelne solcher Stadtumgestaltungen. Der Unterschied für mich ist nur der, dass z.B. am Malecón 2000 in Guayaquil eine Heerschar von Reinigungs- und Sicherheitskräften dafür sorgen mussten, dass die schöne neue Welt nicht in Schmutz und Chaos versank, während in Monterrey nur vereinzelt solches Personal unterwegs war. Die Besucher verzichten einfach von selbst darauf, ihren Müll auf den Boden zu schmeißen!

Wer mitgedacht hat, dem wird nun aufgefallen sein, dass nicht viel Sicherheitspersonal im Park war. Denn das ist wirklich eine Diskrepanz zwischen dem Bild, das in Deutschland von Monterrey gezeichnet wird und der Realität. Es ist nicht so, dass die ganze Stadt wie ein riesiges Freiluftgefängnis wäre, in dem man sich nur im Auto sicher fortbewegen kann. Ich bin bisher größtenteils zu Fuß unterwegs gewesen, bin mit dem Bus gefahren und habe nachts mit Mexikanern in einem kleinen Stadtteilpark gesessen. Man kann offensichtlich sein Auto mit offenen Fenstern abstellen, sofern man in der Nähe bleibt. Es gibt nicht mehr Wachleute als in Ecuador und es gibt auch ein Nachtleben.

Parque Fundidora

Parque Fundidora

Natürlich achte ich trotzdem mehr auf meine Sicherheit: Meine Wohnungstür ist immer abgeschlossen, nach Einbruch der Dunkelheit würde ich nicht mehr alleine auf die Straße gehen und ich trage nur das notwendigste an Wertsachen mit mir herum. Aber bisher habe ich mich nicht unsicher gefühlt.

Trotzdem, um wieder auf den Anfang zurückzukommen – man sollte sich nicht zu sicher fühlen. Denn der Halbsatz, den Jaime so nebenbei gesagt hat, hat es für deutsche Ohren in sich: „Natürlich ist es hier sicher; wir müssen nur eben immer damit rechnen, von einer verirrten Kugel getroffen zu werden, wenn sich zwei Drogengangs bekämpfen.“ Und das ist dann eben doch ganz anders als in Dresden.

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Hallo Alexander, wir wollen deine Zeit in Mexiko gerne mitverfolgen. Nehme uns doch mit in deinen Verteiler auf r***y@arcor.de Es ist gut zu hören, dass sich deiner erster Eindruck sehr positiv anhört. Wir starten Übermorgen Richtung Passau um dann mit dem Fahrrad nach Wien zu fahren,. Von da aus steht dann auch noch ein Besuch in Budapest an. Wir melden uns dann mal wieder in ca. 14 Tagen. Dir alles Gute und na klar viel Spass. Ralf und Sabine

Kommentar von Ralf Labinsky




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