¡Viva Méjico, cabrones!


Der Unterschied zwischen einer Elite-Uni und der TU Dresden…
08/08/2011, 19:53
Filed under: Méjico | Schlagwörter: , , , ,

Wenn Seine Magnifizienz, Herr Professor Müller-Steinhagen, einmal wissen möchte, was die TU Dresden von einer echten Elite-Uni trennt (immerhin ist die Tec de Monterrey für die spanischsprachige Welt das, was das MIT für die englischsprachige Welt ist), dann sollte er sich vielleicht einfach die Begrüßungsrede für die Erstsemestler vom Rektor der Tec anhören. Da sich in meinem Bekanntenkreis schließlich auch der eine oder andere Studentenvertreter befindet, möchte ich den größten Schock gleich vorweg nehmen: Innerhalb der knapp einstündigen Rede war nicht einmal von Forschung oder gar von Geld die Rede, sondern es ging ausschließlich um ein Thema – was möchte die Uni für ihre Studenten tun und warum?

Rehe auf dem Gelände der Tec

Rehe auf dem Campus - das Rezept für eine Elite-Uni?

Nachdem sich der Schock ein wenig gelegt hat, möchte ich gerne ein wenig ausführlicher auf die Rede und die Umstände eingehen: Dieses Semester hat der Studentenrat der Tec, die FEITESM, zum ersten Mal eine Art Erstsemestereinführung durchgeführt (auch hier gibt es also Schatten). In deren Rahmen war die bereits eben erwähnte Rede ein Programmpunkt. Doch schon der Weg zum Auditorium, in dem die Rede stattfand, war ein Ereignis: Alle Erstsemestler (und wir ausländischen Gaststudenten) mussten durch ein Spalier sämtlicher Angestellten der Tec – vom Professor bis zur Putzfrau – gehen, wo sie mit lauten Anfeuerungsrufen begrüßt wurden. Ich denke, besser kann man gar nicht klar machen, dass die Studenten hier im Mittelpunkt stehen.

So begann also letzte Woche Mittwoch meine ersten Erfahrungen außerhalb der geschützten Wohlfühlwolke für ausländische Gaststudenten. Und ich muss sagen – da habe ich schon Schlimmeres erlebt.

Aber nun zu der eigentlichen Rede: Wie ich schon sagte, fand ich sie inspirierend (was zugegebenermaßen aber auch an meinen Erfahrungen als Studentenvertreter liegen mag). Für mich gab es drei Kernpunkte, die ich mitgenommen habe und die sich meines Erachtens nach nicht nur von der TU Dresden, sondern allgemein von Deutschen Unis unterscheiden:

  1. Der Student als Mittelpunkt des universitären Wirkens
    Jeder, der sich auch nur ein wenig mit Hochschulpolitik beschäftigt, wird schnell an den Punkt kommen, wo er merkt, dass es heutzutage nicht mehr in erster Linie um Forschung und Lehre, sondern um Forschung geht. Das kann nicht unbedingt den Unis angekreidet werden, sondern liegt oft politisch begründet: Eine gute Ausbildung kann man schlecht in Zahlen messen – den Output an Fachartikeln schon. Nun ist es sicherlich notwendig, dass an der Universität nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht wird, dass man als Student also mithin auf der Höhe der Zeit ausgebildet wird. Auch die Tec de Monterrey hat dies erkannt und ihre Forschungsarbeit in den letzten zehn Jahren enorm erhöht.
    Die vorherrschende Farbe: Grün

    Oder ist es das viele Grün auf dem Campus?

    Nur: Während solche Erfolge in Deutschland den großteil der Kommunikation der Unileitung mit den Studenten bestimmt, ist es hier an der Tec nur ein untergeordneter Punkt im Leistungspaket für die Studenten. Vielleicht ist es das, was ich vermisst habe: Mich nicht nur als einen Kunden der Uni zu sehen, der einen Posten zum Haushalt beiträgt (genauso wie Drittmittel oder die Seniorenuniversität), sondern als der eigentliche Grund warum die Universität besteht. Denn Tatsache ist nun einmal: Alle Universitäten wurden mit dem Ziel gegründet, Studenten bestmöglich auszubilden. Schön, wenn einem das auch einmal von offizieller Seite bestätigt wird!
  2. Identifizier dich mit deiner Uni!
    Gut, vielleicht tun wir deutschen uns aus historischen Gründen schwer damit, in der Gruppe aufzugehen, aber auch das ist etwas, was meines Erachtens mit dazu führt, dass wir in Deutschland zwar gute, aber keine herausragenden Unis haben. Hand aufs Herz: Wer von uns fühlt sich denn wirklich mit der TU Dresden verbunden? Ich erinnere mich daran, dass es mir peinlich war, dass ich den Großteil meiner Zeit auf dem Campus verbracht habe, während die meisten neben den Vorlesungen maximal noch Mensa und SLUB aufgesucht haben, um dann so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. An der Tec ist das anders: Nicht nur, dass es normal ist, seine Zeit auf dem Campus zu verbringen, die Uni tut auch alles, um die Studenten dazu zu ermutigen: 24-Stunden-Transportservice, eine rund um die Uhr geöffnete Cafeteria, Bibliotheken und Computersäle, die jeden Tag bis Mitternacht geöffnet haben, Sportanlagen, Läden und Wohnheime direkt auf oder am Campus etc. Man könnte, wenn man es denn witrklich wollte, an seinem ersten Tag den Campus betreten und erst wieder am Tag seines Abschlusses verlassen. Keine Frage, ich würde das niemandem empfehlen, aber es ist zumindest möglich. Probiere DAS mal jemand in Deutschland…
    Warum hacke ich auf diesem Punkt so herum? Ganz einfach: Ich denke, dass nur derjenige, der sich wirklich auf seine Universität einlässt und sie als seinen Lebensmttelpunkt ansieht, sich mit ihr identifiziert. Und nur die Identifikation führt dazu, dass einem nicht egal ist, was an und in der Universität vorgeht – weder während noch nach der Studentenzeit.
  3. Ihr seid nicht irgendwer, ihr seid die Besten!
    Der dritte wichtige Punkt der Rede war meiner Meinung nach die ständige Rückversicherung, dass im Auditorium die Elite Mexikos sitzt – und das dies Verantwortung bedeutet. Es ist schwer das zu beschreiben, aber es war eben nicht so arrogant, wie es vielleicht klingen mag, sondern, nun ja, eine Feststellung. Ich bin hier definitiv nicht auf der Berufsakademie Limbach-Oberfrohna, ich bin hier wirklich auf einer Universität, die den Vergleich mit Harvard, Oxford und anderen Elite-Unis nicht nur sucht, sondern auch besteht. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass hier nur geleckte Pinkel rumlaufen, die sich den Sticker „Eure Armut kotzt mich an!“ ans Cabrio kleben würden, wenn sie denn nur deutsch könnten. Nicht das wir uns missverstehen, diese Leute gibt es natürlich auch (lustigerweise handelte es sich bei denen, die mir über den Weg gelaufen sind, um Juristen – manche Stereotypen sind eben international!). Aber auch wenn die Mehrheit der Studenten aus priviligierten Familien kommen, legt die Tec viel Wert auf die charakterliche und persönliche Entwicklung. Und zumindest bei mir kam das auch so an.

Blick vom CIAP

Blick auf den neusten Teil des Campus

Neben der Rede des Rektors gab es noch eine weitere Motivationsrede vom Erfolgscoach der Fottball-Mannschaft (fragt mich nicht warum, aber die Tec findet American Footbal den wohl besten Sport der Welt…), die ich zwar persönlich in Teilen etwas fragwürdig, in ihrer Botschaft, die man grob mit „Was dich nicht umbringt, macht dich nur noch stärker“ umschreiben könnte, für Erstsemestler aber durchaus passend fand. Den Studenten soll Selbstvertrauen eingeimpft werden – und dies zahlt sich offensichtlich aus. Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentfaltung scheinen nicht nur hohle Phrasen zu sein, sondern werden hier offensichtlich wirklich unterstützt: Ich habe jetzt schon von mehreren Studenten gehört bzw. sie sogar selbst in meinen Kursen sitzen, die bereits parallel zum Studium ihre eigene Firma haben. Auch das studentische Engagement ist hoch (was sicherlich auch an den Anforderungen der Tec liegt), was bei dem durchaus straffen Pensum (schließlich macht eine Elite-Uni mehr als nur schöne Reden vom Rektor aus – leider) nicht unbedingt selbstverständlich ist. Allerdings dauert das Erststudium auch normalerweise neun Semester und nicht sechs wie in einigen bestimmten Ländern der EU…

Was wollte ich also rüberbringen? Dass ich hier an einer sehr guten Uni bin. Dass ich hier sicherlich kein so entspanntes Leben haben werde, wie es einige andere Austauschstudenten sicherlich haben. Dass es sich aber verdammt noch mal gelohnt hat, nach Monterrey zu gehen!

P.S: Fotos folgen, sobald ich wieder zuhause über Internet verfüge und nicht mit einem veralteten Internet Explorer arbeiten muss…

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2 Kommentare so far
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Ein Hoch auf die Elite und ihre Unis. Aber zumindest scheint das Dresden Concept die moderneren Betreibssysteme zu haben 😉
Dafür sind Aussicht und Wetter bei dir offensichtlich besser -> 2:1 für Mexico würd ich da mal sagen. Naja ich wart dann mal ab, was das Jahr bei dir noch so bringt.
Grüße aus dem nächtlich gewitternden schönsten Bundesland der Welt

Kommentar von florian

Da kann ich nur zustimmen. Eliteuniversität oder noch deutlicher ElitehochSCHULE ist per Definition eine Hochschule die sich der Ausbildung einer Elite widmet. Das eine solche Ausbildung eine gute Forschung braucht, ist eine Zusatzbedingung, aber nicht die Kernforderung.
Was in Deutschland als „Eliteuniversität“ läuft, ist ein Wettlauf darum, vorher gekürzte Gelder wieder zu bekommen. Mit einer Verbesserung der Bedingungen an den Hochschulen hat das wirklich nichts zu tun.
Dazu kommt noch der Unwillen der Bundesländer den in meinen Augen schädlichen Bildungsföderalismus aufzulockern. Die Bundesrepublik will Gelder in die Ausbildung stecken und die Länder wehren sich mit Händen und Füßen dagegen. So kam am Ende der Unsinn raus, dass staatlich geförderte Universitäten, deren Schwerpunkt die Lehre sein muss, mit staatlich geförderten Forschungseinrichtungen, deren Schwerpunkt die Forschung ist, konkurrieren.
Statt auch nur in Ansätzen eine Leistungskonzentration in der deutschen Hochschullandschaft auf einige wenige europaweit, wenn nicht weltweit renommierte Spitzenausbildungsstätten zu beginnen, baut man die Universitäten zu zweiten Helmholz-, Max-Plank- oder Frauenhofer-Gesellschaften um, die nebenbei noch ein bisschen Lehre betreiben.
Eliteausbildung bedarf der Selektion und Konzentration. So etwas ist in der politischen Landschaft Deutschlands, wo jedes Bundesland eifersüchtig auf das andere blickt, nicht durchsetzbar. Auch Vorschläge für „Bundesuniversitäten“, wie es etwa die weltweit renommierte ETH Zürich oder auch die EPF Lausanne sind, scheitern daran.
In meinen Augen muss diese Selbstzerfleischung der Bundesländer in der Bildung aufhören. Es kann nicht sein, dass schon das Abitur kein einheitlicher Massstab ist und somit zwar manche Schüler mit einem „leichten“ Abitur schneller einen NC-Studienplatz kriegen, aber dann im Studium scheitern, weil sie aus einem Bildungssystem kommen, das ihnen nicht eine „allgemeine Hochschulreife“ erreichten lies.

Kommentar von Peter




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