¡Viva Méjico, cabrones!


Er kann’s nicht lassen…

Einige meiner Freunde haben es mir ja nicht wirklich abgenommen, dass ich mich für ein Jahr zurücklehnen und, anstatt das Studentenleben weiterhin zu gestalten, es einfach mal genießen wollte. Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, dass sie leider teilweise Recht hatten. Immerhin, ich habe die nicht die Vereinigung der deutschen Studenten ins Leben gerufen und auch die Gründung eines Debattierclubs werde ich wohl erst im nächsten Semester ins Auge fassen, aber es gibt doch das eine oder andere, das ich neben dem – zugegebenermaßen auch nicht gerade zu vollgestopften – Studium unterbringen konnte. Und gerade diese Woche war ein ziemlicher Höhepunkt in dieser Hinsicht.

Fangen wir doch zuerst mit den beiden Sachen an, die am schnellsten abgehandelt sind: Dem Casa de la Hogar und mein Sprachtandem. Für das erste wird es irgendwann einen eigenen Eintrag geben und das zweite sehe ich nicht wirklich als ein Ehrenamt an, weil ich mit meinen beiden Tandempartnern gut verstehe und auch außerhalb der wöchentlichen Treffen hin und wieder etwas unternehme. Und unsere Treffen bestehen normalerweise aus einem Mittagessen, bei dem wir über Gott und die Welt sprechen. Es gibt wahrlich schlimmere Pflichtübungen!

Der deutsche Stand

Der deutsche Stand

Was gibt es aber sonst zu tun? Zum Beispiel einen Infostand über Deutschland für den International Day gestalten und Leute dazu zu gewinnen, ihr Austauschjahr in Deutschland zu verbringen. Ein Unterfangen, das gar nicht so aussichtslos ist, wie es vielleicht erscheinen mag – Deutsch ist hier an der Tec immerhin die am zweithäufigsten gewählte Fremdsprache nach Englisch. Es macht sich manchmal eben an Details bemerkbar, dass es sich um eine Technische Hochschule handelt. Deshalb gibt es auch eine Menge Studenten, mit denen man zumindest Small Talk in einem absolut verständlichen und klaren Deutsch betreiben kann. Aber ich schweife ab.

Wie haben wir nun Deutschland beworben? Eigentlich ziemlich simpel, indem wir (beziehungsweise einer meiner Mitstreiter) seine Deutschland-Memorabilia großzügig verteilt hat und wir originale und selbstgemachte deutsche Bratwurst (aus dem einzigen mir bisher bekannten deutschen Restaurant hier in Monterrey) und Kinderschokolade (laut Packung aus Deutschland importiert) als Preise ausgelobt haben. Die Spiele dafür waren eine mexikanische Bingo-Variante mit deutschen Wörtern und ein Dosenwerfen, bei dem man nicht etwa eine Pyramide, sondern die Berliner Mauer zum Einsturz bringen musste. So war mein Freitag also ausnahmsweise einmal etwas sinnvoller ausgestaltet als mit Ausschlafen, Essen gehen und auf den Abend warten.

Gruppenbild mit Rektor

Gruppenbild mit Rektor

Aber auch am Mittwoch war ich nicht ganz untätig, sondern habe mich nützlich gemacht. Morgens war ich bei einem Frühstück mit dem Rektor (ja, dem Unirektor), bei dem es darum ging, sich mit uns als Austauschstudenten auszutauschen und darüber zu reden, was uns gefällt, was uns nicht gefällt, warum wir überhaupt an die Tec gekommen sind und so weiter und so fort. Nach eigener Aussage werden solche Frühstücksrunden regelmäßig mit verschiedenen Studentengruppen durchgeführt und ich habe keinerlei Zweifel, dass das der Realität entspricht. Ich konnte mir daher auch nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass ich die Ausrichtung auf die Studenten von meiner Universität nicht gewohnt bin und dort eher das Gefühl habe, gegen die Institution zu kämpfen, während mein Kontakt zum Lehrkörper und zur Verwaltung an der Tec bisher ausnahmslos positiv war.

Nach dem (äußerst leckeren) Frühstück musste ich mich dann zu Hause schnell umziehen und mich in meinen gemieteten Anzug schmeißen, denn um die Mittagszeit war es an mir, eine Rede zu halten. An der Tec gibt es nämlich die Tradition, am Día de la Raza (das ist der Tag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, also der 12. Oktober) den Árbol de la Fraternidad zu feiern, also den Baum der Brüderlichkeit. Dieser Baum steht hinter dem Rektorat und soll den Austausch unter den Kulturen symbolisieren. Deswegen werden an diesem Tag die ausländischen Konsuln in Monterrey eingeladen und feierlich die Flaggen der Länder gehisst, aus denen Studenten anwesend sind. Außerdem wäre eine solche Veranstaltung ohne ein paar schöne Worte nicht komplett und hier komme ich ins Spiel. Als wir ausländischen Studenten nämlich eine Mail bekommen habe, in der wir gefragt wurden, ob wir vielleicht eine Rede halten möchten, habe ich natürlich ganz bescheiden „Hier!“ geschrien. Schließlich bekommt man nicht alle Tage die Gelegenheit, sich mit einer Rede auszeichnen zu können, vor allem nicht auf Spanisch. Dank meines Tandempartners Marco war ich dann auch in der Lage, in drei Minuten in perfektem Spanisch darzulegen, warum es im Zeitalter des Internets immer noch wichtig ist, einen Austausch durchzuführen. Die Rede kam auch scheinbar sehr gut an, ich wurde sogar gestern auf einer Party darauf angesprochen. Wer Spanisch verstehen kann, hat hier die Gelegenheit, sich auf den offiziellen Seiten meiner Gastuniversität über die Veranstaltung zu informieren.

In zwei Wochen geht es dann weiter, bevor ich mich wieder in meine soziale Hängematte zurückziehen kann – dann werde ich angehenden Austauschstudenten Rede und Antwort für ihr Semester in Deutschland stehen.

Zu guter Letzt möchte ich natürlich nicht vergessen, meinen kurzen Besuch auf dem Oktoberfest am Samstag hier in Monterrey zu erwähnen. Obwohl es von einem Deutschen organisiert wurde (der Besitzer des bereits oben erwähnten deutschen Restaurants), hatte es rein gar nichts mit dem originalen Oktoberfest zu tun, war dafür aber eine sehr gelungene Party. Man könnte also sagen, dass es eher eine Mottoparty war. Immerhin bleibt die Erkenntnis, dass nach drei Monaten Tecate Light Bitburger plötzlich wie eine Offenbarung schmecken kann…

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Hier könnte dein Senf stehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: