¡Viva Méjico, cabrones!


Todos los Santos y Día de Muertos
02/11/2011, 12:11
Filed under: Méjico | Schlagwörter: , , , , , , ,

Eigentlich, eigentlich…

Eigentlich sollte hier ja erst etwas zu meinem Wochenende in Guanajuato erscheinen. Aber leider Gottes geht das Semester seinem Ende entgegen und es lag daher einiges an, was ich erst erledigen musste, bevor ich mich an einen neuen Blogeintrag setzen konnte.

Ein Altar auf dem Campus der Tec

Ein Altar auf dem Campus der Tec

Darum gibt es jetzt zuerst ein paar Worte zum berühmten Tag der Toten, dem Día de Muertos. Dabei handelt es sich um eine präkolumbianische Tradition, die mit dem christlichen Glauben verschmolzen wurde, damit man sie weiterhin begehen kann. Vom 31. Oktober bis zum 3. November wird dabei der Seelen der Verstorbenen gedacht. Bekannter sind allerdings der 1. und der 2. November, da der 31. Oktober für die ungetauften Babys und der 3. November für die Menschen ohne Verwandten und die Selbstmörder vorgesehen ist. Während dieser Tage werden Altare aufgebaut mit Erinnerungsstücken an die Toten und die Gräber geschmückt. Außerdem gibt es auf dem Friedhof eine große Feier, um dem Tod seinen Schrecken zu nehmen; anders als in der christlichen-europäischen Wahrnehmung bedeutet der Tod nicht das Ende, sondern nur den Übertritt in eine neue Dimension (vielleicht sind meine christlichen Freunde auch deswegen so versessen darauf, ins Jenseits zu wechseln…).

Während dies im Süden des Landes, insbesondere in den kleinen Dörfern mit hohem Anteil an Indígenas, sprich Ureinwohnern, eine ganz große Sache ist, muss ich aber leider sagen, dass es in Monterey kaum etwas davon mitzubekommen gibt. Allerdings ist ausnahmsweise einmal nicht der gran hermano im Norden Schuld mit seinem bösen und allgegenwärtigen Kulturimperialismus, wie man als kultivierter Europäer jetzt vielleicht zu denken pflegt, sondern schlicht die Tatsache, dass das Fest noch nie eine Tradition im Nordosten Mexikos war. Hintergrund ist die simple Tatsache, dass die indigenen Kulturen, die in der Wüste Nordmexikos lebten, aus einem anderen Kulturkreis stammen als die Hochkulturen im Süden.

Eine calaverita de azúcar

Eine calaverita de azúcar

Insofern finde ich es auch ein bisschen fragwürdig, ob man hier unbedingt den Día de Muertos vor der zunehmende Halloweenisierung schützen muss, wie es gestern eine Dozentin der Tec in einem Vortrag zu den Traditionen an diesem speziellen Tag forderte. Schließlich wäre das genau so künstlich wie Halloween. Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass in einem so großen Land wie Mexiko auch Ecken existieren, die sich traditionell anders entwickelt haben. Und die Grenzregion zu den USA ist definitiv anders als das Zentrum des Landes, wie ich am Wochenende eindrucksvoll gesehen habe.

Daher finde ich einen Wettbewerb um den am schönsten geschmückten Altar für die regionalen Studentenvereinigungen, den Verkauf von calaveras de azúcar und chocolate caliente sowie eine Vorführung traditioneller präkolumbianischer Tänze Musik am Abend des 2. Novembers für vollkommen ausreichend! Es ist zwar schade für mich, dass dieser so bekannte Teil der mexikanischen Kultur an mir vorübergeht, aber ein mexikanischer Austauschstudent, der nach Hamburg geht, wird ja auch keine Oktoberfest zu Gesicht bekommen…

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2 Kommentare so far
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Doch was ist besser – ein weniger bekanntest mexikanisches Volksfest oder ein irisches, katholisches Halloween? Jedenfalls macht die Halloweenisierung auch in Lettland keinen Halt, wo es schon am 29. gefeiert wurde. Und leider gibt es da noch eine andere Welle. Die des Oktoberfests..

Kommentar von latblogger

Hm, also ich sehe jetzt keinen großen Unterschied zwischen einem irischen durchkommerzialisierten heidnischen Fest und einem mexikanischen noch nicht ganz so durchkommerzialisierten heidnischen Fest – wenn es nicht traditionell ist, ist beides aufgesetzt. Und hier in Monterrey hat es halt noch nie eine größere Bedeutung gehabt. Warum sollte es jetzt also besser sein als Halloween, wenn am Ende beides nur dazu dient, Totenköpfe aus Zucker und Plastikschnickschnack im Supermarkt zu verkaufen?

Oktoberfeste erfreuen sich in Monterrey ja auch großer Beliebtheit – mal sehen, ob es auch die deutschen Weihnachtsmärkte mit Glühwein und Lebkuchen bereits nach Mexiko geschafft haben…

Kommentar von MuGo




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