¡Viva Méjico, cabrones!


Drei Tage wach (in Guanajuato)

Wenn jemand einmal ein ausgelassenes Partywochenende verbringen möchte, so kann ich ihm nur das Abschlusswochenende des Festival Cervantino in Guanajuato ans Herz liegen. Guanajuato? Jawohl, Guanajuato! Ich gebe zu, dass ich den Namen das erste Mal gehört habe, als ich von meinem guten Freund Martin (der Debattierer, nicht der Lette) darüber aufgeklärt wurde, dass er dort sein Austauschjahr verbracht hat. In der Folgezeit schwärmte er mir dann des Öfteren von diesem Ort vor und darum war mir von Anfang an klar, dass ich einmal vorbeischauen muss.

Als ich darum mitgekriegt habe, dass eine Fahrt zum Festival Cervantino nach Guanajuato vom International Office der Tec angeboten werden würde, war die Sache für mich klar: Da würde ich mitfahren. Dass das Festival gleichzeitig noch eines der größten spanischsprachigen Kulturfestivals ist, kann man als positiven Nebeneffekt betrachten.

Blöd nur, dass fast alle Austauschstudenten bereits zum Grito de la Independecia Guanajuato besucht hatten und die Reise deswegen ins Wasser fallen musste. Immerhin wurde ich aber an ein Reisebüro verwiesen, dass eine Woche später die gleiche Tour anbot. Besser als nichts, also gleich gebucht und danach hieß es: Warten.

Glücklicherweise führte ich einige Gespräche während dieser Wartezeit (manchmal hat die Abhängigkeit vom Internet eben doch sein Gutes) und so kam es, dass besagtem Martin irgendwann der Kragen platzte und er sich erkundigte, was eigentlich ein Flug nach Mexiko für Kurzentschlossene so kostet. Anscheinend nicht genug, denn kurz nachdem er mir diese Absicht angekündigt hatte, kam schon die etwas unglaubliche Nachricht, dass Martin mal eben kurz für zwei Wochen einfliegen würde, um seine Freunde und mich in Guanajuato zu besuchen.

Letzten Donnerstag stand ich dann also vor der Tec in freudiger Erwartung der kommenden Tage. Mit mir warteten die beiden Austauschwissenschaftler aus Italien, die sich ebenfalls für den Trip entschieden hatten, Simone und Marco. Die beiden bewiesen mir nur einmal mehr, dass ich zwar mit Ingenieuren klar komme, nicht aber mit Wirtschaftswissenschaftlern (es sei denn, sie studieren Verkehrswirtschaft). Wir haben uns sofort verstanden, während ich mit den meisten anderen Austauschstudenten absolut nicht warm geworden bin (okay, zugegeben, ich habe mich auch gar nicht erst großartig darum bemüht). Wir unterhielten uns in einem lustigen Kauderwelsch (die beiden hatten vor ihrer Ankunft in Monterrey noch nie Spanisch gesprochen und benutzen deswegen teilweise unvermittelt italienische oder englische Wörter mitten im Satz) und dann ging es auch schon los zum Reisebus, wo der Rest der Gruppe wartete.

Glücklicherweise waren die anderen Teilnehmer ebenfalls mehrheitlich in unserem Alter, sodass ein unausgesprochener Konsens darüber bestand, dass wir hier keineswegs auf einer Bildungsreise mit Studiosus waren. Entsprechend wurde auch gleich der erste größere Stopp kurz vor der Stadtgrenze dafür genutzt, riesige Alkoholvorräte an Bord zu schleppen. Ich kam mir mit meinem Gute-Nacht-Bier geradezu schäbig vor. Die Fahrt verlief dann auch entsprechend feucht-fröhlich, leider zu meinem Leidwesen. Nachdem der Reiseleiter es erst geschafft hatte, den Laden ruhig zu stellen, indem er uns gemeinsames DVD-Gucken verordnete, in dessen Anschluss ich gegen eins langsam wegdämmerte, wurden wir durch eine einstündige Pause bei voller Festtagsbeleuchtung um zwei Uhr wieder aus dem Schlaf gerissen. Leider nutzten das die hinteren Reihen, um ihre Ukulele zu entstauben und mexikanische Volksweisen zum Besten zu geben, während die vorderen Reihen krampfhaft versuchten, dies zu ignorieren (Mexikaner neigen nämlich leider dazu, nicht immer jegliche mögliche Rücksicht auf ihre Mitmenschen zu nehmen, während die Höflichkeit es gleichzeitig verbietet, andere auf Fehlverhalten hinzuweisen – ein Umstand, der dazu führt, dass des Öfteren eine Person eine ganze Gruppe terrorisieren kann, ohne das Einhalt geboten wird). Irgendwie muss ich aber dennoch eingeschlafen sein, um dann erst wieder in genau dem Moment aufzuwachen, an dem uns unserer Reiseleiter erläuterte, wann wir denn wieder beim Bus zurück zu sein haben. Wir waren bereits an unserem ersten Ziel: León.

León ist eine Millionenstadt (zumindest laut Lonely Planet, aber demzufolge vergisst man als Deutscher auch gerne einmal, seinen Revolver beim Zoll anzugeben) mit Bus Rapid Transit-System und, für Mexikaner aus irgendeinem Grunde viel wichtiger: die Hauptstadt der mexikanischen Lederindustrie. Wir waren also in erster Linie hier, um uns mit Lederwaren einzudecken. Allerdings war mir das vorher nicht so wirklich bewusst und daher hatte ich auch nicht entsprechend Geld eingepackt, um mich mit neuen Schuhen einzudecken (was durchaus angebracht wäre) oder mir eine schicke Lederjacke zu kaufen. Also beließ ich es bei einem Ersatz für meinen inzwischen arg ramponierten Gürtel und erkundigte mit den Italienern das bisschen Altstadt, das in der Stadt ebenfalls existiert.

Guanajuato

Guanajuato

Gegen Mittag verließen wir die Stadt, um am Ende noch gerade so rechtzeitig in Guanajuato anzukommen, dass man uns am Hotel das Mittagessen nicht verwehrte. Wobei die Zeiten in diesem Hotel sehr menschenwürdig waren, wenn man sie mit deutschen Hotels vergleicht: Frühstück bis 11 Uhr, Mittagessen bis 16 Uhr, Auschecken um 13 Uhr. Das möchte ich in Deutschland auch einmal erleben. Zur Begrüßung ließ es sich Guanajuato übrigens nicht nehmen, uns mit einem Knall zu begrüßen – der Busfahrer hatte unbeabsichtigterweise irgendein zu tiefhängendes Teil in einem Tunnel, der zur Stadt führt, mitgenommen. Wenigstens waren so wieder alle wach.

Aber auch nach dem Essen sollte es mit der wohlverdienten Siesta nichts werden: Martin meldete sich an und ich wollte mir natürlich auf keinen Fall entgehen lassen, ihn wieder zu sehen. Mit ihm als kompetenten Führer verschafften wir mir einen Überblick über die koloniale Altstadt der wahrlich nicht gerade extrem großen Stadt. Später stieß noch Marco dazu, der Simone nicht länger beim Schlafen zusehen wollte und zu dritt entwickelten wir eine der großartigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte: Den Oxxo-Kaffebier-Becher!

Dazu sollte man wissen, dass in Mexiko der Konsum von Alkohol auf der Straße strengstens verboten ist. Weil dem so ist, wir aber natürlich trotzdem nicht auf ein Bier verzichten wollten und dabei nicht wie die letzten Dorfjugendlichen verschämt versteckt-offensichtlich vorgehen wollten, kam uns die Idee, einfach Kaffeebecher aus dem Oxxo zu diesem Zwecke zu benutzen. Da man uns aber keine Becher gratis abgeben wollte, blieb uns nichts anderes übrig, als diese, nun ja, längerfristig auszuleihen. Immerhin erfüllten die Becher ihren Zweck und sorgten für einen ungetrübten Biergenuss.

Abends stand dann eigentlich eine Callejoneada auf dem Programm. Deswegen trennten wir uns wieder von Martin und kehrten zum Hotel zurück, wo es dann immerhin einmal die Gelegenheit zum Duschen gab. Allerdings sagte mir die Callejoneada nicht zu, da ich es etwas blöd fand, mit ca. 50 anderen Leuten einer Musikgruppe in einer engen Gasse zuzuhören. Das war nicht unbedingt das, was ich erwartet hatte. Also setzte ich mich in dem Moment ab, als Martin mich wieder anrief.

Martin, zwei Freundinnen und ich

Martin, zwei Freundinnen und ich vor dem Haus von Carlos, dem Nachbarn von Carlos

Der nun folgende Abend wurde dann richtig unterhaltsam, insbesondere, da Martin nach nur zwei Tagen Mexiko noch nicht wieder akklimatisiert war und deswegen viel zu Deutsch an die ganze Geschichte heranging, was ihn manchmal ein wenig fassungslos machte. Immerhin kann ich zufrieden sagen, dass mich nach drei Monaten gar nichts mehr schockt. Das war der ungefähre Ablauf: Martin bestellt Alex zum Bar Fly; Alex findet nach einer halben Stunde das Bar Fly; Martin bestellt Alex zurück an den Zócalo (das ist der Hauptplatz); Alex findet Martin am Zócalo; zu viert geht man zur angekündigten Hausparty bei Carlos; unterwegs kauft man ein Zwölferpack Bier; Martin findet Carlos‘ Haus nicht mehr; Martin findet Carlos‘ Haus; Carlos ist nicht da; Martin fragt einen Freund per SMS, wo sie sind; Freund fragt Martin per SMS, wer er ist; Martin und Alex beschließen, das Bier alleine vor dem Haus zu trinken, während die Mädchen sich an ihrem orangefarbenen Getränk gütlich halten; drei weitere Personen stoßen dazu, u.a. die Tippgeberin für Carlos Hausparty, um festzustellen, dass Carlos nicht zu Hause ist; zu siebt geht es zurück zum Zócalo; dort trifft man auf Carlos, der gerade auf dem Weg nach Hause ist, um eine Hausparty zu starten; Martin findet das nicht sehr lustig; Martin und Alex gehen zu zweit Tacos und Quesadillas essen; Martin und Alex gehen zurück in Richtung Carlos, da Martin dort den Zugang zum Wlan eines Cafés kennt; Martin spricht drei Mädchen an; die drei Mädchen aus Toluca schließen sich an; zu fünft geht man in die Innenstadt; Martin muss auf Toilette; Alex muss auf Toilette; Martin fragt Alex, wie sie eigentlich an die Mädchen geraten sind; Alex will nach Hause; Martin überredet ihn, noch „eine Stunde“ länger zu bleiben; zu fünft geht man zur Unterkunft der Mädchen, um Alkohol mit unangenehm künstlichen Traubenaroma zu trinken; Móny schreibt eine SMS, dass sie jetzt (um 4 Uhr) in Guanajuato angekommen ist; Martin und Alex verabschieden sich von den Mädchen, nicht ohne zu versichern, dass man sich morgen „vielleicht“ wieder melden werde; Martin und Alex warten vor dem Bar Fly auf Móny und Co.; zu sechst geht man Tacos und Quesadillas essen; alle gehen nach Hause.

Immerhin war ich so um Viertel vor Sechs wieder zurück in meinem Hotel, um meinen wohlverdienten Schlaf zu finden. Dieser dauerte dann auch seine drei Stunden, bis die Stadtführung mich wieder zum Aufstehen zwang. Nach einem mexikanischen Frühstück mit Bohnen ging es fast pünktlich los in Richtung Bus – bloß der Busfahrer fehlte zur vereinbarten Zeit. Nachdem dieser dann auch irgendwann gemütlich angeschlendert kam, ging es mit nur einer Stunde Verspätung auch schon los. Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass einige Anwesende im Kopf Überschlagsrechnungen machten, was ihnen diese eine Stunde an zusätzlicher Schlafzeit gebracht hätte…

In der Mine

In der Mine

Aber das Aufstehen war es trotzdem wert, denn nun ging es daran, die Sehenswürdigkeiten Guanajuatos kennen zu lernen. Los ging es mit einer sympathischen Touristenfalle, in der Folterinstrumente aus der Zeit der Inquisition ausgestellt wurden – nur, um dann immer absurdere Szenarien aufzutischen, die ein wenig an der Wissenschaftlichkeit des Ganzen zweifeln ließen. Danach ging es weiter zur Kirche San Cayetano, die sich direkt neben dem alten Eingang zur Silbermine La Valenciana befindet. Das nutzten wir auch gleich aus und begaben uns unter sachkundiger Führung in die Unterwelt, wo uns gezeigt wurde, wie die Spanier einstmals ihre indigenen Freunde für sich schuften ließen. Anschließend wieder an der Oberfläche ließ es sich unser Führer auch nicht nehmen, uns in einen Spezialitätenladen zu führen, dessen Besitzer bestimmt keineswegs in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu ihm steht und in dem Süßigkeiten, Schnaps und andere regionale Spezialitäten zum Verkauf standen. Besser, als der meiste traditionelle Süßkram, den man in Monterrey sonst zu kaufen bekommt, war dies allemal.

Menschenmassen in Guanajuato

Wir waren nicht die einzigen Besucher...

Nach einem Eis ging es dann wieder zurück in Richtung Innenstadt, um anschließend zur Pipila hochzufahren, dem wichtigsten Aussichtspunkt der Stadt, von dem man einen herrlichen Blick auf die alten Kolonialbauten hat, die zu einer Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe geführt haben (obwohl man wunderschöne Autobahnbrücken über das Tal schlagen könnte, wenn man nur wollte…). Von hier aus entschied ich mich mit anderen wieder zurück zum Hotel zu laufen, um noch das Mittagessen abzugreifen. Außerdem wollte ich mit einigen anderen anschließend zum Museo de las Momias, von dem meine Freunde hier in Monterrey – wir erinnern uns, dass Mexikaner es mit dem Tod haben – mir derart vorgeschwärmt haben (auch wenn sie es selbstverständlich noch nie gesehen haben), dass ich gar keine andere Wahl hatte, als es zu besuchen, wenn ich nicht als Paria enden wollte.

Die kleinste Mumie der Welt

Die kleinste Mumie der Welt - ein siebenmonatiger Fötus (neben seiner Mutter)

Nachdem wir den auf dem Plan sehr kurzen Weg mit einigen Umwegen durch ein gottverlassenes Barrio, dass sicherlich nicht zu den beliebtesten Ausflugsorten von Carlos Slim Helú zählt, endlich gefunden hatten, fanden wir uns in einer schier unendlichen Schlange wieder, die auch nicht kürzer wurde, als sich mehrere Mexikaner mit nonchalanter Selbstverständlichkeit vordrängelten. Als es dann endlich so weit war, standen wir vor der kniffligen Frage, ob wir noch für 15 Pesos mehr (also etwas weniger als einen Euro) eine Eintrittskarte zur Casa de la Muerte dazulösen wollten. In der Ansicht, dass eine Fehlinvestition in dieser Höhe schon zu vertreten ist, lösten wir also die zusätzliche Karte und besuchten das Museum. Das Mumien-Museum entpuppte sich zu meiner Überraschung als wirklich interessant, wenn es auch wegen des Gegenstands zwangsläufig etwas morbide ist, zumal wir das Glück hatten, uns einer geführten Tour mit einem wirklich kompetenten Führer anzuschließen. Ich hatte eher ein Kuriositätenkabinett erwartet. Das erhielten wir aber dafür für unsere 15 Pesos extra. War das Inquisitionsmuseum wenigstens noch pseudowissenschaftlich, so wurde nun alles aufgefahren, was irgendwie versprach, noch einen Peso mehr zu verdienen. Neben einem Vampir, 3-D-Bildern und einem deutschen Wissenschaftler, der an der Strahlenkrankheit starb (sprich: Das Skelett ist mit Neongrün angemalt und wird mit Schwarzlicht bestrahlt), ist auch sonst alles aufgefahren, was man sich von einer billigen Jahrmarktsschaubude erwartet.

Anschließend ging es wieder zurück zum Hotel, wo ich mich um 18.30 Uhr auf mein Bett fallen ließ, wissend, dass nun eine Siesta von mindestens einer Stunde folgen würde. Ich hatte allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Als ich Móny (die für Martin die Übermittlerrolle übernommen hatte, da sein deutsches Handy in Mexiko genauso wenig funktioniert wie das meinige) fragte, wann wir uns denn wo treffen würden, wurde mir beschieden, dass ich um 19.00 Uhr da und da zu sein hätte. Aus der Siesta wurde also nichts.

Guanajuato bei Nacht

Guanajuato bei Nacht

Wir trafen uns also am verabredeten Ort, wo ein Konzert eines angesagten kanadischen DJs stattfinden würde. Da die drei Mädchen aber mit ihren Micheladas nicht reingelassen wurden, mussten wir versuchen, in möglichst kurzer Zeit, zu viert vier Ein-Liter-Becher leer zu trinken. Und das ist bei so gewöhnungsbedürftigen und scharfen Getränken schon eher schwierig. Wir schafften es trotzdem, auch wenn wir danach ernüchtert feststellen mussten, dass wir alle acht nicht so wirklich begeistert waren über das Konzert und es dann auch verließen, nachdem Arely von der Toilette wiederkam.

Anschließend durfte ich das legendäre Bar Fly auch einmal von Innen kennenlernen, statt immer nur davor zu warten. Ein heruntergekommenes Etwas mit viel zu vielen Leuten, die keiner deutschen Brandschutzverordnung Genüge tun würden, aber verdammt viel Flair. Aber auch hier hielt es uns nur eine Weile und wir versuchten ins Barcardi zu gelangen, was aber mehr oder weniger am Eintrittspreis scheiterte, da die Geschäftsleute in Guanajuato leider schlau genug sind, um zu wissen, wann ihnen die Bude auch mit Eintritt eingerannt wird. Schmollend ging es daher weiter zum Taco-Stand und von dort aus zum Oxxo, um Bier zu kaufen. Inzwischen waren wir aber übermütig geworden und dachten, dass wir das Bier schon geschickt auf einem kleinen Platz trinken könnten. Leider tauchten wie aus dem Nichts eine Gruppe Polizisten auf und nahm uns die geöffnete Kiste weg. Auch Martins Verhandlungsgeschick konnte nichts bewirken.

Daniel, Alex, Móny und Arely auf der Dachterrasse

Daniel, Alex, Móny und Arely auf der Dachterrasse

Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit der zweiten Kiste einen etwas versteckteren Platz in einer Nebenstraße zu finden und uns dort häuslich niederzulassen. Bei schlechten bis mittelmäßigen Witzen und einer Paranoia vor möglicherweise sich nähernden Polizisten hielten wir uns hier am verbliebenen Bier gütlich, bis wir uns zu unserem letzten Ziel aufmachten, dessen Namen ich leider vergessen habe. Was ich aber noch weiß: Es liegt direkt am Zócalo, also dem zentralen Platz, hat eine Dachterrasse und wird von einem Hungaro-Mexikaner geführt. Dort ließen wir die Nacht bei ein, zwei Heinecken und ein paar Minuten auf der Dachterrasse ausklingen, bevor es auf den Nachhauseweg ging. Dank der Zeitumstellung war ich deswegen sogar schon um halb fünf wieder im Hotel und konnte mich bis neun Uhr geradezu ausschlafen.

Dann hieß es wieder aufstehen, denn die Rückfahrt stand an. Damit diese nicht gar zu langweilig würde, gab es unterwegs noch San Miguel de Allende und Dolores Hidalgo zu besichtigen; Atontonilco musste aus Zeitgründen leider ausfallen.

San Miguel de Allende

San Miguel de Allende

Mit nur geringer Verspätung kamen wir in San Miguel de Allende, dem Florida Mexikos, an. Wer es als amerikanischer oder europäischer Rentner nötig hat, sich seinen Freunden gegenüber als Connoisseur zu profilieren, der sucht sich dieses kleine Schmuckstück als Alterssitz aus. Daraus entsteht dann eine Rentnerspirale: Rentner spülen Geld in die Kassen der Stadt, die sich noch mehr herausputzt; noch schönere Stadt mit noch besserer Infrastruktur lockt noch mehr Rentner an; noch mehr Rentner spülen noch mehr Geld in die Kassen usw. usf. Und ich muss sagen: Ich kann sie verstehen! Es gibt schlimmere Orte, um alt zu sein, als ein mit mildem Klima gesegnetes Kolonialstädtchen. Zumal die Rentner auch dafür sorgen, dass es ein ihre Altersgruppe ansprechendes Kulturprogramm gibt. Bevor man sich also die Villa in Spanien kauft, sollte man sich vielleicht auch einmal ein Prospekt aus San Miguel de Allende zukommen lassen.

Dolores Hidalgo

Dolores Hidalgo

Beinahe zur verabredeten Zeit ging es dann auch schon wieder los – wir mussten nur unwesentlich eine knappe Stunde auf die einzige Familie an Bord warten, die sich verlaufen hatte. Es ging weiter nach Dolores Hidalgo, wo es endlich, endlich Mittagessen gab. Ich leistete mir sogar den Luxus, ein Essen für fast 10 Euro zu essen – ein für mich bisher unerhörter Preis in Mexiko. Aber es war jeden Peso wert! Ansonsten gibt es in Dolores Hidalgo nicht viel zu sehen. Nun gut, es ist die Geburtsstätte des Unabhängigkeitskampfes, der Ort, an dem der Grito de Dolores das erste Mal verlesen wurde, aber der gute Miguel Hidalgo, Urvater des Mexikanischen Staates, war schon vorher als aufmüpfig bekannt und nicht ganz ohne Hintergedanken als Pfarrer nach Dolores versetzt worden. Denn der Ort war damals schon, was er heute noch ist: Ein Kaff! Immerhin verfügt er über einen der schönsten Oxxos Mexikos und eine sagenhafte Eiskultur, die mir zu der einmaligen Kombination Käse-Tequila verholfen hat. Ich übertreibe wohl kaum, wenn ich zugebe, dass dies die seltsamste Eiskombination war, die ich jemals gegessen habe. Leider habe ich das Avocado-Eis erst gesehen, als ich schon bezahlt hatte – sonst könnte ich mit jetzt wahrscheinlich mit Käse-Avocado brüsten.

Anschließend ging es gegen halb sechs Abends endgültig zurück nach Monterrey. Die Rückfahrt konnte ich einigermaßen dafür nutzen, ein wenig zu schlafen und den mir während der vorangegangenen Tage fehlenden Schlaf ein wenig nachzuholen. Um zwei Uhr morgens waren wir dann auch wieder in Monterrey und gegen drei Uhr lag ich endlich im Bett – erschöpft, aber im Wissen, das bisher beste Wochenende in Mexiko hinter mir zu haben!

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