¡Viva Méjico, cabrones!


Scripted Reality
03/12/2011, 17:43
Filed under: Méjico | Schlagwörter: , , , ,

Jetzt hat es doch ein wenig länger gedauert als gedacht, aber ich schulde euch schließlich noch eine Zusammenfassung zum Drehbuch-Kurs (ob es euch allerdings auch interessiert, ist jetzt eine ganz andere Geschichte).

Vorab die gute Nachricht: Ich bleibe nicht nur ein weiteres Semester hier in Monterrey, ich bleibe sogar freiwillig. Wie mir nämlich in den letzten Tagen aufgefallen ist, sind einige Austauschstudenten wohl heilfroh, wieder zurück in die Heimat zu kommen. Okay, wenn man zweimal in nur vier Monaten überfallen wird, ist das wahrscheinlich sogar eine sehr naheliegende Sichtweise, aber trotzdem – mich erstaunt es, denn ich bin gerne in diesem Millionen-Moloch mit Dauersmog und Polizeihubschraubern und 24-Stunden-Supermärkten. Aber dazu morgen mehr.

Heute geht es dagegen um meinen Drehbuch-Kurs. In einem früheren Artikel habe ich einmal die drei möglichen Storyentwürfe gepostet und in einem Kommentar auch angedeutet, dass ich mich für den ersten Entwurf entscheiden werde, da dieser schlicht besser mit der Aufgabenstellung harmoniert. Schließlich ist auch so gekommen, wenn allerdings noch mit einigen Überarbeitungen – aber prinzipiell ist das die Handlung. Wer Spanisch und Englisch kann (und Deutsch, aber naja, ihr lest ja schon dieses Blog…), ist herzlich eingeladen, sich mit Do You Speak English? zu vergnügen.

Wer jetzt allerdings ganz großes Kino erwartet, wird herbe enttäuscht sein. Handwerklich und formal mag ja alles sicherlich stimmig sein, aber die Story ist schon arg flach und weist einige Lücken auf. Da gibt es z.B. einen Mexikaner, der ganz deus ex machina plötzlich meinem Hauptcharakter zur Seite springt. Sollte ich das Drehbuch einmal überarbeiten (natürlich auf Deutsch – in der Muttersprache schreibt es sich eben doch am einfachsten), muss ich da unbedingt noch einen Subtext einarbeiten. Zur Zeit spiele ich mit dem Gedanken, dem Mexikaner vielleicht subtil homoerotisches Interesse unterzujubeln. Wäre zumindest einfacher, als einen plumpen Zweizeiler einzubauen. Das ist jetzt nur der offensichtlichste Schwachpunkt, es gibt noch ein paar andere, aber es wäre jetzt zu blöde, das alles aufzuarbeiten. Zumal ihr die Geschichte nicht in den Details kennt wie ich. Das einzige, was mich beruhigt, ist, dass ich a) immerhin in der Lage bin, die Fehler selbst zu erkennen und nicht glaube, einen Oscar-würdigen Kuzfilm erschaffen zu haben und b) es mein erster Versuch war. Es gibt sicherlich auch Leute, die im ersten Anlauf ein Drehbuch à la Christopher Nolan abliefern können, aber diese Menschen werden in den seltensten Fällen den Dipl.-Ing. als Abschluss anstreben. Von daher muss ich da nicht überkritisch mit mir sein, sondern kann mir schlicht vornehmen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Insgesamt fand ich den Kurs durchaus hilfreich. Zwar lässt sich nicht leugnen, dass es auch gereicht hätte, die Pflichtlektüre zu lesen, aber hätte man’s? Und viel wichtiger: Hätte ich es auch wirklich durchgezogen, aus einer groben Skizze von ca. einer Seite ein 24-seitiges Drehbuch zu entwickeln? Schließlich kommt die Lust auf einen Drehbuch-Kurs nicht ganz von ungefähr – ich habe durchaus einige Ideen, aber bisher war das alles ziemlich unstrukturiert und ich wusste auch nicht so Recht, wie ich anfangen soll. Der Drehbuch-Kurs hat mir jetzt immerhin ein strukturiertes Vorgehen für kreatives Schreiben gezeigt, was meinem doch eher rationalem als kreativem Stil entgegenkommt: Zuerst die Logline, dann die Charakter-Entwicklung, dann die Synopsis, dann das Treatment und dann das finale Produkt. Welche Form dies am Ende hat, ist dabei eigentlich ziemlich unwichtig, wenn man die Vorgehensweise verstanden hat. Zumindest hilft es mir persönlich enorm, meine Gedanken zu bündeln und mich nicht in Details zu verlieren.

Verloren war die Zeit damit nicht. Und außerdem übt es ganz außerordentlich, 24 Seiten auf Spanisch zu verfassen und selbst PONS des öfteren an seine Grenze stieß – auch wenn es nur im Präsens ist. Jetzt muss sich nur noch zeigen, ob es das Zeug hat, mein ganz persönlich Kalligraphie-Kurs zu werden…

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