¡Viva Méjico, cabrones!


Mit 25 Millionen Menschen ins Stundenhotel oder: Ein paar Tage im Mittelpunkt der (Azteken-)Welt

Zwei Stunden Inlandsflug (der fast die ganze Zeit über das Meer führt) müssen genutzt werden, schließlich haben wir in der mexikanischen Hauptstadt einiges erlebt. Neben mir schreibt Mario seine Postkarten, so dass diese wahrscheinlich auch nur kurz nach ihm in Deutschland ankommen werden.

Wie es sich für eine der größten Städte der Welt gehört, war der DF (ich werde ab jetzt diese Kurzschreibweise für Mexiko City benutzen) vor allem eins: Laut. Allerdings war er zu meiner Überraschung dabei gar nicht so überfüllt wie gedacht. Vor der Ankunft malte ich mir aus, wie alle 25 Millionen Bewohner gleichzeitig am Busterminal auf uns und vor allem unsere Geldbörsen warten würden, um sie im unweigerlichen Gedränge innerhalb von Sekundenbruchteilen aus unseren Taschen zu entwenden. Die Realität zeigte sich deutlich entspannter und sicherer. Wir konnten uns jederzeit unbedrängt bewegen, selbst in der U-Bahn kam uns niemand zu Nahe. Meine Kamera konnten sie mir ja ohnehin nicht mehr abnehmen…

Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis...

Ein 'gutes Preis-Leistungs-Verhältnis'...

Unser erstes Ziel war das Hotel Managua, laut dem Loose „ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Wenn dem so ist, dann würde mich mal interessieren, was ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Preisklasse darstellt (denn billig war es allemal). Darüber hinaus schien sich unser Hotel einen kleinen Nebenverdienst als Stundenhotel hinzu zu verdienen. Zum einen war auf der Preisliste für den Zimmerservice als erstes Kondome aufgeführt, zum anderen prangte unten an der Garage das Wort garage. Laut Lonely Planet handelt es sich bei Etablissements mit diesem Hinweis um auch stundenweise zu bekommende Herbergen. Das könnte der Realität entsprechen: In unserem Hotel für die weiteren drei Nächte gab es zwar eine Tiefgarage, aber ein Hinweis darauf fehlte dort genauso wie an anderen Hotels, an deren Parkplätzen und Garagen wir vorbei kamen.

Schlittschuhlaufen auf dem Zócalo

Schlittschuhlaufen auf dem Zócalo

Unser erstes touristisches Ziel war danach der Parque La Alameda, an dessen nordwestlicher Ecke sich hervorragende Essensstände befinden. Nach der obligatorischen Stärkung ging es weiter zum Zócalo, dem Hauptplatz und Zentrum des DF und angeblich der drittgrößte innerstädtische Platz der Welt (mir kam er allerdings nicht besonders riesig vor). Hier stehen unglaublich schiefe Gebäude wie die Kathedrale (der Boden senkt sich Dank des sinkenden Grundwasserspiegels) sowie derzeit ein Pepsi-Weihnachtsbaum, eine kostenlose Eisbahn (bei knapp 25 Grad sehr klimaschonend), eine Art Weihnachtsmarkt sowie zwei Stände, an denen man aus „Naturschnee“ kleine Schneemänner bauen sowie sich Schneeballschlachten liefern konnte.

Smog

Smog

Auch den Montag folgenden Tag nutzten wir, um das Zentrum der mexikanischen Hauptstadt zu erkunden. Allerdings sind 25 Millionen fröhliche Mexikaner, die einen freien Tag zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe genießen, für zart besaitete Tourinerven, die kurz vorher noch im beschaulichen San Miguel de Allende die Seele baumeln ließen, ein bisschen anstrengend. Wir waren durchaus froh, uns doch nicht das Spektakel vor der der Jungfrau geweihten Basilika angetan zu haben. Stattdessen verkrochen wir uns in ein Restaurant hoch über dem Zócalo und genossen Aussicht, Smog und landende Flugzeuge. Danach fuhren wir auf den Torre Latinoamérica, seinerzeit das modernste und höchste Gebäude Lateinamerikas, und genossen die Aussicht, Smog und verstopfte Hauptstraßen. Abends trafen wir uns mit der mir bereits aus Guanajuato bekannten Arely und aßen pozole, einen leckeren mexikanischen Festtagseintopf, und tranken dazu Noche Buena, das vielgepriesene Weihnachtsbier.

Teotihuacán

Teotihuacán

Am Dienstag verließen wir die große Stadt wieder vorübergehend, um uns in das knapp 50 Kilometer entfernte Teotihuacán zu begeben. Dabei handelt es sich um eine präkolumbianische Ruinenstädte einer Kultur gleichen Namens. Neben der dritthöchsten Pyramide der Welt, der Piramide del Sol (Sonnenpyramide), befinden sich auch die nicht weniger imposante Piramide de la Luna (Mondpyramide), eine alte Tempelanlage, mehrere andere Gebäuderuinen, ein sehr interessantes Museum sowie viel zu viele Souvenirverkäufer auf dem Gelände. Außerdem offenbarten sich die Vorteile von Spanischkenntnissen kombiniert mit einem mexikanischen Studentenausweis, denn ich konnte den etwas versteckten Hinweis finden, dass ich als eingeschriebener Student einer mexikanischen Universität dieses UNESCO-Weltkulturerbe gratis besuchen darf. Meine anfängliche Sorge, dass man über die paar Steine schnell rübergekraxelt sei, erwies sich als falsch, denn inklusive Mittagspause (während der wir von Schleppern auf Schritt und Tritt verfolgt wurden) verbrachten wir gute fünf Stunden in Teotihuacán. Dabei fiel uns ein interessanter Effekt auf, bei dem mich interessieren würde, ob er von den Erbauern intendiert war: Von weitem sieht die Piramide del Sol majestätisch und beeindruckend aus und beherrscht die Szenerie; kommt man jedoch näher heran, so wirkt sie wegen ihrer Proportionen plötzlich eher gedrungen und überraschend niedrig für ihre 70 Meter Höhe. Die Besteigung ist trotzdem anstrengend – 2000 Meter über dem Meer spürt man schnell die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Abends ging es daher auch nur noch in ein etwas ökologisch-alternativ angehauchtes Restaurant, dass sich am Ende doch wieder als Kette (inklusive Filiale im Flughafen) entpuppte sowie auf einen Mezcal – schließlich gibt es in Mexiko auch anderes außer Tequila zum Rachen putzen.

Die sieben Schichten des Templo Mayor

Die sieben Schichten des Templo Mayor

An unserem letzten Tag genehmigten wir uns nur noch drei Sehenswürdigkeiten, die aber durchaus intensiv genutzt wurden. Als erstes ging es zum Frühstück ins Café de Tacuba, nach dem sich eine der bekanntesten mexikanischen Bands benannt hat. Dort wird man von Kellnerinnen in Schwesterntracht bedient und kann Malern dabei zusehen, wie sie die vielen Wandmalereien ausbessern. Als nächstes ging es zum Templo Mayor neben dem Zócalo, der seit knapp 35 Jahren wieder freigelegt wird und Einblicke in die Welt der Azteken bietet. Sehr schön kann man hier sehen, wie die Pyramiden wuchsen, in dem Schicht über Schicht gebaut wurde. Als letztes ging es dann ganz uneigennützig mit U- und Stadtbahn bis zur südlichsten Station der elektrischen Verkehrsmittel im DF, um dort auf Muskelkraft umzusteigen. Mit Muskelkraft ließen wir uns eine Stunde durch die schwimmenden Gärten von Xochimilco gondolieren. Hier war es dank des Wochentags für mexikanische Verhältnisse ungewöhnlich ruhig – abgesehen von den Mariachi-Bands, die ihre Dienste auf eigenen Kähnen feil boten. Außerdem gab es leckere sopes, mit Fleisch, Zwiebeln und Käse belegte Maisfladen am Anleger zu kaufen. Nach unserer Rückkehr ins Zentrum zogen wir nach dem Frischmachen weiter nach La Condesa, einem der Ausgehviertel des DF, wo wir uns mit Arely und einigen ihrer Freunde auf einen Absacker im Black Horse trafen.

Xochimilco

Xochimilco

Absoluter Höhepunkt ist und bleibt jedoch der abschließende Flug mit Vivaaerobus nach Cancún. Es begann schon damit, dass der von uns gefürchtete Berufsverkehr im DF auf dem Weg zum Flughafen scheinbar keine Rolle spielt, denn nach 20 Minuten waren wir bereits da – bei einer kalkulierten Fahrtzeit von einer Stunde doch eine leichte Zeitersparnis, die wir für das Frühstück nutzten. Pünktlich zwei Stunden vor dem Abflug stellten wir uns in die Schlange vor den Vivaaerobus-Schaltern; als 75 Minuten später unser Flug geschlossen werden sollte, waren wir noch immer gute 30 Meter von den Check-In-Schaltern entfernt. Hektisch wurden wir dann zu unserer Erleichterung doch noch irgendwie durchgecheckt und gingen dann zu unserem Flugzeug, wo augenscheinlich das Boarding bereits begonnen hatte. Das Flugzeug war nur zu weniger als einem Viertel gefüllt, was bei vier Flügen innerhalb von einer Stunde allein durch Vivaaerobus (die Verbindung DF – Cancún wird insgesamt durch alle Airlines 42 Mal am Tag bedient!) auch nicht verwunderte. Jedoch waren scheinbar noch einige andere Leute hinter uns in der Schlange gestrandet, denn am Ende war das Flugzeug bis auf den letzten Platz gefüllt. Getränke gab es dann während des Flugs zwar nicht gratis, dafür war aber das Flugzeug mit Werbung zugepflastert. Kein Vergleich mit dem Luxusflug mit Interjet von Monterrey nach Guadalajara! Aber was nimmt man nicht alles für einen richtigen Strandurlaub an der Riviera Maya auf sich…

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Hier könnte dein Senf stehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: