¡Viva Méjico, cabrones!


Wolken über dem Paradies

In Deutschland regt sich angeblich Unmut über die Aussicht auf grüne Weihnacht. Nun, solche Probleme stellen sich an der Karibikküste glücklicherweise nicht. Hier grüßt türkises Wasser und würden nicht hin und wieder die oben angesprochenen Wolken Regenschauer abladen, wäre das Glück perfekt!

Seit über einer Woche bin ich nun schon auf der Halbinsel Yucatán, die meiste Zeit davon in Begleitung Marios, der sich am Donnerstag wieder zurück nach Deutschland begeben hat. Und viel haben wir seit dem denkwürdigen Flug mit Vivaaerobus erlebt.

Direkt nach unserer Ankunft eröffnete uns Sixt, dass der vorbestellte Mietwagen ein ganz klitzekleines bisschen teurer werden würde als im Internet geschrieben, kaum der Rede wert, nur ein wenig mehr als das Doppelte des ursprünglichen Preises. Kurzerhand entschlossen wir uns, dankend auf den Mietwagen zu verzichten. Gleich danach wurden wir von einem mexikanischen Vertreter angesprochen, der uns ein deutlich billigeres Angebot machen konnte. Nach kurzer Beratung entschieden wir uns doch wieder für einen Mietwagen – eine Entscheidung, die wir im weiteren Verlauf nicht bereuen würden.

Puerto Morelos

Puerto Morelos

Die Hotelburgen von Cancún ließen wir von Anfang an links liegen und begaben uns zu unserem ersten Ziel, Puerto Morelos. Dies ist der erste größere Ort am Strand südlich von Cancún und kommt bislang noch ohne größere Hotels aus. Der Ort besticht außerdem durch seine überschaubare Größe, die trotzdem über eine gute touristische Infrastruktur verfügt, seinen Anlegepier und den schiefen Leuchtturm, der seit mehreren Jahrzehnten den Hurrikans trotzt. Hier kamen wir in der Posada Amor unter und schickten uns zum ersten Bad im Pazifik an – zum Horror der anderen Touristen verschlug es uns an den nicht gerade als traumhaft zu bezeichnenden Strand rechts der plaza, denn den eigentlichen Strand entdeckten wir erst bei unserem Spaziergang am Abend.

Wolken über dem Paradies

Wolken über dem Paradies

Am nächsten Morgen, dem Freitag, ging es dann als erstes zum Schnorcheln an das Puerto Morelos vorgelagerte Korallenriff. Zuerst hielten wir die vorgeschriebenen Schwimmwesten für lächerlich, aber nach zwei Stunden Schnorcheln im offenen Meer waren wir doch dankbar für die Schwimmhilfen. Am Nachmittag wollten wir dann an den in einem unserer nunmehr drei Reiseführer (Mario hatte noch einen DuMont für Chiapas und Yucatán dabei, der zwar ein wenig ausführlicher war, dafür aber auch gerne einmal falsche Angaben machte) als menschenleer und traumhaft beschriebenen Strand von Punta Bete zum Schwimmen fahren. Nach einigem Suchen fanden wir auch den öffentlichen Strandzugang (Kleiner Einschub: In Mexiko sind alle Strände per Gesetz öffentlich zugänglich – sofern sie einen öffentlichen Zugang haben, natürlich. In der Praxis bedeutet dies einfach, dass die Hotels zwischen Küstenstraße und Strand gequetscht werden und das Betreten des „Privatgrundstücks“ verbieten). Leider erwies sich der Strand als eine Aneinanderreihung von Hotels, die ihre Liegestühle oft so nah an die Wasserlinie zwängten, dass man teilweise nicht einmal mehr einen Meter zum Gehen hatte. Wir badeten dennoch wie zum Trotz, auch wenn wir uns noch einmal erkundigten, ob wir denn auch wirklich in Punta Bete gelandet waren. Natürlich, wurde uns fröhlich beschieden – „menschenleer“ stellt also eine höchst interessante Fehlrecherche dar, wenn man bedenkt, dass keiner unserer Reiseführer einen Redaktionsschluss hat, der mehr als ein Jahr zurückliegt…

Doch damit nicht genug – um den Tag zum wirklichen Tiefpunkt der ganzen Reise zu machen, gönnten wir uns noch eine Fahrt nach Playa del Carmen, oft kurz Playa genannt. Das zweitgrößte Touristenzentrum an der Riviera Maya ist laut Lonely Planet der hipste Ort der mexikanischen Karibik und verströme europäischen Flair. Nun, ich bezweifele, dass der Verfasser dieser Aussagen jemals in Europa war. Die „berühmte“ 5th Avenue (das allein ist ja schon eine total „europäische“ Anspielung) gleicht dem Ballermann beim Aprés Ski – nur, dass jemand alle Deutschen mit Amerikanern ersetzt hat. Fast-Food-Filiale reiht sich an Souvenir-Kaufhaus (ja, in Playa gibt es sowas!), „authentische“ Bar an Klamottenladen. Aufgelockert wird das Ganze durch Läden, in denen sich frau ihren gratis Tequila durch Tanzen an der Stange auf der Bar erarbeiten kann. Wer Spring Break mag, wird Playa lieben – insbesondere, wenn beides aufeinander trifft! Das alles wirkt um so mehr wie ein bizarres Disneyland, wenn man so wie wir nur ein paar Blocks weiter in einer kleinen taquería gegessen hat, in der sich vor uns wahrscheinlich noch nie Touristen verirrt haben. Glücklicherweise konnten wir uns schnell wieder zurück nach Puerto Morelos flüchten.

Mario vor dem Castillo

Mario vor dem Castillo

Doch auch dort blieben wir nicht viel länger, denn am nächsten Morgen brachen wir früh ins Landesinnere auf, um Chichén Itzá zu besichtigen, Heimat der wohl berühmtesten Pyramide Mexikos, El Castillo. Der Besucheransturm ist ebenfalls überwältigend, denn schließlich müssen die Hotelgäste in Cancún bespaßt werden. Zum Glück ist das Gelände groß und der gemeine Pauschaltourist faul, sodass man sich außerhalb des Areals um die Pyramide nicht mehr auf die Füße tritt. Als erster Kontakt mit der Maya-Architektur ist die Stätte nicht schlecht, da sie aufgrund ihrer Bekanntheit ziemlich gut restauriert wurde. Außerdem kann man im Straßendorf vorher ziemlich gut essen – nach unseren Erlebnissen in Teotihuacán gingen wir diesmal auf Nummer sicher.

Anschließend ging es wieder ein Stück zurück Richtung Küste nach Valladolid, einer kleinen Kolonialstadt im Dschungel. Hier mieteten wir uns in einem „motel-artigen Funktionshotel“ (O-Ton Reiseführer) namens Hotel Zaci ein, dass alles hatte, was wir wollten: Dusche, zwei Betten und sogar einen Pool. Das ganze zu einem Preis, wie man ihn nur ein paar Kilometer weiter an der Küste wohl das letzte Mal in den Neunzigern verlangt hat. Wir genossen das kleine Zentrum um den Park und die Kathedrale herum und genehmigten uns die wirklich besten nachos überhaupt in einer kleinen und sympathischen Touristenfalle in bester Lage.

Mit dem Fahrrad durch Cobá

Mit dem Fahrrad durch Cobá

Am Sonntag ging es wieder früh raus, denn es galt, vor den Besucherströmen in Cobá, der nächsten Maya-Stätte auf unserem Plan, anzukommen. Dieses Ziel erreichten wir auch – immerhin 15 Minuten lang hatten wir das Gefühl, die Einzigen zu sein, die auf die Idee gekommen waren, hier vorbei zu sehen. Danach erkundigten wir gemütlich per Fahrrad(!) die teilweise mehrere Kilometer auseinanderliegenden Kultzentren und durften auch zum ersten Mal Maya-Bauten besteigen, was uns einen herrlichen Blick auf die umliegende Waldlandschaft ermöglichte.

Ein Cenote

Ein Cenote

Nach einem Mittagessen am entspannten Parkplatz der Anlage ging es dann zu einem „Abfallprodukt“ des Abstechers, wir besuchten drei in der Nähe liegende Cenoten. Dabei handelt es sich um Höhlen, die teilweise mit Wasser gefüllt sind und zum Baden einladen. Erst von uns als Nice-to-Have angesehen, erwies es sich als absolutes Must: Die faszinierenden Höhlen mit ihrem türkisen Wasser, in dem sogar Fische herumschwimmen, sind ein super Erlebnis. Spätestens jetzt waren wir dankbar für den Mietwagen, der uns den Besuch dieser etwas Abseits gelegenen Höhlen erlaubte. In der letzten Höhle konnten wir sogar ein paar Minuten absolutes Stille genießen (naja, beinahe absolut – das Brummen des Dieselgenerators für die Beleuchtung war auch noch 10 Meter unter der Erde zu hören), bis eine Gruppe fröhlich-lärmender Franzosen zu uns stieß.

Nach diesem ereignisreichen Tag ging es wieder zurück an den Strand, genauer gesagt nach Tulum (mit einem kurzen Zwischenaufenthalt in Takkah ein paar Kilometer nördlich). Hier wollten wir die Entscheidung treffen, ob wir weiter nach Mahahual im Süden fahren oder zum Abschluss ein paar ruhigere Tage am Strand verbringen würden. Voraussetzung war dafür ein guter Eindruck desselben in Tulum. Da es schon dunkel wurde, verschoben wir die Entscheidung auf den nächsten Tag und begnügten uns mit einem Besuch im Pequeño Buenos Aires, dem Argentinischen Steakhaus von Tulum. Teurer hatten wir bis dahin nicht gegessen, aber selten auch so traumhaft gut. Bei unserer Rückkehr vom superben Mahl in unsere Unterkunft Cabañas Playa Condesa direkt am Strand wurde unsere Zufriedenheit jedoch durch eine Kakerlake getrübt, die über unsere Betten huschte und erst nach einiger Zeit gestellt werden konnte.

Die Ruinen von Tulum

Die Ruinen von Tulum

Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen daher wieder zusammen, setzten uns ins Auto – und fuhren erst einmal zu den Ruinen von Tulum. Diese liegen traumhaft auf einem Felsen direkt über dem Meer und gehören zu den meistbesuchten Maya-Stätten – obwohl sie deutlich kleiner sind als die bereits von uns besuchten Ruinen in Chichén Itzá und Cobá. Anschließend ging es zum Frühstücken in das einige Kilometer oberhalb des Strandes liegende Dorf, wo wir beschlossen, in Tulum zu bleiben. Also machten wir uns wieder auf zum Strand, um das im Lonely Planet gelobte Hostel Maria Sabina zu finden. Dummerweise war es unauffindbar, weswegen wir zu dem in einem anderen Reiseführer empfohlenen Xbalemqué fuhren. Hier war allerdings nichts mehr frei; als wir etwas enttäuscht fragten, ob man denn wüsste, wo das Maria Sabina zu finden sei, wurde uns beschieden, dass man dies natürlich wüsste, da es sich um das selbe Hotel handeln würde – man habe sich vor geraumer Zeit umbenannt. Reiseführer-Rechercheur muss ein Traumberuf sein, wenn man nur alle paar Jahre mal überprüfen muss, ob die Namen, die man irgendwann einmal aufgeschnappt hat, eigentlich noch aktuell sind…

Der Traumstrand

Der Traumstrand

So landeten wir schließlich beim entspannten Nachbarn, der den ganzen Tag in Badeslip herumzulaufen scheint, seiner Frau ins Tagesgeschäft pfuscht (zumindest schien seine Frau andauernd Reservierungen zu bestätigen, was ihn dann aufgrund seiner vollmundigen Zusagen für Platz in arge Probleme brachte) und auch sonst ein gutmütiger Herrscher seiner alternativ-bewegten Gäste war, die auch im Strandurlaub die Trockentoilette und die Unterkunft im Zwei-Mann-Zelt nicht missen wollen. Auch wenn wir das Angebot auf Yoga-Klassen ausschlugen und uns auch sonst vollkommen fehl am Platz fühlten – der Privatstrand riss alles wieder raus: Ein Traum aus weißen Sand, Palmen, Wellen und türkisem Meer, dazu nahezu menschenleer – ein echtes Paradies eben! Hier verbrachten wir den Nachmittag, ehe wir zum Essen wieder in den Ort fuhren. Natürlich existierte der Lonely-Planet-Tipp nicht mehr, dafür landeten wir in einem Restaurant, wo sich die Bedienung hartnäckig weigerte, uns die Rechnung zu präsentieren, sondern nur immer eine sich langsam nach unten verändernde Summe nannte. Diese war am Ende immerhin gar nicht mehr so weit vom tatsächlichen Preis entfernt…

Baden unter den Ruinen

Baden unter den Ruinen

Am nächsten Morgen packten wir zum zweiten Mal unsere Sachen zusammen und nutzten den Privatstrand noch einmal aus, bis wir endgültig den Schlüssel abgeben mussten (an dem auch der Schlüssel zum Zugang zum Strand hing). Danach suchten wir uns einen Zugang zum öffentlichen Strand, der zwar kaum Palmen hatte, aber dennoch alles schlägt, was mir mit Ausnahme des vorherigen Strandes bisher untergekommen ist. Zum Einbruch der Dunkelheit ging es dann in den Ort, wo wir uns im Hotel Kukulcán einbuchten. Wieder funktional eingerichtet, aber nach einem langen Strandtag ist die Dusche einfach wichtig – vor allem, wenn man am Vortag nicht Duschen konnte…

Ek Balam

Ek Balam

Am nächsten Tag regnete es, sodass wir uns gegen Mittag entschieden, nach Ek Balam zu fahren, einer Maya-Stätte, die erst seit Kurzem erforscht wird und etwas nördlich von Valladolid liegt (wo wir unser Mittagessen einnahmen). Der Ausflug lohnte sich, denn Gebäude wie hier hatten wir bis dahin noch nicht gesehen. Außerdem knallte hier die Sonne vom Himmel und außer einer Reisegruppe von Amerikanern und einer von Franzosen war hier auch nicht viel los. Höhepunkt war aber sicherlich, dass wir es hier schafften, den Mietwagen wenige Stunden, bevor wir ihn zurückgeben mussten, doch noch zu beschädigen, indem wir die Stoßstange ein wenig aus ihrer Halterung rissen.

Mit etwas gedrückter Stimmung ging es daher wieder zurück nach Tulum, wo es ein abschließendes Festessen mit pastor in der kleinen taquería am Ende von Tulum gab – billiger und besser kann man hier wahrscheinlich nicht essen. Danach bereitete sich Mario auf seine Abreise vor und schlief noch einmal ein paar Stunden, bis er um 3.30 Uhr zum Flughafen aufbrach. Ich blieb zurück, um über Weihnachten hier in der Karibik zu bleiben.


Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Hier könnte dein Senf stehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: