¡Viva Méjico, cabrones!


Off-Road in Mexiko

Ich weile wieder in Monterrey und habe mein letztes Wochenende, bevor es morgen wieder mit der Uni los geht, hier verbracht. Und ich kann auch gleich den nächsten Tipp weitergeben, wie man einen vergnüglichen Abend verbringen kann: Einfach mit ein paar evangelikalen Christen J. Edgar angucken und sich auf die Reaktionen bei der Kussszene freuen!

Allerdings schulde ich euch noch einen Bericht darüber, was seit Veracruz passiert ist. Eigentlich kann man es damit zusammenfassen, dass es nicht das war, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Der Abend nach der Busfahrt von Veracruz in den DF verlief noch so wie geplant. Ich buchte mich im Hotel Isabel ein und machte mich dann daran, die gleich um die Ecke liegende und vom Lonely Planet empfohlene Taco-Bude aufzusuchen. Dieser ließ dazu verlauten, dass der Anblick der Fleischpfanne etwas unappetitlich sei, die tacos aber unverschämt gut schmecken würden. Ich würde sagen, dass beides stark untertrieben ist – es gibt die besten tacos Mexikos, aber frage nicht, woraus sie gemacht werden! Insgeheim bin ich, trotz meines verhältnismäßig starken Magens, doch sehr froh, dass an diesem Abend die Augen für die tacos de ojo leider aus waren. Zurück im Hotel entdeckte ich dann zu meiner Überraschung, dass es einen kostenlosen Zimmerservice für das Hotel-Restaurant gab. Etwas übermütig orderte ich daraufhin noch eine guacamole. Diese schmeckte zwar etwas seltsam, aber was soll’s?

Am nächsten Tag wusste ich dann, warum die guacamole etwas seltsam geschmeckt hatte: Zum ersten Mal in wer weiß wie vielen Jahren hatte ich eine Lebensmittelvergiftung! Anstatt wie geplante im Parque Chapultepec das gleichnamige Schloss, den Zoo sowie das nationale Anthropologie-Museum zu besuchen, musste ich den ganzen Tag im Hotel verbringen. Eine wirklich unangenehme Erfahrung, die mich wirklich dankbar für meinen Verdauungstrakt aus Eisen macht, der mich bisher vor solchen Attacken bewahrt hat.

Nach diesem schrecklichen Tag war es dann soweit: Silvester stand vor der Tür! Wenigstens ging es mir wieder besser und ich konnte ohne Probleme die Reise ins etwa zwei Stunden entfernte Actopan zurücklegen, wo ich zusammen mit der schon bekannten Arely feiern wollte. Ursprünglich wollte ich eigentlich bei einer anderen Freundin in Toluca feiern, aber das hatte sich kurzfristig zerschlagen. Aber meine Zeit im Bundesstaat Hidalgo war keineswegs nur eine Notlösung. Arelys Familie nahm mich in ihrem Heimatdorf San Salvador sofort in ihrer Mitte auf und es gab chalupas (eine Art belegte Tortilla), tinga (marinierter Hühnerfleischsalat) und bacalao (Kabeljau, hier allerdings besonders mariniert) en masse. Allerdings hielt ich mich vornehm zurück, denn mein Magen war noch immer ein wenig angegriffen vom Vortag. Insbesondere als ich mich zu einem Tequila überreden ließ, musste ich mich danach zurück halten. Trotzdem war es ein schöner Jahresausklang, mit allem, was dazu gehört: selbstgebauten Mexiko-Böllern, zwölf Trauben um Mitternacht, Karaoke und von einem Besoffenen vollgelabert werden.

Am 1. Januar ging es dann mit dem anwesenden Teil der Familie (immerhin gut 15 Personen) rauf in die Berge zu einer Felsenformation namens los frailes (die Mönche). Zu deren Füßen befindet sich ein Teich, an dem wir Rast machten und ein wenig Fleisch grillten (mit anderen Worten: Ich habe dieses Jahr bereits angegrillt). Abends ging es nach El Progreso, einer Nachbarstadt, wo Dorffest war und es ein castillo (wörtlich: Schloss) zu sehen gab: Eine Art Feuershow mit anschließendem Feuerwerk. Außerdem wurde auf dem Hauptplatz zum Tanz aufgespielt, aber banda ist einfach nicht meine Musik…

Eigentlich wollte ich dann am 2. Januar langsam weiter nach Querétaro fahren und dort einen Freund namens Marco treffen. Da ich mit ihm ausgemacht hatte, mich am 3. Januar mit ihm zu treffen, konnte ich noch mit nach Real del Monte fahren. Dabei handelt es sich um eine englische Bergbausiedlung, da Bergleute aus Cornwall geholt wurden, um die Silbervorkommen auszubeuten. Diese brachten dabei dann unter anderem den Fußball und pastes, eine Art Pastete, nach Mexiko mit. Anschließend ging es wieder zurück nach Pachuca, der Hauptstadt von Hidalgo. Hier wurde mir allerdings offenbart, dass es keine Direktbusse nach Querétaro gibt, was bedeutete, dass ich erst spät Abends angekommen wäre. Insofern blieb ich am Ende noch eine Nacht in San Salvador, um am nächsten Morgen früh nach Querétaro aufzubrechen.

Hier traf ich mich mit Marco und traf spontan die Entscheidung, San Luis Potosí links liegen zu lassen und Zacatecas auf einen anderen Zeitpunkt zu verlegen. Damit konnte ich nämlich sein Heimatdorf besuchen, das ebenfalls einen Besuch wert zu sein schien. Doch erst einmal ging es darum, Querétaro zu erkunden. Die Stadt hat es in der Tat nicht verdient, dass man sie links liegen lässt, denn sie verfügt über eine wirklich hübsche koloniale Altstadt. Hier trafen wir unter anderem auf einen alten Anglo-Mexikaner, der uns spontan in sein Haus einlud, dass zu den ältesten denkmalgeschützten Häusern der Stadt gehört. Wir konnten seine in den Jahren angesammelten Kunstschätze sowie seine vielen Vögel bewundern und plauderten nett über Gott und die Welt – der Zufall führt einen oft zu den interessantesten Plätzen.

Am nächsten Tag, dem Mittwoch, ging es dann weiter nach San Joaquín de Querétaro, Marcos Heimatdorf. Dieses schmucke Bergdorf liegt von Wäldern umgeben in der Sierra Gorda. Hier lief alles etwas ruhiger, wie man gleich merkte. Außerdem kannte jeder jeden. Eine wirklich abwechslungsreiche Erfahrung nach der ganzen Hatz durch die Großstädte. Außerdem bekam ich hier meine insgesamt sechste Ruinenstätte auf dieser Reise zu sehen, dieses Mal die einer mixtekischen Stadt namens Las Ranas. Es ist in der Tat spannend, wenn man vergleicht, welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen präkolumbianischen Kulturen bestehen. Eine Sache war allerdings ziemlich unangenehm: San Joaquín ist einer der kältesten Orte des Bundesstaats Querétaro – und das hat man während des Aufenthalts durchaus gemerkt! Selten war ich so froh darüber, Handschuhe mit nach Mexiko genommen zu haben.

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich früh los, um gegen Mitternacht in Monterrey zu sein. Dies wurde aber dadurch vereitelt, dass ich noch unbedingt das lokale barbacoa (zerfasertes Hammelfleisch im Erdloch gegart) probieren sollte. Dies war in der Tat sehr lecker und gestärkt fuhr ich wieder zurück nach Querétaro. Hier stieg ich um in Richtung San Miguel de Allende, denn schließlich musste ich noch meine Kamera aus dem Hotel abholen. Gesagt, getan – und gleich wieder zurück zum Busbahnhof. Hier kaufte ich mir ein Ticket zurück nach Querétaro, da es bei der größten Buslinie vor Ort keinen Direktbus nach Monterrey gab. Als ich mich daraufhin umdrehte, musste ich zerknirscht feststellen, dass es am Nebenschalter sehr wohl Busse nach Monterrey gab. Dort wurde mir sogar ohne Umschweife der Studentenrabatt von 50% in Aussicht gestellt. Also kaufte ich das Ticket und stellte mich vor den Busbahnhof, um in guter alter Dealer-Manier mein Ticket nach Querétaro unter der Hand feil zu bieten. Glücklicherweise war es ohne Busbindung, sodass ich es nach gut 15 Minuten gegen einen Abschlag von 5 Pesos verkaufen konnte. Nach einer Stärkung in einem Fischrestaurant ging es dann auf den letzten Abschnitt meiner Reise: Die Fahrt nach Monterrey. Während es bis San Luis Potosí so aussah, als ob der Bus fast leer sein würde, stürmte dann eine Horde echter Kerle rein, die scheinbar wieder zurück zu ihren Arbeitsplätzen fuhr und den Bus fast bis auf den letzten Platz besetzte. Gemeinsam schauten wir uns dann zusammen mit den beiden einzigen Frauen im Bus Sex and the City 2 an (liebe Frauen, was findet ihr an der Serie? Ich fand nicht einen einzigen Witz im Film auch nur ansatzweise lustig) und wurden nur von einer Polizeikontrolle in unserer Nachtruhe gestört. Um halb fünf Uhr morgens war ich dann am Freitag, den 6. Januar, wieder in Monterrey und konnte sogar noch etwas Schlaf finden, bevor ich mich wieder in der Tec einfand und meinen neuen Stundenplan in Empfang nahm (dazu demnächst mehr).

Was bleibt vom Urlaub zurück? Als erstes die Erkenntnis, dass Mexiko verdammt groß ist (von Tulum nach Monterrey saß ich mit allen kleinen und großen Umwegen immerhin über 50 Stunden in Reisebussen, davon alleine 14 Stunden während des letzten Tages); als zweites die Erkenntnis, dass Mexiko verdammt vielfältig ist (von den Karibikstränden im Süden über die Sierras im Zentrum bis zu den Wüsten im Norden); und als drittes, dass meine Vorurteile über Touristen überholt gehören: Amerikaner sind stets freundlich und brabbeln fröhlich sinnleere Floskeln vor sich hin; Deutsche sind bedenklich dick; Franzosen laufen in Klamotten rum, die zum Fremdschämen einladen und beschweren sich über jede Kleinigkeit; und Italiener bleiben einfach an ihrem Urlaubsort, machen das 20. Italienische Restaurant auf und weigern sich beharrlich, mit ihrer Kundschaft in einer anderen Sprache als Italienisch zu kommunizieren – schließlich machen es ihre Freunde, die Besitzer der 19 anderen italienischen Restaurants, auch nicht anders…

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