¡Viva Méjico, cabrones!


Das ist der Beweis – Überschriften wirken!

Es tut mir Leid, aber mir fiel wirklich nichts besseres für diesen Titel ein! Ich hätte mir vielleicht was zum Wetter überlegen können, denn das ist zur Zeit etwas, äh, launisch. Während es am Sonntag so kalt war, dass mir nach sechs Stunden in der Küche sitzen meine Füße energisch absterben wollten, knallte die Sonne am Montag mit einer solchen Kraft, dass ich trotz T-Shirt schwitzte. Hoffen wir, dass es erst einmal so bleibt.

Aber das Wetter war noch nie ein tolles Thema außer für den Small Talk mit Amerikanern und daher wechseln zu einem anderen Thema, das mich derzeit beschäftigt: Was machen BWLer eigentlich so den lieben langen Tag? Denn wie es der Zufall so will, habe ich derzeit drei Fächer, die in erster Linie vom mexikanischen Äquivalent zu deutschen BWL-Studenten besucht werden. Und die große Frage, die sich mir dadurch aufdrängt, ist ob die teilweise etwas fragwürdigen Inhalte dieser Kurse dem Umstand geschuldet sind, dass es in Mexiko keine kaufmännischen Ausbildungsberufe gibt und daher die Uni etwas, hm, „praxisorientierter“ oder nicht doch eher den Umstand, dass BWL wissenschaftlich einfach nicht so viel hergibt. Oder genauer gesagt: Zwei meiner drei Kurse erscheinen mir eher eine Beschäftigungstherapie in der der gesunde Menschenverstand bemüht wird und bei denen es mich manchmal erschaudern lässt, was für Verständnisfragen teilweise gestellt werden. Man sollte schließlich meinen, dass jedem klar ist, warum eine Firma tunlichst zusehen sollte, effizient und gewinnbringend zu wirtschaften…

Aber bevor ich mich hier erneut fröhlichem Bashing hergebe, möchte ich euch lieber schildern, was für Kurse ich belege. Dort wäre als erstes Aprendizaje Organizacional y Administración del Conocimiento (Organisationales Lernen und Wissensmanagement) zu nennen. Die Theorie ist schnell umrissen: In der heutigen Wirtschaftswelt ist Wissen der entscheidende Faktor. Den entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat also derjenige, der das vorhandene Wissen am Besten verwalten kann. Die daraus abzuleitenden Erkenntnisse sind dann auch ziemlich schnell nachvollziehbar und es erstaunt mich, dass man ein Fachbuch zu dem Thema füllen kann (auch wenn mir viele Modelle nach dem Motto „Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen, das Ganze aber in anderen Worten ausdrücken!“ gestrickt zu sein scheinen). Dennoch, auch wenn die Theorie simpel ist, hapert es doch meistens an der praktischen Umsetzung. Also wird der Kurs von einer Simulation begleitet, in der kleine Gruppen jeweils ein Café managen. Damit das Ganze nicht im luftleeren Raum stattfindet, stehen die einzelnen Gruppen außerdem in Konkurrenz zueinander. Und das hat definitiv etwas für sich, denn nach einem etwas holprigen Start durch etwas zu naive Schätzungen sind wir inzwischen dabei, das Feld von hinten aufzuräumen – weil wir aus unseren Stärken und Schwächen lernen. Immerhin, sein Ziel verfehlt der Kurs also nicht!

Mein zweiter Kurs, der in den Wirtschaftswissenschaften angesiedelt ist (obwohl er eigentlich überallhin passt), ist Técnicas y Modelos de Resolución de Conflictos (Techniken und Modelle der Konfliktlösung). Der Kurs orientiert sich an einem amerikanischen Lehrbuch – und ja, es stimmt, dass amerikanische Lehrbücher ansprechender gestaltet sind als deutsche – und kann als eine Mischung aus Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie und guten Tipps für den Alltag beschrieben werden. Man lernt sich selbst ein bisschen besser kennen, man lernt, welche Ursachen es für Konflikte geben kann und wie man diese nach Möglichkeit neutralisiert und man lernt ein paar nette Anekdoten vom Dozenten aus dessen Zeit in der freien Wirtschaft kennen. Das ganze ist eine sehr lockere Veranstaltung und ich gehe davon aus, dass ich nicht durchfallen werde, um es einmal pejorativ auszudrücken.

Zu guter Letzt gibt es noch Gestión de Recursos Humanos en las organizaciones (Personalmanagement). Dieser Kurs ist genauso praxisorientiert wie die anderen, da der Professor ein absoluter Praktiker ist. Ich persönlich finde das aber absolut vorteilhaft. Wir gehen Schritt für Schritt das Personalmanagement von der Stellenplanung bis zur Verrentung durch und bekommen erklärt, was es zu beachten gilt. Abgesehen von einigen Eigenheiten, die dem mexikanischen Arbeitsrecht geschuldet sind, ist alles universell anwendbar. Insbesondere freut es mich, dass unser Professor stets klar macht, was er für entscheidend hält und dies auch nachvollziehbar ist. Der Unterricht ist eine absolute Bereicherung und zusammen mit meinem Leadership-Kurs aus dem letzten Semester wahrscheinlich der Kurs, der mir für mein weiteres Leben am meisten bringen wird.

Allerdings gibt es zwei Haken an der ganzen Sache. Der kleinere ist eher etwas, was mich persönlich stört: Meine beiden Gruppenkameraden lassen ein wenig Professionalität vermissen. So bestanden sie unbedingt darauf, dass wir in unsere heutige Präsentation als Gag das Foto von einer auf einem Motor hockenden Frau einbinden. Zwar war eine Verbindung zum auf der Folie präsentierten Thema erkennbar, aber irgendwie bin ich da zu germanisch-steif. Auch wenn es nur eine Präsentation für einen Uni-Kurs ist, die nie jemand außerhalb des Kurses sehen wird, ist es für mich eben doch eine Präsentation für die Uni. Und da ist man seriös und zeigt, dass man sich zu präsentieren weiß. Auch wenn es uns nicht geschadet hat – die ernste deutsche Arbeitskultur liegt mir einfach deutlich mehr als das mexikanische Laissez-faire…

Der zweite Haken ist dagegen schon deutlich größer. Eigentlich wollte ich in diesem Fach noten-technisch glänzen, aber das ist schon nach der ersten Zwischenprüfung quasi nicht mehr möglich. Und leider finde ich, dass es nicht nur an mir, sondern auch an einer unfairen Bewertung liegt. Die Prüfung bestand nämlich aus zehn Ja/Nein-Fragen. Jede diese Frage musste man begründet beantworten. Stimmte beides, gab es 10 Punkte; stimmte die Antwort, aber nicht die Begründung oder war beides falsch, gab es 0 Punkte. Insgesamt hatte ich 6 Fragen komplett richtig beantwortet und damit 60 Punkte bekommen. Was mich jetzt aber wirklich aufregt ist, dass ich nur eine Frage komplett falsch beantwortet habe und bei zwei Fragen meine Begründung offensichtlich nicht falsch, sondern nur nicht komplett war. Dass ich trotzdem keine Punkte darauf bekommen habe, finde ich schon etwas seltsam. Es hätten ja nicht die vollen 10 Punkte sein müssen. Blöd auch, wenn von der Seite des Professors komplett abgeblockt wird und er nicht mit sich reden lassen will. Jetzt müssen die Noten wohl etwas besser werde, denn schließlich brauche ich als Endnote mindestens 70 Punkte (die Zwischenprüfung geht zu 11% ein), damit mir der Kurs überhaupt anerkannt wird. Kleiner Lichtblick: Immerhin bin ich bei weitem nicht der Schlechteste im Kurs und die beste Note überhaupt betragt angeblich nur 70 Punkte…

Als dann, nun wisst ihr ein bisschen Bescheid, womit ich so meine Tage verbringe. Auch wenn mir langsam klar wird, dass es bald vorbei ist mit dem Besuchen von Kursen und ich mich endlich dem widmen kann, was mir ohnehin mehr Spaß macht: Dem Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten!

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Hier könnte dein Senf stehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: