¡Viva Méjico, cabrones!


Oh, wie schön ist Panama!

Mit Hund im Rücken und Fernseher als nicht beachtete aurale Untermalung der Szenerie sitze ich in der Küche meiner alten Gastfamilie in Ecuador, um euch von Panama zu erzählen. Panama, liebe Kinder, ist nicht nur das mystische Ziel von Tiger und Bär, nein, es ist auch ein real existierendes Land mit real existierenden Menschen. Und ich hatte die Ehre, für immerhin elf Stunden ihr Gast zu sein.

Alles begann am Donnerstag um fünf Uhr morgens am Flughafen von Monterrey, von wo aus ich mit Copa Airlines, dem panamaischen Flag Carrier, nach Panama City startete. An dieser Stelle ist es vielleicht angebracht, einmal darauf hinzuweisen, dass es wirklich viele lateinamerikanische Airlines gibt, mit denen man besten Gewissens reisen kann und Copa gehört eindeutig dazu: Guter Service, gutes Essen, guter Preis.

In Panama wird man dann von einem ultramodernen Flughafen begrüßt, der seiner Rolle als wichtigster Drehscheibe Mittelamerikas voll und ganz gerecht wird. Vielleicht sollte sich Paris einmal die Ecke stellen und dafür schämen, dass ein so winziges Land wie Panama einen besseren Flughafen hat als es Charles de Gaulle jemals sein wird.

Die Skyline von Panama

Die Skyline von Panama

Glücklicherweise gab es eine Gepäckaufbewahrung im Flughafen und so konnte ich ohne meinen Laptop in die doch noch ziemlich weit entfernte Innenstadt fahren. Dafür gibt es die wunderbare Erfindung des colectivo, was in Panama einem Taxi entspricht, in dem drei Leute zu unterschiedlichen Zielen mitfahren. Dabei bekommt man mit etwas Glück gleich noch ein wenig Stadtrundfahrt gratis dazu, was in Panama in etwa bedeutet: Finde die zwischen den Wolkenkratzern versteckten Kolonialvillen. Aufgrund der vielen in den Himmel wachsenden Neubauten fragt man sich, wie lange es wohl noch dauern wird, bis die Immobilienblase platzt. Vor allem, wenn die tollen Wohnungen mit angepriesenem Meeresblick direkt neben einem runtergekommenen Stadtteil liegt, den man nur sehr euphemistisch als raues Fischerviertel, dass seinen ursprünglichen Charakter bewahren konnte, bezeichnen kann anstatt als das, was es offensichtlich ist: Ein Slum.

Casco Viejo

Casco Viejo

Am Ende wurde ich im casco viejo, der Altstadt Panamas, abgesetzt. Hier war mein erstes Ziel der Präsidentenpalast, der interessanterweise zwar frei zugänglich ist, aber dennoch von Sicherheitsschleusen unter freiem Himmel gesäumt wird. Hier wurde mein alter MP3-Player dann auch sofort mit Lob gewürdigt: So ein Gerät nur zum Musik hören wäre doch eine wirklich sinnvolle Erfindung, denn der arme Wachmann müsse immer sein Handy dafür nutzen. Die digitale Revolution hat in Panama scheinbar ein paar Zwischenschritte übersprungen…

Neben dem Präsidentenpalast bietet die Altstadt auch noch andere sehenswerte Gebäude, sodass ich ungefähr eine Stunde zwischen Aussichtspunkten, Kirchen, der Kathedrale und schönen Fassaden, die teilweise mehr Schein als Sein zierten, umherwanderte und mir auch mein Panama-Souvenir kaufte: Eine bemalte Feder im Stil der Cuna, einem der beiden wichtigsten Ureinwohner-Stämme. Abschließend ging es in das Museum des interozeanischen Kanals (Museo del Canal Interoceánico), wo man alles über den Panama-Kanal erfahren kann. Dabei kommen die gringos einmal mehr schlecht weg, da diese zwar netterweise den Kanal bauten, aber die Kanalzone gleichzeitig besetzt hielten und Panama somit ziemlich wenig vom Kanal hatte. So gibt es etwa den kaum verschleierten Seitenhieb darauf, dass der Kanal effizienter arbeiten würde, seitdem Panama die Verwaltung übernommen habe. Hoffen wir einmal, dass es tatsächlich stimmt. Der einzige Ami, der gut weg kommt, ist übrigens Jimmy Carter, der 1977 den Rückgabevertrag unterschrieben hat. Die panameños sind felsenfest davon überzeugt, dass Carter wegen des Vertrags nicht wiedergewählt wurde. So ganz glauben möchte ich das zwar nicht, aber vielleicht freut Carter sich darüber, dass Panama ihm sein Opfer dankt.

Mein Mittagessen

Mein Mittagessen

Nach dem Museum war es Zeit für mich, etwas zum Essen zu finden. Und hier stellt sich heraus, dass Panama teuer ist – oder einen speziellen Touristen-Zuschlag nimmt. Obwohl ich im Fischmarkt und somit im gemeinhin billigsten Platz gebratenen Fisch mit patacones (eine Art Bananenbratlingen) aß und ein lokales Bier mit dem einfallsreichen Namen Panama trank, musste ich trotzdem 11,50 USD berappen. Für Deutschland mag das gut sein, aber für Lateinamerika ist das ein ziemlich stolzer Preis. Dafür gab es aber kostenlos Reggaeton in voller Lautstärke zum Essen und genug kuriose Menschen zum beobachten.

Cinta Costera

Cinta Costera

Vom Fischmarkt konnte man die in Entstehung begriffene Küstenpromenade Cinta Costera entlang schlendern und sich darüber freuen, dass die Architekten Schatten für überbewertet halten. In einer tropischen Stadt, in der es bereits Ende März 30 Grad, wolkenlosen Himmel und geschätzte 90% Luftfeuchtigkeit hat, muss man ja auch nicht unbedingt viel von so einem alten Hut halten. Vielleicht kommt der Schatten ja auch noch, wenn einmal alles fertig ist. Aber derzeit bleibt der Malecón 2000 in Guayaquil weiterhin ungeschlagen.

Abschließend wollte ich trotz zunehmender Müdigkeit (außer einer Siesta am Mittwoch Nachmittag und zwei knappen Stunde Dösen im Flieger hatte ich seit gut 30 Stunden nicht mehr geschlafen) nicht auf den Panamakanal verzichten. Ich suchte mir also ein Taxi und ließ mich zum Besucherzentrum kutschieren. Auf der Fahrt wurde ich vom Taxifahrer per Crashkurs über die aktuelle politische Situation in Panama unterrichtet. Es lässt sich ungefähr auf folgenden Nenner bringen: Die aktuelle Regierung taugt nicht viel. Was die Frage aufwirft, warum wir uns eigentlich so viele teure Politik-Analytiker halten, wenn man offensichtlich die öffentliche Meinung jedes Landes dieser Erde auch in diesen einen Satz pressen kann, den man einfach nur immer wieder zu wiederholen braucht…

Am Panamakanal

Am Panamakanal

Das Besucherzentrum des Panamakanals an der Miraflores-Schleuse war früher anscheinend die preußische Botschaft, denn geöffnet wird von neun bis fünf. Uns doch egal, wenn irgendwelche Touristen mit Blick auf den Kanal dinieren wollen – das Restaurant macht genauso zu wie das Museum oder die Besucherterrasse. Tourismus ist definitiv nicht die Nummer Eins in Panama, der Handelsdrehscheibe Amerikas. Dafür hatte ich aber wenigstens das Glück, das gerade ein Schiff der Panamax-Klasse durchgeschleust wurde und ich so ein paar Erinnerungsfotos und -videos machen konnte. Danach ging es wieder zurück zum Flughafen, diesmal durch einen Berufsverkehr-bedingten Stau, der mich einmal mehr davon überzeugt hat, dass es einfach keinen Sinn macht, in Metropolen Auto zu fahren. Dafür konnte ich aber ein Nickerchen halten und eine Stunde mehr Zeit vertrödeln, bevor ich gegen sieben Uhr Abends wieder im Abflugbereich des Flughafens saß und meine letzten beiden Stunden vor dem Abflug vertrödelte. Unter anderem brachte mich das auf die Idee, einmal Miso-Suppe bei einer Sushi-Kette zu probieren. Damit bin ich nun um die Erfahrung reicher, dass Miso-Suppe nicht so wirklich mein Ding ist.

Auf der letzten Etappe meiner Reise schaffte ich es dann noch, neben einer Engländerin zu sitzen, die immer wieder versuchte, das Gespräch auf die Tatsache zu bringen, dass sie auf Trinidad wohnt. Leider interessiert mich Trinidad nicht so wirklich. Weil freundliches Ignorieren des Gesprächsangebots auf Dauer nervig wird, fing ich meinerseits ein Gespräch mit meiner anderen Nachbarin an, die sich als Mexiko-Ecuadorianerin herausstellte. Allerdings verlor ich auch an diesem Gespräch mein Interesse, als sich herausstellte, dass die gute Frau Ambato nicht kannte, obwohl sie seit neun Jahren in Quito lebt und auch schon mehrmals in Baños war (man kann das ungefähr mit jemandem vergleichen, der seit neun Jahren in Deutschland ist, in Berlin lebt und noch nie etwas von Hannover gehört, obwohl er oder sie schon mehrmals im Vogelpark Walsrode oder dem Heidepark Soltau war – jeder darf sich selber überlegen, was er von einer solchen Person halten würde). Am Ende blieb also nur der an diesem Tag bereits vielgelobte MP3-Player (der übrigens auch noch mal bei der Kontrolle am Flughafen für gut befunden wurde, weil er trotz seiner Größe eine anständige Watt-Zahl auf die Ohren bringt und 1 GB Speicherplatz hat).

Nach der trotz der langen Warteschlange relativ zügigen Passkontrolle und einer typischen „Willkommen in Ecuador, lieber vorurteilsbeladener Tourist“-Aktion (Protipp: Man spart Energie, wenn man das Gepäckband gar nicht erst anschmeißt, sondern das Gepäck von drei der wichtigsten Flugverbindungen nach Quito – Panama, Bogotá, Madrid – einfach von Flughafenmitarbeitern auf oder vor das Band legen und die Passagiere machen lässt) traf ich in der Ankunftshalle auf Anita, eine Cousine meiner Gastmutter, bei der ich die erste kurze Nacht (Ankunft am Flughafen: 23.30 Uhr, Weiterfahrt nach Ambato am nächsten Tag: 8.00 Uhr) in Ecuador verbringen würde.

Wie es sich herausstellte, hatte sie auch keineswegs gelogen, als sie mir versicherte, dass sie direkt am Flughafen, nur leider auf der anderen Seite vom Terminal, wohnen würde: Pünktlich mit der ersten anscheinend direkt über mir startenden Maschine um 6.55 Uhr stand ich senkrecht im Bett. Ein Blick aus dem Fenster direkt auf die Landebahn zeigte mir, dass mein erster Eindruck gar nicht so falsch war. Ein Paradies für jeden Luftfuzzi und ideal, wenn man um 7 Uhr aufstehen möchte.

Die Weiterfahrt verzögerte sich dann jedoch noch ein bisschen, da die furgoneta (Sammeltaxi), die mir von meiner Familie organisiert wurde, damit ich nicht Bus zu fahren bräuchte (eigentlich geht es ihnen um den Busbahnhof in Quito, denn Busfahren in Ecuador ist nicht gefährlicher als jede andere Form des Straßenverkehrs), erst noch die anderen Fahrgäste einsammeln musste. Anschließend zeigte sich, dass es morgens eine Kunst ist, aus Quito herauszukommen. Wenn man dann allerdings einmal die Stadtgrenze hinter sich gelassen hat und auf der Panamericana gen Süden fährt, kann man sich daran erfreuen, dass man sich anhand der Landmarken immer noch bestens orientieren kann.

Und so traf ich irgendwann auch nach fünf langen Jahren wieder bei meiner Familie in Ambato ein. Doch über meine Familie, die vielen Änderungen zum Positiven und was ich sonst noch so in Ecuador mache ein andermal mehr.

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