¡Viva Méjico, cabrones!


Es bleibt in der Familie
24/04/2012, 02:31
Filed under: Ecuador | Schlagwörter: , , , , , , ,

Jetzt ist hier schon so lange nichts mehr passiert, man könnte fast glauben, ich sei nach Lettland ausgewandert! Aber dem ist nicht so, ich bin immer nur hier. Nur leider hatte ich viel zu tun und – zugegebenermaßen – auch nur begrenzte Lust aufs Bloggen.

Aber jetzt wird nachgeholt, was bisher nicht geschah und mit drei Artikeln in kurzer Folge bringe ich euch wieder auf den aktuellen Stand. Wobei, zwei der drei Artikel werden sich noch mit Ecuador befassen müssen, bevor wir uns wieder Mexiko zuwenden.

Wie bereits im letzten Post geschrieben, war ich für knapp anderthalb Wochen in Ecuador und habe dort meine ehemalige Gastfamilie besucht. Nach fünf Jahren war dies nötig und ich habe es keineswegs bereut, denn diese liebenswürdigen Menschen sind wirklich wie eine zweite Familie für mich und ich habe daher felsenfest vor, das nächste Mal bereits nach Abschluss meines Studiums für ein paar Wochen zurückzukehren.

Mein "Neffe", meine "Nichte" und ich

Mein "Neffe", meine "Nichte" und ich

Was ist denn so besonders an diesen Menschen? Gegenfrage, was so ist besonders an der eigenen Familie? Diese Menschen haben mich genauso wieder in ihre Mitte aufgenommen, als ob ich nur ein paar Tage weg gewesen wäre. Und mir ging es genauso. Dabei hat sich einiges verändert: Ich bin nun „Onkel“ und habe sowohl einen dreieinhalbjährigen „Neffen“ wie auch eine anderthalbjährige „Nichte“. Insbesondere Letztere hätte ich am Liebsten gar nicht mehr hergegeben, denn sie ist so süß, dass ich gar keine Vergleiche finde. Auch Zepelín, der Sohn vom inzwischen alt gewordenen Familienhund Whisky, ist dazu gekommen (die Namen kommen von jeweils anderen Hunden, aber woher diese Namen hatten, weiß ich nicht).

Meine "Schwester", meine "Nichte" und meiner "Mutter"

Meine "Schwester", meine "Nichte" und meiner "Mutter"

Leider ist meine alte Gastfamilie nicht nur gewachsen, denn meine „Tante“ Olguita ist leider vor zwei Jahren gestorben. Womit mir auffällt, dass ich meine Gastfamilie noch gar nicht vorgestellt habe: Sie besteht aus meiner „Mutter“ Mercedes, genannt Michita, meiner „Schwester“ María de los Ángeles, genannt Ángeles, meinem „Schwager“ Fernando, meinem „Neffen“ José Martín, meiner „Nichte“ María Paz, genannt Paz, sowie den beiden bereits erwähnten Familienhunden Whisky und Zeppelin. Wer in dieser Aufzählung einen „Vater“ sucht – tja, das ist eine längere Geschichte. Er ist auf jeden Fall nicht da. Außerdem gibt es noch jede Menge Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten, sowohl von Seiten meiner wie auch Fernandos Familie, die den weiteren Familienkreis bilden und auch jedes Mal, wenn ich da bin, besucht werden wollen oder von selbst vorbei kommen. Es ist eben nicht immer einfach mit so einer komplizierten Großfamilie.

Meine "Schwester" und ich

Meine "Schwester" und ich

Auf der anderen Seite hat so eine verzweigte Verwandtschaft auch ihre Vorteile, z.B. wenn man spätabends am Flughafen von Quito ankommt und einen Schlafplatz braucht. Irgendwer findet sich schon, der einen abholen und für eine Nacht Unterkunft gewähren kann. Denn alles in allem ist Ecuador eben doch ein kleines Land und wer nicht in seinem Heimatort wohnt, landet im Normalfall in Quito oder der etwas größeren und quirligeren Küstenstadt Guayaquil.

Mein "Schwager" mit seinen Kindern

Mein "Schwager" mit seinen Kindern

Zu meinem großen Erstaunen hat sich in Ecuador einiges getan. Doch anders als von mir befürchtet hat sich die Lage seit meines letzten Besuchs deutlich verbessert. Auch wenn der aktuelle Präsident Rafael Correa oft eine große Klappe hat, immerhin schafft er tatsächlich Tatsachen. Der neue Flughafen von Quito steht mit über fünf Jahren Verspätung kurz vor der Fertigstellung, zwei neue Busterminals für Quito gibt es auch, die Straßen sind neu geteert und die Instandsetzung der Eisenbahn erreicht schon bald Ambato. Und nicht nur die Infrastruktur wächst und gedeiht, sondern offensichtlich auch die Mittelschicht: Als ich vor inzwischen neun Jahren zum ersten Mal ins Land gekommen bin, gab es nur in Quito und Guayaquil Shopping Malls sowie die einschlägigen Fast-Food-Ketten, da sie sich im Rest des Landes nicht rentiert haben; als ich vor fünf Jahren das letzte Mal im Land war, gab es seit Kurzem eine Mall mit einem KFC in Ambato, die aber eher so lala ging; jetzt gibt es inzwischen Malls in jeder größeren Provinzstadt. Man kann natürlich darüber streiten, ob Malls so ein großartiger Fortschritt sind, aber es zeigt zumindest, dass inzwischen mehr und mehr Leute genug Geld haben, um es sich leisten zu können, ins Kino zu gehen oder in etwas teureren Geschäften einzukaufen. Und auch sonst gibt es erfreuliches zu berichten: Angeblich will der chinesische Autoproduzent Great Wall, der stark auf den ecuadorianischen Markt drängt, eine Fabrik in Ambato eröffnen. Und neue Jobs kann Ecuador immer gebrauchen!

María Paz

María Paz

Auch bei anderen Sachen gibt es erstaunliche Fortschritte. So ist es inzwischen nicht mehr so einfach, die Polizei zu bestechen. Um ehrlich zu sein: Die Korruption scheint von dem, was mir erzählt wurde, sogar inzwischen geringer als in Mexiko, da es schlicht nicht mehr so einfach ist, die Polizei zu bestechen bzw. es billiger kommt, einfach die Strafe zu zahlen. Das ist schon eine stolze Leistung für ein Land, dass noch 2004 das zweitkorrupteste Land Lateinamerikas war (nur Paraguay war schlechter dran) und zu den zwanzig korruptesten Ländern der Welt gehörte. Und für mich besonders erfreulich war die Tatsache, dass die Ecuadorianer inzwischen scheinbar gemerkt haben, dass es nicht so toll aussieht, wenn man seinen Müll einfach auf die Straße schmeißt. Die Städte waren deutlich sauberer als noch vor fünf oder neun Jahren.

José Martín

José Martín

Man sieht also, es geht voran. Trotzdem werde ich aber dem Wunsch meiner Familie, doch nach Ecuador auszuwandern wohl kaum nachkommen. Arbeit gäbe es für Verkehrsingenieure genug und mit ein wenig Geschick lässt sich Ecuador dank des Bevölkerungswachstum auch mit Grundstücksspekulation etwas Geld machen, aber gleichzeitig würde ich mir damit meinen ultimativen Rückzugsort nehmen. Es ist eben doch etwas anderes, wenn man im Paradies plötzlich arbeiten muss…

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2 Kommentare so far
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Man merkt, dass du offenkundig noch nicht nach Lettland ausgewandert bist – bewundernswert..
Schön, dass du endlich mal wieder deine Wahlverwandtschaft im Paradies besuchen konntest. Der Satz mit „nach dem Studium“ gefällt mir besonders, vielleicht wird da ja noch eine gemeinsame Sache draus..?

Kommentar von latblogger

Glaub nicht, ich würde dich dran hindern, wenn du mitkommen möchtest…

Kommentar von MuGo




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