¡Viva Méjico, cabrones!


Ecuador is lovely this time of year

Nun sind auch die Fotos für den vorherigen Beitrag nachgereicht, denn aus irgendeinem Grund will derzeit nur der Internet Explorer Fotos bei WordPress hochladen. Aber das kann euch ziemlich egal sein, denn mit solchen Problemen darf ich mich herumschlagen.

Nicht egal sein sollte euch dagegen, was man eigentlich in Ecuador so machen kann, wenn denn alle Verwandten besucht sind und tellerweise fanesca, das traditionelle Karfreitagsgericht Ecuadors, verschlungen sind. Denn Ecuador lohnt immer eine Reise, wie ich gar nicht genug betonen kann. Aufgrund meines kurzen Aufenthalts fielen zwar klassische Ziele wie ein kurzer Abstecher nach Guayaquil flach, aber ein wenig herum gekommen bin ich dennoch.

Bei Baños

Bei Baños

Als aller erstes ging es natürlich nach Baños, denn nicht nur wird fast jeder Tourist in Ecuador über kurz oder lang einmal dort aufschlagen, nein, es liegt auch nur eine knappe Stunde mit dem Auto von Ambato entfernt. Baños lockt mit seinem milden Klima, heißen Quellen, einem Haufen von Angeboten wie Bungee-Jumping, Rafting, Canyoning oder Radfahren und der zweitwichtigsten Wallfahrtskirche Ecuadors sowohl in- als auch ausländische Touristen in Scharen an. Und so hat es mich auch nicht wirklich verwundert, dass meine Familie inzwischen dabei ist, sich hier ein Haus zu bauen (bzw. bauen zu lassen – spätestens hier sollte auch klar sein, dass meine Familie, wiewohl nicht reich, durch geschickte Investitionen genug Geld hat, um in Ecuador ein gutes Leben führen zu können). Auch wenn Baños durchaus seine Reize hat und es mich gefreut hat, dass die Stadt sich vom letzten Ausbruch des Tungurahuas gut erholt zu haben scheint – vor fünf Jahren waren die Verwüstungen im Stadtbild nicht zu übersehen – so ist für mich doch der Beutel mit frisch geschnittenem caña (Zuckerrohr) das wichtigste. Glückseligkeit bedeutet, auf dem Weg von Baños nach Ambato auf frischem caña herumzukauen und den austretenden Saft zu schlürfen. Dazu noch ein Glas des aus Mandarinen und Zuckerrohr zubereiteten jugo de caña und ich bin im Paradies!

Regenwald bei Misahuallí

Regenwald bei Misahuallí

Nach diesem Pflichtbesuch folgte die Kür, als wir uns einige Tage später nach Misahuallí im ecuadorianischen Regenwald aufmachten. Vor ein paar Jahren wäre dies ein noch Wochenendtrip gewesen, doch jetzt ist es nur noch ein Tagesausflug. Inzwischen ist die gesamte Strecke asphaltiert und lässt sich in dreieinhalb Stunden zurücklegen. Noch vor wenigen Jahren brauchte man solange in das auf halbem Wege gelegene Puyo (meiner persönlichen Lieblingsstadt in Ecuador, da sie einerseits bereits im Regenwald liegt, andererseits wegen ihrer relativ reichen Bewohner aber dennoch über eine ziemlich gute Infrastruktur verfügt und obendrein nicht zu weit ab vom Schuss wie andere Städte im Regenwald liegt). Gut, auch hier kann man natürlich darüber streiten, ob es wirklich so toll ist, asphaltierte Straßen durch den Regenwald zu jagen. Aber sie ist nun einmal da und wenn man z.B. für einen Tag nach Misahuallí fahren möchte, dann ist das eine tolle Sache.

Auf dem Rio Napo

Auf dem Rio Napo

Warum aber fährt man überhaupt nach Misahuallí? Misahuallí ist der letzte Hafen der Provinz Napo, also der letzte Ort, den man noch per Auto erreichen kann. Ab hier geht es wirklich in den Regenwald und es finden sich nur noch vereinzelte Gemeinschaften von indígenas, also Ureinwohnern, die man per Boot oder Buschpiloten erreichen kann. Daher werden ab Misahuallí Bootstouren angeboten, die einen zu den umliegenden Dörfern bringen. Wir sind also sowohl zu einem kleinen Regenwaldmuseum gefahren, in dem uns Heilpflanzen, einige Tiere und traditionelle Fallen erläutert worden; was meine Schwester wiederum dazu verleitete, jede Falle mit einem Spruch über die bösen Jäger zu kommentieren. Der Führer nahm es gelassen hin, handelte es sich doch um einen Quichua. Oder in seinen eigenen Worten: „Wir sind ja etwas zivilisierter als diese Wilden!“ Rassismus ist definitiv keine europäisches Alleinstellungsmerkmal – mit den ganzen rassistischen Bemerkungen, die man nebenbei in Ecuador aufschnappt könnte man Bücher füllen. Nur so viel: Kolumbianer sind an allem Schuld und alles, was indio ist, ist scheiße! Und warum sollte man sich die Namen der vielen schwarzen Fußball-Nationalspieler merken, wenn man sie doch auch einfach pauschal als negritos (wörtlich Schwärzchen, aber Negerlein trifft es besser) bezeichnen kann?

Ich mit Boa

Ich mit Boa

Nach dem Besuch im Museum ging es weiter zu einem kleinen Dorf, wo es traditionelle Tänze zu sehen gab, einem Boas um den Hals gelegt wurden, wenn man dies wollte und Reinigungszeremonien vorgenommen wurden (alles gegen Bezahlung, versteht sich – nicht, dass hier noch ein falsches Bild von glücklichen Wilden entsteht, die für ein paar Glasperlen nackt auf dem Dorfplatz tanzen). José Martín bekam hier seine maracas (Rumbarasseln), die später noch eine Rolle spielen würden.

Am Strand von Misahuallí

Am Strand von Misahuallí

Denn anschließend ging es zurück zum Strand, der für seine Affenhorden berühmt ist. Das Problem mit Affen ist aber, dass diese einerseits nichts von Touristen befürchten müssen, andererseits aber ziemlich klug sind. Das heißt: Affen kriegen ziemlich schnell heraus, was ihnen gut schmeckt und wie man es von Touristen klaut. Wer also mit einem Beutel caña am Strand auftaucht, braucht sich nicht wundern, wenn dieser sich kurz darauf zwei Meter über einem in den Bäumen befindet. Und bevor man sich daran erfreut, dass der Affe mit einem stibizten Gegenstand spielt, sollte man überprüfen, ob dieser Gegenstand nicht einem selbst gehört. Und so dauerte es auch nicht lange, bis ein Affe die von uns achtlos am Strand zurückgelassenen maracas entdeckte und scheinbar für einen Kürbis oder ähnliches hielt, den man nur zu knacken braucht, um an leckere Samen heranzukommen. Glücklicherweise ließ besagter Affe die maracas aus Unachtsamkeit fallen und ich konnte sie schnell genug zurück klauen, bevor ein andere Affe sie an sich reißen konnte. Zum Abschluss gab es dann noch leckeren Fisch mit der wahrscheinlich sauersten Zitrusfrucht der Welt zum beträufeln (wie auch immer diese heißen mag). Und danach, tja, danach ging die Welt unter. Nicht umsonst heißt es REGENwald. Also ging es wieder zurück in Richtung Ambato.

Baden im Fluss

Baden im Fluss

Doch das größte Abenteuer stand uns noch bevor. Denn aufgrund ecuadorianischer Traditionen war die Straße zwischen Baños und Ambato für die Nacht auf den Karfreitag gesperrt, sodass wir nur über die auch als solche ausgeschilderte Notfallstraße, die eigentlich nur dazu gedacht ist, Baños im Falle eines Vulkanausbruchs schneller evakuieren zu können, nach Patate und von dort aus über Pillaro nach Ambato zurückkehren konnten. Was sich jetzt wie Kuhkäffer liest sind auch tatsächlich Kuhkäffer. Und wenn eine Straße in Ecuador Notfallstraße heißt, dann ist die Qualität doch geringfügig schlechter die einer deutschen Bundesautobahn. So rumpelten und pumpelten wir dann also einen Berg hoch (Baños liegt bereits in den Anden), nur um irgendwann festzustellen, dass wir auf gleicher Höhe mit dem Gipfel des Tungurahuas waren. Von Baños war schon lange nichts mehr zu sehen, denn es war von der Wolkendecke verschluckt worden. Dafür durften wir dann noch eine Weile über den Bergrücken fahren und uns wundern, dass selbst hier noch Menschen zu wohnen schienen. Zum Abschluss wurde uns dann klar, dass jeder, der einen Berg hochfährt auch irgendwann wieder herunterfahren muss. Es ist wirklich unglaublich, was so ein kleiner, bereits etwas altersschwacher Chevrolet Forza leisten kann. Fernando raucht zwar nicht oft, aber ich konnte nur zu gut verstehen, warum er nach der Fahrt als allererstes eine Zigarette brauchte.

Ambato vom Parque de la Familia aus gesehen

Ambato vom Parque de la Familia aus gesehen

Zum Abschluss durfte ich dann auch noch Ambatos neuste Attraktion kennen lernen (und Attraktionen kann Ambato wahrlich gebrauchen). Der Parque de la Familia (also der Park der Familie) liegt oberhalb der Stadt und bietet neben Sportplätzen auch einen kleinen Biohof, der den Besuchern die heimischen Nutztiere und -pflanzen näher bringt sowie einen großen Spielplatz und, wir sind immerhin immer noch in Südamerika, einen riesigen Fahnenmast, der stolz verkündet, dass die Provinzregierung sich selbst schon für ganz schön gut hält und darum auch entsprechend Flagge zeigen muss. Und das Beste: Obwohl kaum Parkwächter herumlaufen, bleibt der Park erstaunlich sauber und gepflegt. Manchmal hilft es eben schon, wenn man einfach einen Papierkorb aufstellt…

So viel also zu meinem kleinen Ostertrip. Aber jetzt genug von Ecuador gesprochen (Hinfahren ist ohnehin besser als nur darüber zu lesen – ihr werdet es nicht bereuen) – wenden wir uns also ab jetzt wieder Mexiko zu!

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