¡Viva Méjico, cabrones!


What happens in Aguas stays in Aguas

Am Mittwoch hatte ich zum letzten Mal in meinem Leben einen Unikurs. Was, wenn mir diese Bemerkung erlaubt sei, nach 10 Semestern auch langsam Zeit wurde! Schließlich möchte man irgendwann einmal dann doch aus der Theorie in die Praxis wechseln.

Bevor es aber soweit ist, stehen jedoch noch drei Abschlussklausuren an, bevor es zusammen mit Dominique noch ein wenig durch Mexiko geht. Und damit das Reisen auch wirklich klappt, bin ich über das Wochenende sozusagen als Generalprobe auf die Feria Nacional de San Marcos in Aguascalientes gefahren. Denn es hat sich glücklicherweise ergeben, dass der Montag vor dem 1. Mai als Brückentag auch frei war, sodass von der Vereinigung der Studenten aus Aguascalientes von Freitag bis Montag eine Fahrt organisiert werden konnte.

Da es sich ebenfalls ergeben hat, dass ich quasi mit allen sieben Mitgliedern dieser Studentenvereinigung befreundet bin, habe ich natürlich zugeschlagen, als mir die Möglichkeit eröffnet wurde, einmal ihren Heimatbundesstaat kennenzulernen. Denn da dieser einer der kleinsten Bundesstaaten ist, etwas abseits der üblichen Touristenrouten liegt und auch sonst nicht so viele touristische Highlights aufzubieten hat, wäre ich sonst wahrscheinlich nie dorthin gekommen.

¡Viva México!

¡Viva México!

Die Feria Nacional de San Marcos selbst ist übrigens das größte Volksfest Mexikos. Es dauert einen ganzen Monat und bietet mit Markt, Landwirtschaftsausstellung, Kirmes, Konzerten, Stierkämpfen, dem einzigen Casino Mexikos, in dem es nicht nur einarmige Banditen gibt, und einer großen Disco-Meile für jeden etwas. Darüber hinaus ist als große Besonderheit im ganzen Bundesstaat während der Feria der Genuss von Alkohol auf der Straße erlaubt. Und dennoch zeigt sich hier zu meinem Erstaunen wieder einmal, wie diszipliniert Mexikaner sein können, wenn sie denn nur wollen: Da das Urinieren in den Straßen weiterhin verboten ist und sich alle Getränkeverkäufer darin zu überbieten zu versuchen, noch größere und absurdere Getränkebecher an den Mann zu bringen (Zwei-Liter-Becher Whiskey, zum Beispiel), die meist zum Sammeln gedacht sind, ist das Festgelände erstaunlich sauber. Um ehrlich zu sein: So manches deutsches Volksfest sollte neidisch nach Aguascalientes gucken…

So viel also zur Einstimmung. Aber nun ins Detail. Am Freitag Abend kamen wir nach langer Fahrt (Nachtfahrten hat die Tec aus Sicherheitsgründen verboten) in Aguascalientes an. Das Hotel entpuppte sich dabei nicht etwa als einfache Absteige, sondern im Laufe der Zeit als eines der besten Hotels, die ich in Mexiko bisher kennen gelernt habe. Zumal der Service im Hotel Villa Manzanares groß geschrieben wird – was in Mexiko nicht unbedingt immer der Fall sein muss. Da wir Verspätung hatten, durften wir gar nicht erst unser Gepäck aufs Zimmer bringen, sondern mussten gleich zur angenehmerweise im Hotel stattfindenden Weinprobe eilen. Es war zwar etwas ungewöhnlich, dass keine mexikanischen Weine auf dem Programm standen (schließlich wird in Mexiko so viel Wein produziert, dass doch das eine oder andere gute Weingut dabei sein müsste), aber gut, Uruguay war mir bisher als Weinland auch noch nicht unbedingt untergekommen. Die beiden Sommeliers erklärten uns nicht nur, worauf es beim Wein probieren ankommt, sondern gaben uns auch wirklich gute Weine zum Probieren. Sollte jemand in Deutschland einmal über einen uruguayischen Schaumwein namens Medio & Medio stolpern: Zuschlagen, denn es lohnt sich!

Anschließend hieß es sich frisch machen, denn es sollte in eine Disco gehen, wobei wir immer wieder darauf hingewiesen wurden, nur ja förmliche Kleidung anzuziehen. Denn Disco während der Feria heißt Feiern mit den Reichen und Schönen Mexikos. Und die Reichen und Schönen Mexikos haben vor allem eins: Geld. Ich habe bisher noch nie 150 Pesos in einer mexikanischen Disco ausgegeben und dafür als Gegenleistung nur ein Sechstel einer Tequila-Flasche bekommen (in Mexiko trinkt man den billigen Tequila wie z.B. José Cuervo normalerweise nur als Longdrink mit Grapefruitlimonade – paloma – und/oder Wasser; keine Sorge, dass werde ich euch auch noch beibringen, denn wer einmal einen richtig guten Tequila probiert hat, will sich die Shots mit Sierra nicht mehr antun). Aber feiern können die Reichen und Schönen auch ganz gut, von daher wurde es ein sehr gelungener Abend.

Auf dem Weingut

Auf dem Weingut

Am nächsten Tag hieß es trotzdem wieder früh aufstehen, denn um 8 Uhr ging es auf eines der traditionsreichsten Weingüter Aguascalientes, Casa Leal. Hier wurden uns der Betrieb gezeigt und anschließend gab es natürlich die standesgemäße Weinverkostung, die in diesem Falle durch den vor Ort hergestellten Cognac, der aus markenschutz-technischen Gründen natürlich einfach nur brandy añejo hieß, beinhaltete. Während ich es bei einer kleinen Probierflasche Weißwein beließ, kauften andere gleich mehrere Fünf-Liter-PET-Flaschen des mir doch etwas zu süßen Rotweins (er ist eben auf mexikanische Geschmäcker ausgelegt).

Die nicht mehr ganz so kleinen Kinder klettern auf den Treckern rum

Die nicht mehr ganz so kleinen Kinder klettern auf den Treckern rum

Anschließend ging es so gestärkt auf die Isla, einen Teil des Festgeländes, der etwas außerhalb der Stadt auf einer künstlichen Insel liegen soll, auch wenn es mir eher vorkam, als würden wir am Ufer eines künstlichen Sees lang laufen. Aber wer bin ich, dass ich mit Mexikanern über die Wortwahl für ihre Festgelände streiten würde? Hier gab es in erster Linie zwei Attraktionen: Zum einen die ganzen Fahrgeschäfte, die aber um diese Uhrzeit leider noch nicht geöffnet waren, und zum anderen die Landwirtschaftsausstellung, auf der gerade die Milchkühe für ihren großen Auftritt vor der Jury geriegelt und gestriegelt wurden. Da wurden Kindheitserinnerungen wach, denn Landwirtschaftsausstellungen folgen scheinbar universellen Regeln: Die potenziellen Käufer der Tiere werden mit Schnaps abgefüllt und irgendwo in der Ecke stehen landwirtschaftliche Maschinen herum, auf denen die kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Kinder herum klettern können.

¡A comer!

¡A comer!

Nach diesem Zwischenstopp ging es als nächstes zum zentralen Festivalgelände, wo wir den Pavillon des diesjährigen Gastlandes Japan besuchten (Japaner spielen gerne mit Puppen und letztes Jahr gab es ein Erdbeben, bei dem aber offensichtlich kein Atomkraftwerk in Mitleidenschaft gezogen wurde, denn Fukushima wurde irgendwie nicht so richtig in der Fotoausstellung über den Wiederaufbau erwähnt) und uns dann endlich zum wohlverdienten Mittagessen niederließen. Untermalt von den Klassikern der mexikanischen Popmusik stellte ich dabei die nicht allzu steile These auf, dass Mexikaner nur melancholische Musik hören würden. Dies wurden von meinen mexikanischen Begleitern natürlich vehement bestritten und nach fünf Minuten kollektiven Überlegens konnte mir dann auch endlich ein Gegenbeweis geliefert werden. Mir soll es Recht sein – ein Volk, das huaraches con pastor erfunden hat, darf ruhig melancholisch sein.

Nach einer Siesta im Hotel ging es wiederum Abends ins Diskoviertel. Auf meine Frage hin, was mit den ca. 10 Diskos eigentlich die anderen 11 Monate im Jahr passiert, hieß es lapidar, dass sie geschlossen wären. Das erklärt zumindest die Alkoholpreise…

Im Canyon

Im Canyon

Die Nacht war allerdings noch etwas kürzer, denn am Sonntagmorgen ging es zu den puentes colgantes y tirolesas (also Hängebrücken und Seilrutschen) in Boca de Túnel. So richtig konnte ich mir nicht vorstellen, was mich da erwartete. Jetzt kann ich sagen: Mit eine der coolsten Sachen, die ich in Mexiko gemacht habe. Vergesst den Klettergarten, denn es ist ja ganz nett, zwischen irgendwelchen Bäumen herumzuklettern, aber 20 Meter über einem Canyon auf einem Drahtseil zu stehen, das fetzt wirklich! Ein Mädchen aus unserer Gruppe hat sogar zwischendurch einen Nervenzusammenbruch erlitten und ich weiß bis heute nicht, wie sie sich überwinden konnte, es trotzdem durchzuziehen (wahrscheinlich, weil sie sonst immer noch irgendwo im Nichts hocken müsste).

Und das war noch die leichteste Übung...

Und das war noch die leichteste Übung…

Nach diesem Adrenalinschub war es dann Zeit zum wohlverdienten Mittagessen und vor allem für die schon lange überfälligen Symbolfotos (ich mit oben schon gezeigtem Esel und Kakteen und ich mit Riesensombrero bei der Siesta). Dazu schipperten wir noch fröhlich über einen Stausee, um die „höchste einbeinige Jesusfigur Lateinamerikas“ (O-Ton Touristenführer) zu bewundern, den cristo roto oder, zu deutsch, den kaputten Christus. Das war nach der Anstrengung eine gefundene und erholsame Abwechslung, auch wenn ich zwischendurch das Tanzbein schwingen musste, um diesen Emporkömmlingen aus Nuevo Laredo zu zeigen, dass es immer noch Monterrey ist, dass im Norden den dicken Max markieren darf!

El Cristo Roto

El Cristo Roto

Leider übertrieb ich es anschließend im Hotel beim Vorglühen und sehr tiefsinnigen Gesprächen (Victors Mitbewohner ist unreif, damit ihr es nur wisst) ein wenig, sodass ich mich am Ende gegen die Disco entschied. Dafür konnte ich dann fast so etwas wie ausschlafen, denn am Montag ging es erst um 12 Uhr wieder in Richtung Heimat los, um dort gegen 22 Uhr wieder aufzuschlagen.

Was bleibt als Fazit? Besucht die Feria Nacional de San Marcos, wenn ihr einmal im April/Mai zufällig in Mexiko sein solltet! Ihr werdet die einzigen Ausländer sein und könnt erleben, was Mexikaner unter Party verstehen. Außerdem solltet ihr euch auch einen Ausflug nach Boca de Túnel gönnen und im Canyon herumturnen. Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall sehr froh, mitgefahren zu sein.

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