¡Viva Méjico, cabrones!


El Alma Mexicana
05/05/2012, 20:24
Filed under: Méjico | Schlagwörter: , , , , ,

Wie ich gerade so faul nach meiner vorletzten Klausur zu Unizeiten im Internet surfe, bin ich auf eine interessante Serie der Süddeutschen Zeitung zum Thema Lateinamerika gestoßen: Das neue Lateinamerika. Es zieht sich bei mir zwar alles zusammen, wenn darin behauptet wird, dass Evo Morales der erste indigene Präsident Lateinamerikas wäre (das hat Benito Juárez nun wirklich nicht verdient), aber ansonsten freue ich mich, dass wenigstens überhaupt jemand in Deutschland bemerkt, dass hier eine ganze Region kurz vor dem Explodieren ist. Die TU Dresden zumindest sieht es offensichtlich nicht so, denn ein Begleitstudium, in dem Studenten verschiedener Studiengänge gemeinsame Seminare zu einem fächerübergreifenden Themenkomplex haben? Pfui, weg damit! Wir brauchen doch Platz, damit wir in Zukunft interdisziplinär in Clustern arbeiten können!

Aber wo wir schon einmal gerade dabei sind über Lateinamerika und damit auch indirekt über Mexiko zu reden: Das folgende Video von ITDP Mexico sorgte letztens auf einigen verkehrsspezifischen Seiten für Furore, da es sehr gut die externen Effekte des Autoverkehrs beschreibt.

Eine Zahl aus dem Video hat es mir besonders angetan: Nur 30% aller Mexikaner nutzen ein Auto! Das ist erschreckend, denn die meisten davon müssen in Monterrey rumfahren. Wobei das wahrscheinlich gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist, wenn man sich einmal anguckt, wie wenig Überlandverkehr in Mexiko außerhalb des Großraums um die Hauptstadt stattfindet.

Auf jeden Fall zeigt es aber einmal mehr ziemlich deutlich, wie weit ich hier vom Durchschnittsmexikaner entfernt bin. Zwar dürfte die Anzahl an Autonutzern in meinem Bekanntenkreis auch in etwa 30% betragen, aber wenn es darum geht, Zugriff auf ein Auto zu haben, dann sollte die Zahl weitaus höher liegen; selbst ich habe kaum Probleme, jemanden zu finden, der mich fährt, wenn ich einmal etwas Größeres über einen langen Weg transportieren muss.

Es ist also fraglich, ob ich „das Mexikanische Wesen“ wenigstens oberflächlich angekratzt habe. Nicht einmal das Standardwerk zu diesem Thema, El laberinto de la soledad (auf Deutsch: Das Labyrinth der Einsamkeit), habe ich bisher komplett gelesen. Wobei es mich aber erstaunt hat, dass sich einige Sachen auch in 70 Jahren scheinbar nicht verändert haben. Die Diskrepanz zwischen der fröhlichen spontanen Feierlaune der Mexikaner einerseits und ihrem Hang zu Melancholie und Selbstmitleid (beides aber durchaus auch gerne ironisch zelebriert) andererseits ist mir auch schon aufgefallen. Octavio Paz verführte das zu eben diesem Bild des Mexikaners, der sich selbst ausgeliefert ist und so selbst noch in der Menge alleine bleiben muss. Statt eines aufmunternden „Zusammen ist man weniger allein!“ gilt für Mexikaner „Zusammen ist man ebenfalls allein!“ – oder zumindest macht es diesen Eindruck…

Worauf wollte ich mit diesem pseudo-philosophischen Diskurs hinaus? Darauf, dass ich trotz zehn Monate in Mexiko nicht viel mehr über dieses Land sagen kann als vor dieses zehn Monaten. Es ist mir seltsam fremd geblieben. Während ich in Ecuador – selbst nach fünf Jahren Abwesenheit – nach wenigen Stunden wieder wie ein Fisch im Wasser schwimme und mir bei einer Ankunft in Berlin wahrscheinlich als allererstes ein „Endlich wieder normale Menschen!“ heraus schlüpfen wird, fühle ich mich in Mexiko weiterhin als Fremdkörper. Ich komme vielleicht besser zurecht als der Pauschaltourist, der sich aus seinem Touristenreservat in Cancún ausversehen ins Maya-Dorf verirrt, aber die Unterschiede sind geringfügig.

Die Frage, die sich nun aber stellt: Liegt es an mir? Oder liegt es an Mexiko? Wir werden dies wohl noch irgendwann in der Zukunft aufdröseln müssen, wir zwei.

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2 Kommentare so far
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Man muss ja nicht überall „zuhause“ sein, nicht? Für mich war z.B. die Integration hier viel leichter, als in 6 Ländern zuvor.
¡Buenas vibras!

Kommentar von Vallartina

Wobei ich zugeben muss, dass ich es in Morelia, La Paz oder Valladolid schon länger aushalten könnte – hat eben auch mit der Umgebung zu tun, dass Ankommen. Und Monterrey ist da eben nicht sonderlich inspirierend…

Kommentar von MuGo




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