¡Viva Méjico, cabrones!


Ein Tequila in Tequila

Wenn die schlechte Federung es zulässt, wird dieser Eintrag komplett im Bus von Guadalajara nach Mazatlán verfasst – acht Stunden wollen schließlich gefüllt werden. Die Filme, die ich sehen will, habe ich schon alle gesehen und mit White Collar möchte ich jetzt auch nicht anfangen. Außerdem steht einfach ein Bericht aus, denn es wird Zeit, dass ihr etwas über die erste der zwei Wochen Mexiko zusammen mit Dome erfahrt.

Los ging es für mich bereits Mittwoch Nacht mit einer Fahrt im Luxusbus von Monterrey nach Mexico City (im Folgenden einfach DF – kurz für Distrito Federal, also Bundesdistrikt – genannt), die ohne Zwischenfälle vonstatten ging und mich am nächsten Morgen einigermaßen ausgeschlafen am Terminal del Norte, einem der vier großen Busterminals des DF, ankommen lies. Hier traf ich mich mit der bereits bekannten Arely auf einen Kaffee, bevor sie sich mit dem Bus in ihr Heimatdorf aufmachte. Anschließend fuhr ich auf gut Glück zum Hotel Monaco, in dem ich schon mit Mario genächtigt hatte, und bekam auch wie erwartet ohne Probleme ein Zimmer für zwei Personen. Das nutzte ich dann auch für eine ausgiebige Siesta aus, bevor ich gegen 17 Uhr in Richtung Flughafen aufbrach, um Dome abzuholen, der sich mit einiger Verspätung auch einfand. Wie zu erwarten war Dome ziemlich müde, sodass wir uns das Gratiskonzert von Paul McCartney auf dem zócalo, dem Hauptplatz, sparten.

Palacio de las Bellas Artes

Palacio de las Bellas Artes

Am Freitag ging es dann daran, Dome ein wenig vom DF zu zeigen. Neben der mir schon bekannten Kathedrale und dem templo mayor der Azteken besuchten wir auch den Nationalpalast und das Schloss Chapultepec im gleichnamigen Park. Es bleibt durch die letzteren beiden Punkte festzuhalten, dass die Reichen, Schönen und Mächtigen Mexikos durchaus zu leben wussten…

Den nächsten Tag füllten wir mit einem Besuch bei den Pyramiden von Teotihuacan, die den Lesern ebenfalls bereits bekannt sind. Auch bei einem zweiten Besuch bleiben sie so imposant wie immer. Allerdings zeigt sich der Vorteil eines Besuchs unter der Woche, wenn deutlich weniger los ist und man beim Besteigen der Sonnen-Pyramide nicht Schlange stehen muss. Für eine kurze Leibesvisitation wird man auf der Rückfahrt so oder so aus dem Bus geholt.

Morelia

Morelia

Da die Zeit drängte, ging es am Sonntag auch gleich weiter. Diesmal allerdings nicht per Flugzeug nach Cancún, sondern per Bus nach Morelia, der Hauptstadt des Bundesstaats Michoacán. Vom Lonely Planet in den höchsten Tönen gelobt, kann ich dieses Lob nur bestätigen. Morelia ist von allen Städten Mexikos, die ich bisher kennengelernt habe, diejenige, in der ich es mir am Besten vorstellen könnte, ein paar Jährchen zu leben. Die Innenstadt ist vollgestopft mit kolonialen Kolonadengängen, einer schier unglaublichen Anzahl an Kirchen und vielen jungen Menschen. Das einzige Manko: Sonntag Abends ist absolut tote Hose. Es war sogar schwierig, etwas zu Essen zu finden. Dafür konnten wir uns aber im mercado de las dulces (Süßigkeitenmarkt) mit allen eindecken, was das Herz an mexikanischen Süßigkeiten begehrt.

Parque Nacional Barranca del Cupatitzio

Parque Nacional Barranca del Cupatitzio

Den Montag nutzten wir zu einem Ausflug zum Parque Nacional Barranca del Cupatitzio (Nationalpark Cupatitzio-Schlucht) in Uruapan. Der wunderschöne Nationalpark (der überrasched stark von Menschenhand gestaltet ist) war allerdings nur ein Vorwand, um im Restaurant Terraza de las Truchas schlemmen zu dürfen. Denn bei allen von mir immer wieder beklagten Mängeln der deutschen Übersetzung des Lonely Planets – die Tipps sind wirklich Gold wert. So gab es für Dome eine Forelle im Macadamia-Mantel, während ich mich an einer trucha a la tampiqueña (Forelle auf Tampico-Art, mit Reis, Bohnen, guacamole, Käse und gegrilltem Gemüse) gütlich tat. Dazu gab es guacamaya, eine Art selbstgemachte Avocada-Grapefruit-Limonade. Auch wenn es seltsam klingt – es schmeckt verdammt gut und ist ein Grund mehr, sich über fehlende weitverbreitete Grapefruit-Limonaden in Deutschland zu ärgern.

Guacamaya

Guacamaya

Als wir am Abend wieder in Morelia ankamen, mussten wir feststellen, dass dort, wo am Sonntag noch der Hund begraben lag, plötzlich die Post abging. Es war schon etwas schwierig, noch einen Sitzplatz auf der plaza de las rosas zu bekommen, sodass wir diesen auch nicht so schnell wieder hergaben. Dome kam am Abend auch zu seinem ersten richtigen Tequila – und er scheint meine Meinung zu teilen, dass man danach nie wieder zu Sierra zurückkehren kann…

Guadalajara

Guadalajara

Am Dienstag Morgen fuhren wir dann weiter nach Guadalajara, auch dies bereits eine alte Bekannte, die aber auch immer eine Reise lohnt. Hier besichtigten wir die Altstadt und das Instituto Cultural de Cabañas, welches nicht nur als Weltkulturerbe dient, sondern auch die Volkshochschule von Guadalajara beherbergt. So konnten wir durch Zufall auch diversen Tanzgruppen beim Training zusehen und Gedenktafeln bewundern, die bezeugten, dass auch schon Gerhard Schröder und Barack Obama an diesem Ort an Konferenzen teilgenommen haben. Abends gab es dann für mich eine birria (Ziegeneintopf) und für Dome eine barbacoa (im Erdloch gedünstetes Hammelfeisch) in der besten birriría der Stadt und noch einen Absacker im La Favorita, einer coolen Lounge, die Mario und ich durch Zufall beim letzten Besuch entdeckt hatten.

In der Mundo Cuervo

In der Mundo Cuervo

Als bisher letzter Höhepunkt stand am Mittwoch ein Besuch in den Distillerien von Tequila an, dass nur etwa zwei Stunden nordwestlich von Guadalajara liegt. Zuerst informierten wir uns im Tequila-Museum über die Geschichte des mexikanischen Nationalgetränks, das übrigens nur in einigen Bundesstaaten unter diesem Namen hergestellt werden darf. Anschließend ging es in die Mundo Cuervo, das Besucherzentrum von José Cuervo, der ältesten noch bestehenden Tequila-Destillerie der Welt. Hier wurde uns der Herstellungsprozess erklärt und es wurde auch klar, warum man in Deutschland Tequila mit Salz und Zitrone trinken muss: Erstens bekommt man bei uns meistens nur blanco und joven (entspricht Silber und Gold), die beiden „schlechtesten“ Sorten (es gibt noch reposado, añejo und extra añejo, die länger gelagert und pur getrunken werden können – ohne, dass sich alles zusammenzieht); zweitens bekommt man bei uns normalerweise nur einfachen Tequila – dieser wird aber nur zu 51% aus Agave hergestellt und sonst aus billigeren Zuckern. Nur Tequlia mit der Bezeichnung 100% de Agave ist richtig echter Tequila.

Tequila

Tequila

Die Führung ging natürlich auch mit einer Verkostung einher, sodass wir nun stolz sagen können, schon einmal einen Tequila in Tequila getrunken zu haben. Anschließend deckten wir uns im Souvenirshop noch mit besagtem Getränk ein (kein José Cuervo, den gibt es schließlich auch in Deutschland, sondern Tequila Azul und einen añejo von Maestro Tequilero) und auch zu einem Schnapsglas hat es noch gereicht. Zurück in Guadalajara ging es dann noch nach Tlaquepaque zum Abendessen, bevor es wieder zurück ins Hotel ging, da es am Donnerstag früh zum Busbahnhof ging.

Als nächstes steht nun Mazatlán auf dem Plan, von wo aus Freitag Abend die Fähre nach Baja California startet. Und auch die Zugfahrt durch die barranca del cobre (Kupferschlucht) steht noch an. Ein paar Kilometer Mexiko müssen also noch zurückgelegt werden, bevor es langsam Zeit wird, sich über die Rückkehr nach Deutschland Gedanken zu machen…

Advertisements

Schreibe einen Kommentar so far
Hinterlasse einen Kommentar



Hier könnte dein Senf stehen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s



%d Bloggern gefällt das: