¡Viva Méjico, cabrones!


Ein Schiff wird kommen…

…aber nicht nach Mazatlán. Anders als von mir angekündigt ging es nämlich nicht per Schiff von Mazatlán aus in Richtung Baja California. Denn als wir nach einem Bad im Pazifik am Ticketschalter vorbei gingen, wurde uns eröffnet, dass es keine freien Plätze mehr für den Freitag Abend gab. Das war natürlich nicht eingeplant. Nach einem kurzen Kriegsrat ging es mit der Frage, ob denn noch Tickets für die Fähre von Topolobampo nach La Paz für den gleichen Abend zu haben sind, zurück zum Ticketschalter. Und diesmal hatten wir Glück. Also ging es schnell zurück zum Hotel, wo die Sachen glücklicherweise schon gepackt bereit standen, und von dort zum Busbahnhof, um in den nächsten Bus ins sieben Stunden entfernte Los Mochis zu springen. Nach der anschließenden Taxifahrt ins etwa 15 Minuten entfernte Topolobampo standen wir rechtzeitig vor dem Fährterminal und harrten der Dinge, die da auf uns zukommen würden.

Als erstes mussten wir feststellen, dass das mexikanische Militär scheinbar mit uns auf Lustkreuzfahrt war. Als zweites mussten wir feststellen, dass unsere interessante Ticketkategorie „ohne Sitz“ bedeutete, dass wir uns über Nacht in der Bar oder im Restaurant sein mussten, da es keinen Schlafsessel mehr für uns gab. Dafür stand immerhin ein kostenloses Abendessen in Aussicht. Aber erst einmal hieß es warten. Zwar wurden die insgesamt drei Stunden Warterei durch das Aufgeben des Gepäcks aufgelockert, bei dem wir unseren edlen Tequila dem Gepäckraum anvertrauten, da wir das Schild „Keine Getränke an Bord mitnehmen“ ernst nahmen, denn schließlich wollten wir ihn nicht bei etwaigen Kontrollen des Handgepäcks verlieren. Hätten wir gewusst, dass es natürlich niemand interessierte, was wir an Bord mitnahmen, hätten wir uns den Ärger auch ersparen können…

Fähre

Fähre

Eine Stunde vor Abfahrt durften wir dann endlich an Bord. Dabei ging es zu, wie man sich die Ankunft im Gefängnis vorstellt: Aufstellen in einer Reihe nach Frauen und Männern getrennt; Abtasten mit dem Metalldetektor; Drogenhund überprüft das Handgepäck; Abmarsch zum Schiff – und wehe, wenn dabei jemand Mätzchen macht! Nach diesem etwas seltsamen Prozedere überraschte uns aber die Fähre mit ihrer ziemlich modernen Ausstattung sowie einem zwar nicht herausragenden, aber sättigendem Abendessen. Zu unserem Glück leerte sich das Restaurant auch zunehmend, da die Nachtschwärmer unter den Gästen in die Bar herüber wechselten und mit den Decken, die wir uns an Bord ausleihen konnten, schaffte zumindest ich es, ein paar Stunden zu schlafen, bevor das Schiff Pichilingue, den Hafen von La Paz, erreichte.

La Paz

La Paz

Im Hafen stand auch schon der Bus bereit, der uns und unsere überraschenderweise heil angekommenen Tequila-Flaschen nach La Paz, der Hauptstadt von Baja California Sur, fahren sollte. Seltsamerweise war das Ticket, das wir am Vortag gekauft hatten, sogar 5 Pesos billiger als das Ticket vor Ort. In La Paz suchten wir uns ein günstiges Hotel, dessen Zimmer wir zwar schon belegen konnten, aber noch ein wenig warten mussten, bis uns der Schlüssel überreicht werden konnte, da erst noch ein kaputtes Schloss ausgewechselt werden musste. Also ging es zuerst in den Ort, um ihn ein wenig zu erkunden und zu frühstücken (es war schließlich Samstag Morgens um 8 Uhr). Das Frühstück erwies sich als absoluter Reinfall, denn wir schafften es nicht nur in eine Touristenfalle, nein, wir nahmen natürlich DIE Touristenfalle schlechthin. Die Fischburritos waren zum einen keine burritos, sondern eher eine Art enchiladas, und zum anderen das Schlechteste, was ich bisher in Mexiko gegessen habe. Eine wirklich unterirdische Qualität, die auch der frischgepresste Saft nicht wieder gut machen konnte. Fremder, der du nach La Paz kommst: Mache einen Bogen um das Rancho Viejo 2!

Die Kathedrale von La Paz

Die Kathedrale von La Paz

Auch von La Paz selbst gab es außer der eher bescheidenen Kathedrale und dem leider geschlossenen Museo Regional de Antropología e Historia nicht viel interessantes zu sehen, denn La Paz besticht in erster Linie durch die Landschaft, in die es eingebettet ist. Vor einem erstreckt sich ein türkisfarbenes Meer, während hinter einem eine karge rote Wüstenlandschaft für einen gelungenen Kontrast sorgt.

Playa Balandra

Playa Balandra

Dementsprechend nutzten wir den Nachmittag und fuhren mit dem Bus raus aus La Paz. Denn wenn man den in die Wüste gebolzten Golfplatz und die Pemex-Raffinerie hinter sich gelassen hat und durch den Kaktuswald fährt, beginnt eine herrliche Küstenlinie, an der sich Steilküsten, weiße Sandstrände und Mangroven abwechseln. Unser Ziel war die Playa Balandra, einer der schönsten Strände bei Pichilingue. Hier wateten und schwammen wir in kristallklarem warmen Wasser herum und ließen uns im Schatten der aufgestellten palapas (Schattenspender aus Palmblättern) von der Sonne brutzeln. Am Abend ging es dann zufrieden zurück nach La Paz, wo wir bei einer Wiederholung des Champions-League-Finales den Tag früh ausklingen ließen.

Denn am Sonntag mussten wir wieder um 7 Uhr morgens hoch, denn ein Ausflug auf die Insel Espiritú Santo stand an. Landschaftlich ist diese Insel nicht sonderlich anders als die restliche Landschaft der Baja California: Wüste, die plötzlich ins Meer abbricht. Aber um die Insel herum schwimmt und fleucht es in aller Herrlichkeit. So begleiteten wir eine Schule Delfine für eine Weile und schnorchelten zusammen mit Seelöwen durch ein Korallenriff. Ein besonders vorwitziger Seelöwe machte sich ein Spaß daraus, immer wieder direkt auf mich zuzuschießen, um dann im letzten Moment unter mir hinweg zu tauchen. Ein einmaliges Erlebnis! Und da ich mich nicht entscheiden kann, welches Bild ich für die Insel einstellen soll und ihr dennoch etwas von meinem Ausflug haben sollt, folgt eine kleine Diashow mit einigen Eindrücken von Espiritú Santo:

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Strandpromenade

Strandpromenade

Am Abend folgte noch ein kleiner Spaziergang an der Strandpromenade sowie leckere Meeresfrüchte im Bismarck-cito. Auf unsere Nachfrage, wie man denn auf den Namen gekommen sei, wurde uns bestellt, dass es da einmal ein Kriegsschiff mit diesem Namen gegeben hätte. Also scheint es mit dem Preußentum in La Paz doch nicht so weit her zu sein wie von uns gemutmaßt…

Jetzt sitze ich wieder im ominösen Restaurant der Fähre, die uns zurück nach La Paz bringt, denn morgen soll es dann ganz multimodal im Zug durch die Kupferschlucht nach Cuauhtémoc, dem Zentrum der mexikanischen Mennoniten, gehen. Und wenn es schon wieder keine Tickets geben sollte – dann machen wir uns eben einen schönen Tag im Best Western Hotel von Los Mochis!

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