¡Viva Méjico, cabrones!


Auf geht es!

Zwei Semester Uni (fast) ohne Unterbrechung sind nun vorbei und endlich, endlich geht es daran, ein wenig mehr von meiner derzeitigen Lebensabschnittsheimat zu erkunden. Glücklicherweise muss ich das auch nicht alleine machen, sondern habe mit Mario einen sachverständigen Begleiter an meiner Seite, der sich bereits viel intensiver mit möglichen Zielen in Mexiko beschäftigt hat als ich dies getan habe.

Allerdings schien es gar nicht so einfach, ihn von der Schönheit Monterreys zu überzeugen. Irgendwie hat er es nämlich geschafft, eine Kaltfront aus Deutschland nach Monterrey zu locken. Während ich am Samstag noch faul auf meiner Dachterrasse in der Sonne fläzen konnte, waren wir am Dienstag froh, dass wir nicht erfroren sind. Trotzdem ließ sich Mario nichts anmerken und nahm kalte Nächte und smogverhangene Tage ohne Murren hin.

Cañon de la Huasteca

Cañon de la Huasteca

Für mich wog ohnehin etwas anderes viel schwerer: Ich hatte keine Ahnung, was man eigentlich an drei Tagen in Monterrey an touristischem Programm auffahren könnte. Doch Mario war pflegeleicht und hatte schnell Ideen, was interessant sein könnte. Das Programm war ziemlich rund: Vom Besuch im Museum der mexikanischen Stahlindustrie im Horno3 über eine kleine Fahrt mit der Metro Monterrey (wozu ich vorher auch noch nicht gekommen war) bis hin zu einer Shopping-Tour durch die Plaza Valle Oriente im schicken Vorort San Pedro war alles dabei. Höhepunkt war aber sicherlich unser kleiner Ausflug in den Cañon de la Huasteca. Dabei handelt es sich um ein enges Flusstal, dass laut Reiseführer ein nettes Ausflugsziel ist. Was der Reiseführer unterschlagen hatte: Mein Namensvetter, der Hurrikan Alex, hatte leider die pittoresken Grünanlagen weggespült und eine Geröllwüste hinterlassen. Zusammen mit den bizarren Felsformationen ergab sich dadurch aber trotzdem ein faszinierender Spaziergang. Außerdem kamen wir auf dem Rückweg am berühmt-berüchtigten Casino Royale vorbei, sodass der Katastrophentourismus gebührend beendet werden konnte.

Für mich begann der richtige Urlaub allerdings erst am Mittwoch, als es nach Guadalajara ging. Ganz der Verkehrsökologie verschrieben, machten wir uns nicht etwa mit dem Nachtbus, sondern mit dem Billigflieger auf den Weg. Bei unserem straffen Zeitplan kann man aber vielleicht zwei Augen zudrücken, dass wir insgesamt zwei Inlandsflüge gebucht haben…

Die Kathedrale von Guadalajara

Die Kathedrale von Guadalajara

Guadalajara erwies sich als idealer Ausgangspunkt für die weitere Reise: Die Stadt ist deutlich „mexikanischer“ als Monterrey. Statt sechs Grad begrüßten uns schnuckelige 26 Grad, statt modernen Zweckbauten gibt es eine ausgedehnte koloniale Innenstadt und Nachts durch die Straßen laufen war auch noch drin. Wenn es so etwas wie eine entspannte Millionenmetropole geben kann, dann wäre es wahrscheinlich am ehesten Guadalajara.

Hotel Las Sabilas

Hotel Las Sabilas

Für uns etwas überraschend war es allerdings, dass wir kaum andere Touristen gesehen haben. Dabei ist Guadalajara durchaus eine Reise wert und Jalisco, der dazugehörige Bundesstaat, hat viel zu bieten, was gerade in unseren Breiten als typisch mexikanisch angesehen wird: Tequila, Mariachis, koloniale Kirchen. Dennoch waren andere Touristen Mangelware. Wir konnten sogar im Hotel, dass vom Lonely Planet empfohlen wurde, für einen deutlich geringeren Preis übernachten als eigentlich vorgesehen, da sonst nur ein Pärchen aus Oregon anwesend war. Ein solches Schnäppchen macht man selten – und dass der Pool zu kalt zum Baden war, machte auch nichts: Schließlich konnten wir einfach in den beheizten Pool vom anderen Hotel des amerikanischen Besitzers springen.

Kulinarisch gesehen ist Guadalajara auch gleich eine ganz andere Liga als Monterrey. Und der von mir wegen seiner lieblosen Übersetzung viel gescholtene Lonely Planet zeigte hier wieder einmal sein wahren Stärken: Die empfohlenen Lokale waren spitze! Nur beim Nachtleben konnten weder mein Lonely Planet noch Marios Loose wirklich überzeugen: Die hippe Bar war angeblich in einem Straßenblock ohne künstliche Beleuchtung untergebracht. So gingen wir am Ende einfach in die Kneipe einen Block vorher, die sich als Glücksgriff mit hochprozentigen Getränken, netter Bedienung und Enten-Tacos erwies.

Tlaquepaque

Tlaquepaque

Ein weiteres Highlight Guadalajaras ist der Stadtteil Tlaquepaque, der zwar touristisch aufgemotzt wurde, aber trotzdem zu einem ausgedehnten Abendbummel einlädt. Es ist vielleicht nicht gerade die erste Adresse, um sich als junggebliebener Erwachsener zu amüsieren, aber dafür ist man umgeben von mexikanischen Familien, die ein Eis und die lauen Dezembernächte genießen. Außerdem hat man als verkehrsaffine Menschen, wie wir beide es nun einmal sind, einen Grund, sich mit dem Bus fortzubewegen. Überhaupt ist Guadalajara verkehrstechnisch gut ausgestattet mit Metrobus, U-Bahn und Fahrradständern an öffentlichen Orten. Kein Wunder, schließlich ist Guadalajara die Fahrradhauptstadt Mexikos!

Trotz der schönen anderthalb Tage hieß es nach zwei Nächten Abschied nehmen. Am Freitag Morgen ging es per Bus weiter nach Guanajuato. Aber dazu ein andermal mehr.



Speed Dating in Zeiten der Casino-Überfälle
28/08/2011, 20:34
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So schnell kann es gehen – nach nur einem Monat wird man aus der heilen Welt gerissen und kann sich plötzlich nicht mehr sicher fühlen, wenn man auf die Straße geht. Oder?

Glücklicherweise ist es nicht ganz so schlimm wie es vielleicht aus der Ferne wirkt. Und nun ja, die meisten deutschen Korrespondenten leben auch nicht hier, sondern in Mexiko City oder gar in Argentinien. Mit anderen Worten: Die lesen auch nur Zeitung und gucken CNN.

Damit will ich gar nicht den Eindruck erwecken, dass das doch alles nur aufgebauscht ist und hier alles Friede, Freude, Eierkuchen sei, aber ich habe die Artikel, die bei Spiegel Online und sueddeutsche.de zum Überfall auf das Casino erschienen sind, aufmerksam verfolgt und möchte einen vielleicht etwas anderen Blickwinkel ermöglichen. Weiterlesen