¡Viva Méjico, cabrones!


Adio, adio Mexiko…
09/06/2012, 12:00
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…ich grüß mit meinem Sombrero, te quiero, ich habe dich so lieb!

– Rex Gildo, eigentlich ständig und überall

Wenn man wieder einmal im Lande ist (womit ich jetzt ausnahmsweise einmal Deutschland meine), wird es Zeit, dass man das Jahr in Mexiko ein wenig Revue passieren lässt. Eigentlich ist es dazu noch etwas zu früh, aber da ich weiß, dass dies wahrscheinlich mein letzter Eintrag in diesem Blog sein wird, ignoriere ich die Tatsache, dass ich zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, erst seit drei vollen Tagen wieder im Lande bin. Weiterlesen



Dann gründe ich eben meine eigene Universität – mit Blackjack und Noten!

Erst vor Kurzem ist mir aufgegangen, dass ich schon in knapp zwei Wochen wieder einmal in Ecuador sein werde und endlich meine „Neffen“ kennenlernen werde. Sprich: In etwa zweieinhalb Monaten ist auch mein Mexiko-Abenteuer schon wieder vorbei. Eine gute Gelegenheit, um sich schon einmal ein ganz klein wenig auf die Sachen zu freuen, die mich in Deutschland erwarten. Vegetarische Hauptgerichte, zum Beispiel. Mein Fahrrad. Bis ein Uhr nachts im Biergarten sitzen. Heizungen (nicht, dass ich gerade eine bräuchte – im Gegenteil, ich freue mich über meine Klimaanlage – aber ich werde es im Herbst und Winter lieben, in einer isolierten Wohnung zu sitzen und die Heizung aufzudrehen).

Und natürlich Brot. Abgesehen von den wenigen Momenten, in denen hier eine Heizung angebracht wäre, ist die komplett fehlende Brotkultur hier in Monterrey das Schlimmste. Während es in Zentral- und Südmexiko überall Bäckereien gibt, die ganz Passables für den kleinen Hunger zwischendurch produzieren, kenne ich in Monterrey in meiner näheren Umgebung nur eine Bäckerei. Die ist dafür aber auch gleich Bio und Vollkorn und leider Gottes eine Viertelstunde Fußmarsch von mir entfernt – dazu auch noch in die andere Richtung als die Tec! Das einzige, was morgens einigermaßen als Frühstück außer Haus geeignet ist, sind die viel zu süßen Donuts (oder donas, wie es auf Spanglisch heißt) vom 7-Eleven. Nicht gerade hohe Bäckerskunst, aber dafür wahrscheinlich hygienischer als wenn man bei gewissen deutschen Großbäckereien einkaufen würde…

Aber lassen wir das – jetzt bin ich eben in Nordmexiko und hier gibt es kein Brot, Punkt, aus fertig! Dafür gibt es aber lustige Notensysteme, die ich schon einmal kurz angesprochen habe. Vor dem Hintergedanken, dass dieser Blog vielleicht auch Leuten helfen kann, die selber mit dem Gedanken spielen, zum Austausch nach Mexiko zu gehen (auch wenn Mexiko sich ja gerade alle Mühe macht, niemanden auf diese Idee zu bringen), will ich jetzt noch einmal genauer darauf eingehen. Weiterlesen



Mexiko – eine Bilanz
30/01/2012, 20:22
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Heute ist einer dieser Tage, an denen man sich dazu zwingen muss zu schreiben. Aber es nützt ja nichts, ich habe es schließlich das ganze Wochenende vor mich hergeschoben und ein wenig Disziplin kann auch nicht schaden. Nur die wirklich schlechte Anspielung im Titel bitte ich zu verzeihen.

Warum aber eine Bilanz? Ganz simpel, vor einem halben Jahr (plus vier bis fünf Tage, je nach Blickwinkel) bin ich nach Mexiko aufgebrochen: Am 27. Juli 2011 habe ich also zum ersten Mal in meinem Leben mexikanischen Boden betreten. Und da wir Menschen es mit einprägsamen Zahlen, auch gerne „Jubiläen“ genannt, haben, scheint es an der Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen. Weiterlesen



Er kann’s nicht lassen…

Einige meiner Freunde haben es mir ja nicht wirklich abgenommen, dass ich mich für ein Jahr zurücklehnen und, anstatt das Studentenleben weiterhin zu gestalten, es einfach mal genießen wollte. Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, dass sie leider teilweise Recht hatten. Immerhin, ich habe die nicht die Vereinigung der deutschen Studenten ins Leben gerufen und auch die Gründung eines Debattierclubs werde ich wohl erst im nächsten Semester ins Auge fassen, aber es gibt doch das eine oder andere, das ich neben dem – zugegebenermaßen auch nicht gerade zu vollgestopften – Studium unterbringen konnte. Und gerade diese Woche war ein ziemlicher Höhepunkt in dieser Hinsicht. Weiterlesen



Gesellschaft, Entwicklung und Staatsbürgerschaft in Mexiko

Hinter diesem lauschigen Namen verbirgt sich nicht etwa eine Doktorarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung, sondern eines der von mir belegten Fächer. Bevor ich euch aber mit einer kurzen Beschreibung langweile, möchte ich noch etwas erfreuliches loswerden: Wenn es in Monterrey erst einmal zu nieseln anfängt, dann ist es fast wie damals in Oldenburg – nur dass es dabei immer noch über 20 Grad hat.

Aber zurück zum Thema – was genau muss man sich unter einem Fach mit diesem Namen vorstellen? Am Besten kann man es vielleicht mit einem verpflichtenden Studium Generale für technische Fächer vergleichen – alle Ingenieure müssen es belegen und die meisten sind ob dieser Tatsache so begeistert wie ein Rudel Swinger, die im Arbeitskreis „Kein Sex vor der Ehe“ mitarbeiten sollen. Mit anderen Worten: Die Stimmung hält sich in Grenzen. Man kann sogar so weit gehen und behaupten, dass alle das Fach zum Kotzen finden mit Ausnahme eines seltsamen Austauschstudenten. Der findet es zwar inzwischen auch zum Kotzen, aber das liegt eher daran, wie der Kurs organisiert ist.

Prinzipiell finde ich als alter Verfechter des Über-den-Tellerrand-Schauens die Idee des Faches gut: Es geht darum, sich mit seiner eigenen Rolle als mexikanischer Staatsbürger auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie man das eigene Land voranbringen kann. Das ist gerade für Ingenieure eine durchaus dankbare Aufgabe, da es mehr abverlangt als das stumpfe Anwenden von gelerntem Wissen. Gleichzeitig wird dies auch der Grund sein, warum der Kurs sich so großer Beliebtheit erfreut: Im Zweifelsfall macht ein Ingenieur lieber eine Überschlagsrechnung als das er ein Buch liest (nach vier Jahren habe ich schließlich langsam verstanden, wie Ingenieure ticken…).

Was machen wir also in diesem Kurs? Zum einen haben wir eine Pflichtlektüre gleichen Namens, in der sozialwissenschaftliche Essays zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen versammelt sind. Einige der Texte sind zwar ziemlich abstrakt, aber da alle Texte einen Fokus auf Mexiko haben, ist es zumindest für mich oft ein durchaus interessanter Einblick in die Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft. Zum anderen müssen wir in Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema zur mexikanischen Realität bearbeiten, sprich die aktuelle Situation darstellen und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten. Meine Gruppe hat die Fixierung der mexikanischen Exporte auf die USA zum Thema (80% aller mexikanischen Exporte gehen in die USA – der größte Abnehmer für deutsche Waren, Frankreich, macht dagegen nur ca. 10% der deutschen Gesamtexporte aus). Andere Themen sind z.B. die geringe Leselust der Mexikaner oder das ineffiziente Gesundheitssystem. Zu guter Letzt schauen wir uns dann noch irgendwelche alten Filme an und vergleichen dann mit der aktuellen Situation. Außerdem müssen wir drei Museen besuchen und darüber Essays schreiben.

Was sorgt aber dafür, dass ich den Kurs inzwischen nur noch absitze statt mich auf ihn zu freuen? Die Antwort ist simpel: Es liegt an der Dozentin. Denn leider kann ich keinen wirklichen Plan hinter allem erkennen. Zu oft produzieren wir Hausaufgaben scheinbar fürs Nichts, da wir sie anschließend nicht einmal in der Klasse auswerten. Ich bin ja vielleicht anspruchsvoll, aber wenn ich mir schon ein schlechtes Museum anschaue und darüber drei Seiten verfassen muss, dann wäre ein irgendwie geartetes Feedback schon eine runde Sache. Das gleiche gilt für das Lesen von Texten über die semantische Bedeutung des Begriffs Staatsbürgerschaft. Es ist vollkommen okay, von mir zu erwarten, dass ich den Text lese und verstehe. Es ist aber nicht okay, wenn man danach erwartet, dass ich mich damit zufriedengebe, den Text nur für die nächste Zwischenprüfung gelesen zu haben. Auch wären Filme über Arbeiteraufstände zu Beginn des letzten Jahrhunderts trotz schlechter schauspielerischer Leistung annehmbar, wenn man denn wenigstens wüsste, wofür wir ihn uns ansehen. Und zu guter Letzt: Wenn man sich darüber aufregt, dass die eigenen Studenten Wasser predigen und Wein saufen, dann sollte man sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, Aufgaben zu stellen, die ein solches Verhalten unterstützen und dabei auf jegliches Feedback zu verzichten. Es wäre sicherlich einmal eine interessant, eine Diskussion darüber zu führen, warum sich denn in Mexiko nichts zum Besseren wendet, obwohl doch offensichtlich alle wissen, was schief läuft. Die Betonung liegt dabei auf Diskussion, Monologe höre ich ja schon genug in diesem Kurs. Kurz: Sociedad, Desarrollo y Ciudadanía en México ist für mich leider ein absoluter Schlag ins Wasser. Schade, es hätte so ein interessanter Kurs werden können.

Zum Abschluss noch ein interessanter Nebenaspekt: Meine Dozentin ist absoluter Deutschland-Fan und schwärmt für alles, was deutsch ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich jedem Hype per se skeptisch gegenüber stehe, mich erst einmal dagegen ausspreche und dann nachfrage, worum es eigentlich geht. Darum wird es kaum überraschen, dass ich häufig relativierend auftrete, wenn mein Heimatland wieder einmal über den grünen Klee gelobt wird. Einmal hat sie mich allerdings doch gekriegt: Auf die Frage, wie häufig ich denn bisher in Mexiko auf den Boden gespuckt hätte, musste ich verneinen, da ich so etwas nicht tue. Allerdings wollte sie mir nicht glauben, dass dies in erster Linie etwas mit Hygiene und Rücksicht auf Andere zu tun hat. Ihrer Meinung nach liegt das vor allem daran, dass mich die deutsche Polizei mit ihrem harten und konsequenten Vorgehen gegen Auf-den-Boden-Spucker konditioniert hätten. Manchmal bin ich mehr als froh, dass das Klischeebild über die Deutschen im Ausland oft nicht mehr als eine Karikatur der Wirklichkeit ist…