¡Viva Méjico, cabrones!


Gesellschaft, Entwicklung und Staatsbürgerschaft in Mexiko

Hinter diesem lauschigen Namen verbirgt sich nicht etwa eine Doktorarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung, sondern eines der von mir belegten Fächer. Bevor ich euch aber mit einer kurzen Beschreibung langweile, möchte ich noch etwas erfreuliches loswerden: Wenn es in Monterrey erst einmal zu nieseln anfängt, dann ist es fast wie damals in Oldenburg – nur dass es dabei immer noch über 20 Grad hat.

Aber zurück zum Thema – was genau muss man sich unter einem Fach mit diesem Namen vorstellen? Am Besten kann man es vielleicht mit einem verpflichtenden Studium Generale für technische Fächer vergleichen – alle Ingenieure müssen es belegen und die meisten sind ob dieser Tatsache so begeistert wie ein Rudel Swinger, die im Arbeitskreis „Kein Sex vor der Ehe“ mitarbeiten sollen. Mit anderen Worten: Die Stimmung hält sich in Grenzen. Man kann sogar so weit gehen und behaupten, dass alle das Fach zum Kotzen finden mit Ausnahme eines seltsamen Austauschstudenten. Der findet es zwar inzwischen auch zum Kotzen, aber das liegt eher daran, wie der Kurs organisiert ist.

Prinzipiell finde ich als alter Verfechter des Über-den-Tellerrand-Schauens die Idee des Faches gut: Es geht darum, sich mit seiner eigenen Rolle als mexikanischer Staatsbürger auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie man das eigene Land voranbringen kann. Das ist gerade für Ingenieure eine durchaus dankbare Aufgabe, da es mehr abverlangt als das stumpfe Anwenden von gelerntem Wissen. Gleichzeitig wird dies auch der Grund sein, warum der Kurs sich so großer Beliebtheit erfreut: Im Zweifelsfall macht ein Ingenieur lieber eine Überschlagsrechnung als das er ein Buch liest (nach vier Jahren habe ich schließlich langsam verstanden, wie Ingenieure ticken…).

Was machen wir also in diesem Kurs? Zum einen haben wir eine Pflichtlektüre gleichen Namens, in der sozialwissenschaftliche Essays zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen versammelt sind. Einige der Texte sind zwar ziemlich abstrakt, aber da alle Texte einen Fokus auf Mexiko haben, ist es zumindest für mich oft ein durchaus interessanter Einblick in die Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft. Zum anderen müssen wir in Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema zur mexikanischen Realität bearbeiten, sprich die aktuelle Situation darstellen und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten. Meine Gruppe hat die Fixierung der mexikanischen Exporte auf die USA zum Thema (80% aller mexikanischen Exporte gehen in die USA – der größte Abnehmer für deutsche Waren, Frankreich, macht dagegen nur ca. 10% der deutschen Gesamtexporte aus). Andere Themen sind z.B. die geringe Leselust der Mexikaner oder das ineffiziente Gesundheitssystem. Zu guter Letzt schauen wir uns dann noch irgendwelche alten Filme an und vergleichen dann mit der aktuellen Situation. Außerdem müssen wir drei Museen besuchen und darüber Essays schreiben.

Was sorgt aber dafür, dass ich den Kurs inzwischen nur noch absitze statt mich auf ihn zu freuen? Die Antwort ist simpel: Es liegt an der Dozentin. Denn leider kann ich keinen wirklichen Plan hinter allem erkennen. Zu oft produzieren wir Hausaufgaben scheinbar fürs Nichts, da wir sie anschließend nicht einmal in der Klasse auswerten. Ich bin ja vielleicht anspruchsvoll, aber wenn ich mir schon ein schlechtes Museum anschaue und darüber drei Seiten verfassen muss, dann wäre ein irgendwie geartetes Feedback schon eine runde Sache. Das gleiche gilt für das Lesen von Texten über die semantische Bedeutung des Begriffs Staatsbürgerschaft. Es ist vollkommen okay, von mir zu erwarten, dass ich den Text lese und verstehe. Es ist aber nicht okay, wenn man danach erwartet, dass ich mich damit zufriedengebe, den Text nur für die nächste Zwischenprüfung gelesen zu haben. Auch wären Filme über Arbeiteraufstände zu Beginn des letzten Jahrhunderts trotz schlechter schauspielerischer Leistung annehmbar, wenn man denn wenigstens wüsste, wofür wir ihn uns ansehen. Und zu guter Letzt: Wenn man sich darüber aufregt, dass die eigenen Studenten Wasser predigen und Wein saufen, dann sollte man sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, Aufgaben zu stellen, die ein solches Verhalten unterstützen und dabei auf jegliches Feedback zu verzichten. Es wäre sicherlich einmal eine interessant, eine Diskussion darüber zu führen, warum sich denn in Mexiko nichts zum Besseren wendet, obwohl doch offensichtlich alle wissen, was schief läuft. Die Betonung liegt dabei auf Diskussion, Monologe höre ich ja schon genug in diesem Kurs. Kurz: Sociedad, Desarrollo y Ciudadanía en México ist für mich leider ein absoluter Schlag ins Wasser. Schade, es hätte so ein interessanter Kurs werden können.

Zum Abschluss noch ein interessanter Nebenaspekt: Meine Dozentin ist absoluter Deutschland-Fan und schwärmt für alles, was deutsch ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich jedem Hype per se skeptisch gegenüber stehe, mich erst einmal dagegen ausspreche und dann nachfrage, worum es eigentlich geht. Darum wird es kaum überraschen, dass ich häufig relativierend auftrete, wenn mein Heimatland wieder einmal über den grünen Klee gelobt wird. Einmal hat sie mich allerdings doch gekriegt: Auf die Frage, wie häufig ich denn bisher in Mexiko auf den Boden gespuckt hätte, musste ich verneinen, da ich so etwas nicht tue. Allerdings wollte sie mir nicht glauben, dass dies in erster Linie etwas mit Hygiene und Rücksicht auf Andere zu tun hat. Ihrer Meinung nach liegt das vor allem daran, dass mich die deutsche Polizei mit ihrem harten und konsequenten Vorgehen gegen Auf-den-Boden-Spucker konditioniert hätten. Manchmal bin ich mehr als froh, dass das Klischeebild über die Deutschen im Ausland oft nicht mehr als eine Karikatur der Wirklichkeit ist…

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Ein paar Worte zum Unialltag

Die Zeit vergeht schnell, in Deutschland ist jetzt Urlaubszeit und in Mexiko steht bald die erste Zwischenprüfung an. Doch darüber hinaus schleicht sich langsam der Alltag ein. Das heißt vor allem: Weniger Einträge hier im Blog. Ich werde versuchen, jede Woche was zu veröffentlichen, aber viel mehr wird es wohl leider nicht werden. Ich habe aber schon eine Liste von Themen ausgearbeitet, auf die ich zurückgreifen kann, wenn nichts aufregendes passiert ist. So wie zum Beispiel heute. Darum reden wir doch nach zwei Wochen einmal über den Unialltag. Weiterlesen



Stundenplan

Schlittschuhlaufen mit Jaime

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in kurzen Hosen Schlittschuhlaufen war...

Entschuldigt, dass ich nicht häufiger schreibe, aber wenn man sich andauernd Captain America anschauen (sogar mit deutschem Akzent für die Nazis – ich spreche wie die böse Wissenschaftler, wurde mir nachher bestätigt) und Schlittschuhlaufen (jetzt im Ernst – da bin ich in Deutschland seit gefühlt zehn Jahren nicht mehr Schlittschuhlaufen gewesen und kaum hat es mal 40 Grad fange ich wieder damit an?) muss, kommt man einfach nicht dazu, hier etwas zu schreiben.

Aber ihr sollt ja wenigstens im Groben informiert werden, was hier so passiert (und gerade am Anfang passiert bekanntlich viel), weswegen ihr hier exklusiv meinen ab morgen gültigen Stundenplan präsentiert bekommt. Das er so aussieht, wie er aussieht ist Zufall, da es hier eigentlich keine festen Doppelstunden gibt.

Meine Kurse:

  • Sociedad, desarollo y ciudadania en México
    Gesellschaft, Entwicklung und Staatsbürgerschaft in Mexiko
    Mo/Mi, 10.30 – 12.00
  • Guionismo para medios audiovisuales
    Drehbücher Schreiben für audiovisuelle Medien
    Di/Do, 13.30 – 15.00
  • Doing Business in Latin America
    Kurs auf Englisch
    Mo/Mi, 16.30 – 18.00
  • Liderazgo
    Führungsverhalten
    Mo/Mi, 13.30 – 15.00
  • Comportamiento organizacional y desarollo del talento humano
    Organisiertes Verhalten und Entwicklung des menschlichen Könnens *
    Di/Do, 10.30 – 12.00

Wie ihr seht, konnte ich den Kurs Sistemas de Transporte, der als einziger meiner Vertiefungsrichtung nahekommt, nicht belegen – allerdings in erster Linie, weil er voll war. Vielleicht klappt es ja nächstes Semester. Dafür bin ich aber auf den Leadership-Kurs, der in der Beschreibung sehr interessant klang, sowie auf das Drehbücher Schreiben gespannt. Und noch viel wichtiger: Freitags habe ich frei!

* Man merkt, ein schwer übersetzbares Konzept – im Spanischen ist aber klar, was gemeint ist.