¡Viva Méjico, cabrones!


Ein paar Anmerkungen zum Rückflug

Wie schon zum Hinflug einige Anmerkungen zum Rückflug: Weiterlesen

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Misty Mountain Hop
26/03/2012, 22:08
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Der Frühling hat auch Monterrey fest im Griff und sorgt dafür, dass ich wieder ohne Probleme in der universellen Uniform für Austauschstudenten umher laufen kann: chanclas, shorts, playera. Oder auf Deutsch: Flipflops, kurze Hose, T-Shirt.

Man kann also wieder auf der Terrasse sitzen und die unschlagbare Aussicht genießen. Denn egal auf welchen hässlichen Plattenbau ich in Zukunft auch sehen werde – der Cerro de la Silla (der Sattel-Hügel – der Name ergibt sich aus seiner markanten Form) wird es nicht mehr sein.

Dabei ist der Hausberg Monterreys für mich eine der großartigsten Sachen in dieser an Sehenswürdigkeiten doch etwas armen Stadt. So großartig, dass ich im Verlauf meines Aufenthalts sicherlich schon 100 Fotos von diesem meinem persönlichen Blick aus dem Fenster geschossen habe. Und da es außer meinem Unialltag nicht viel zu berichten gibt, habe ich beschlossen, euch auch an diesem meinem Hobby teilnehmen zu lassen und habe eine Auswahl meiner Lieblingsbilder von diesem meinem Schicksalsberg (wer braucht da schon den Nanga Parbat?) zusammengestellt. Damit es für euch als Außenstehende, die nur einen ollen Berg sehen, nicht ganz so langweilig wird, sind es Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln, zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterlagen. Ich hoffe, ihr könnt meine Begeisterung wenigstens in Ansätzen verstehen!

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Am Donnerstag geht es für die Osterferien übrigens nach Ecuador. Der nächste Bericht wird sich deshalb wohl damit beschäftigen, was man 11 Stunden lang in Panama City machen kann. Der Panama-Kanal ist schon einmal eingeplant; und auch die Altstadt soll sehr schön sein – immerhin handelt es sich um ein UNESCO-Weltkulturerbe. Es gibt also sicherlich die eine oder andere japanische Reisegruppe zum Fotografieren!



Das ist der Beweis – Überschriften wirken!

Es tut mir Leid, aber mir fiel wirklich nichts besseres für diesen Titel ein! Ich hätte mir vielleicht was zum Wetter überlegen können, denn das ist zur Zeit etwas, äh, launisch. Während es am Sonntag so kalt war, dass mir nach sechs Stunden in der Küche sitzen meine Füße energisch absterben wollten, knallte die Sonne am Montag mit einer solchen Kraft, dass ich trotz T-Shirt schwitzte. Hoffen wir, dass es erst einmal so bleibt.

Aber das Wetter war noch nie ein tolles Thema außer für den Small Talk mit Amerikanern und daher wechseln zu einem anderen Thema, das mich derzeit beschäftigt: Weiterlesen



We’re not amused!
08/02/2012, 21:09
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Sicherlich, als Betroffene mögt ihr das sicherlich anders sehen, aber ich beneide euch: Wie gerne würde ich jetzt bei klirrender Kälte in Deutschland weilen statt in diesem Pseudowinter, der auch nicht dadurch gemütlicher wird, dass es hier trotz 10 Grad keine Heizung hat. Ja, ich liebe die Kälte – aber nur, wenn man anschließend aus ihr heraus wieder ins warme Zimmer kommt und sich unter eine dicke Winterdecke ins Bett kuscheln kann. Zwar kann meine Klimaanlage auch „warm“, aber glaubt mir: Das ist nicht annähernd dasselbe.

Zu allem Überfluss sorgt das miese Wetter hier vor Ort, dass einem grauen September- oder Oktobertag (ungemütlich, aber wenigstens nicht unangenehm feucht) in Deutschland gleicht, dafür, dass ich hier keineswegs wie beabsichtigt etwas über den Cerro de la Silla, Monterreys Hausberg, berichten kann. Denn das Wetter am Wochenende versprach Nebel statt grandiosem Blick, weswegen die Besteigung weiterhin warten muss. Zu allem Unglück haben außerdem die Giants den Super Bowl gewonnen (ich war für die Patriots – aus dem simplen Grund, dass alle anderen für die Giants waren. Und wegen Tom Brady – man muss kein Football-Fachmann sein, um sehen zu können, dass er ein verdammt guter Quarterback ist!) und mir ging auf, dass ich nicht etwa einer der ersten Passagiere sein werde, die in Berlin Brandenburg International landen, sondern einer der letzten, die in Tegel ankommen. Umso ärgerlicher für einen Flughafensammler wie mich, dass dies wahrscheinlich daher rührt, weil die gute Call-Center-Angestellte von Air France nicht wusste, dass Tegel außer Dienst gestellt wird. Ich fand ihre Bemerkung beim Umbuchen, dass es am 3. Juni keinen Flug von Paris nach Berlin geben würde, schon gleich seltsam, ging aber davon aus, dass sie damit meinte, dass es keinen freien Platz mehr gibt. Inzwischen glaube ich eher, dass sie statt Paris-Berlin nach CDG-TXL gesucht hat – und da gibt es natürlich in der Tat am 3. Juni keine Verbindung mehr. Ärgerlich, denn so aufregend ist Tegel nun wahrlich nicht, dass man den Flughafen noch ein letztes Mal vor Außerdienststellung sehen muss!

Wenn ich also schon einmal dabei bin, mich über die Nichtigkeiten des Lebens aufzuregen, dann kann ich dem doch auch gleich einen Bericht über die Sachen, die mich an Mexiko stören, folgen lassen. Weiterlesen



Radlos in Mexiko
15/11/2011, 00:22
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Ach ja, der Winter kommt…

In der letzten Woche durfte ich zum ersten Mal die Nachteile einer offenen Küchentür erleben, denn es wurde zum ersten Mal wirklich kalt in Monterrey. Sogar so kalt, dass ich eines Morgens zum ersten Mal gefroren habe. Allerdings scheint sich der Körper extrem schnell umzustellen – es waren bestimmt immer noch 15 Grad. Trotzdem, jetzt zeigt sich das wahre Ausmaß der schlechten Installation der Dusche: Da die Wasserrohre AUSSEN angebracht sind, dauert es bei kaltem Wetter logischerweise noch länger, bis warmes Wasser kommt. Aber gut, bei der Miete die ich zahle, sollte ich froh sein, dass überhaupt irgendwann einmal warmes Wasser kommt.

Jetzt ist es glücklicherweise wieder angenehm warm und ich hoffe auch, dass es so bis Anfang Dezember bleibt, wenn Mario vorbei kommt und wir beide uns in südlichere Gefilde Mexikos aufmachen. Denn auch wenn ein Semesteranfang im August so seine Nachteile mit sich bringt – der unbestrittene Vorteil ist, dass man bereits Ende November glücklich und zufrieden die Uni verlassen kann. Weiterlesen



Gesellschaft, Entwicklung und Staatsbürgerschaft in Mexiko

Hinter diesem lauschigen Namen verbirgt sich nicht etwa eine Doktorarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung, sondern eines der von mir belegten Fächer. Bevor ich euch aber mit einer kurzen Beschreibung langweile, möchte ich noch etwas erfreuliches loswerden: Wenn es in Monterrey erst einmal zu nieseln anfängt, dann ist es fast wie damals in Oldenburg – nur dass es dabei immer noch über 20 Grad hat.

Aber zurück zum Thema – was genau muss man sich unter einem Fach mit diesem Namen vorstellen? Am Besten kann man es vielleicht mit einem verpflichtenden Studium Generale für technische Fächer vergleichen – alle Ingenieure müssen es belegen und die meisten sind ob dieser Tatsache so begeistert wie ein Rudel Swinger, die im Arbeitskreis „Kein Sex vor der Ehe“ mitarbeiten sollen. Mit anderen Worten: Die Stimmung hält sich in Grenzen. Man kann sogar so weit gehen und behaupten, dass alle das Fach zum Kotzen finden mit Ausnahme eines seltsamen Austauschstudenten. Der findet es zwar inzwischen auch zum Kotzen, aber das liegt eher daran, wie der Kurs organisiert ist.

Prinzipiell finde ich als alter Verfechter des Über-den-Tellerrand-Schauens die Idee des Faches gut: Es geht darum, sich mit seiner eigenen Rolle als mexikanischer Staatsbürger auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie man das eigene Land voranbringen kann. Das ist gerade für Ingenieure eine durchaus dankbare Aufgabe, da es mehr abverlangt als das stumpfe Anwenden von gelerntem Wissen. Gleichzeitig wird dies auch der Grund sein, warum der Kurs sich so großer Beliebtheit erfreut: Im Zweifelsfall macht ein Ingenieur lieber eine Überschlagsrechnung als das er ein Buch liest (nach vier Jahren habe ich schließlich langsam verstanden, wie Ingenieure ticken…).

Was machen wir also in diesem Kurs? Zum einen haben wir eine Pflichtlektüre gleichen Namens, in der sozialwissenschaftliche Essays zu verschiedenen gesellschaftspolitischen Themen versammelt sind. Einige der Texte sind zwar ziemlich abstrakt, aber da alle Texte einen Fokus auf Mexiko haben, ist es zumindest für mich oft ein durchaus interessanter Einblick in die Entwicklung der mexikanischen Gesellschaft. Zum anderen müssen wir in Gruppenarbeit ein selbstgewähltes Thema zur mexikanischen Realität bearbeiten, sprich die aktuelle Situation darstellen und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten. Meine Gruppe hat die Fixierung der mexikanischen Exporte auf die USA zum Thema (80% aller mexikanischen Exporte gehen in die USA – der größte Abnehmer für deutsche Waren, Frankreich, macht dagegen nur ca. 10% der deutschen Gesamtexporte aus). Andere Themen sind z.B. die geringe Leselust der Mexikaner oder das ineffiziente Gesundheitssystem. Zu guter Letzt schauen wir uns dann noch irgendwelche alten Filme an und vergleichen dann mit der aktuellen Situation. Außerdem müssen wir drei Museen besuchen und darüber Essays schreiben.

Was sorgt aber dafür, dass ich den Kurs inzwischen nur noch absitze statt mich auf ihn zu freuen? Die Antwort ist simpel: Es liegt an der Dozentin. Denn leider kann ich keinen wirklichen Plan hinter allem erkennen. Zu oft produzieren wir Hausaufgaben scheinbar fürs Nichts, da wir sie anschließend nicht einmal in der Klasse auswerten. Ich bin ja vielleicht anspruchsvoll, aber wenn ich mir schon ein schlechtes Museum anschaue und darüber drei Seiten verfassen muss, dann wäre ein irgendwie geartetes Feedback schon eine runde Sache. Das gleiche gilt für das Lesen von Texten über die semantische Bedeutung des Begriffs Staatsbürgerschaft. Es ist vollkommen okay, von mir zu erwarten, dass ich den Text lese und verstehe. Es ist aber nicht okay, wenn man danach erwartet, dass ich mich damit zufriedengebe, den Text nur für die nächste Zwischenprüfung gelesen zu haben. Auch wären Filme über Arbeiteraufstände zu Beginn des letzten Jahrhunderts trotz schlechter schauspielerischer Leistung annehmbar, wenn man denn wenigstens wüsste, wofür wir ihn uns ansehen. Und zu guter Letzt: Wenn man sich darüber aufregt, dass die eigenen Studenten Wasser predigen und Wein saufen, dann sollte man sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, Aufgaben zu stellen, die ein solches Verhalten unterstützen und dabei auf jegliches Feedback zu verzichten. Es wäre sicherlich einmal eine interessant, eine Diskussion darüber zu führen, warum sich denn in Mexiko nichts zum Besseren wendet, obwohl doch offensichtlich alle wissen, was schief läuft. Die Betonung liegt dabei auf Diskussion, Monologe höre ich ja schon genug in diesem Kurs. Kurz: Sociedad, Desarrollo y Ciudadanía en México ist für mich leider ein absoluter Schlag ins Wasser. Schade, es hätte so ein interessanter Kurs werden können.

Zum Abschluss noch ein interessanter Nebenaspekt: Meine Dozentin ist absoluter Deutschland-Fan und schwärmt für alles, was deutsch ist. Wer mich kennt, weiß, dass ich jedem Hype per se skeptisch gegenüber stehe, mich erst einmal dagegen ausspreche und dann nachfrage, worum es eigentlich geht. Darum wird es kaum überraschen, dass ich häufig relativierend auftrete, wenn mein Heimatland wieder einmal über den grünen Klee gelobt wird. Einmal hat sie mich allerdings doch gekriegt: Auf die Frage, wie häufig ich denn bisher in Mexiko auf den Boden gespuckt hätte, musste ich verneinen, da ich so etwas nicht tue. Allerdings wollte sie mir nicht glauben, dass dies in erster Linie etwas mit Hygiene und Rücksicht auf Andere zu tun hat. Ihrer Meinung nach liegt das vor allem daran, dass mich die deutsche Polizei mit ihrem harten und konsequenten Vorgehen gegen Auf-den-Boden-Spucker konditioniert hätten. Manchmal bin ich mehr als froh, dass das Klischeebild über die Deutschen im Ausland oft nicht mehr als eine Karikatur der Wirklichkeit ist…