¡Viva Méjico, cabrones!


Adio, adio Mexiko…
09/06/2012, 12:00
Filed under: Alemania, Méjico | Schlagwörter: , , , , , ,

…ich grüß mit meinem Sombrero, te quiero, ich habe dich so lieb!

– Rex Gildo, eigentlich ständig und überall

Wenn man wieder einmal im Lande ist (womit ich jetzt ausnahmsweise einmal Deutschland meine), wird es Zeit, dass man das Jahr in Mexiko ein wenig Revue passieren lässt. Eigentlich ist es dazu noch etwas zu früh, aber da ich weiß, dass dies wahrscheinlich mein letzter Eintrag in diesem Blog sein wird, ignoriere ich die Tatsache, dass ich zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, erst seit drei vollen Tagen wieder im Lande bin.

Ich könnte natürlich jetzt damit aufzählen, was ich alles erlebt und gesehen habe, dass ich viele neue Freunde kennengelernt habe und was mir an Mexiko nicht so gut gefallen hat. Aber ehrlich gesagt: Das steht schon alles hier und bringt keinen wirklichen Mehrwert. Ich will daher lieber versuchen, einmal zu erläutern, was so ein Jahr mit einem macht. Schließlich sehe ich diesen Blog auch durchaus als Service für andere, die selbst vielleicht mit dem Gedanken spielen, einen Austausch zu machen.

Man sollte dazu wissen, dass dies bereits mein zweiter Austausch mit einem lateinamerikanischem Land war, da ich bereits zu Schulzeiten für ein Jahr in Ecuador gelebt habe. Insofern wusste ich zum einen bereits, was in etwa auf mich zukommt, zum anderen war ich daher ziemlich entspannt und, noch viel wichtiger, konnte bereits Spanisch. Daher hielt sich meine Vorbereitung abgesehen von den Sachen, die die Tec de Monterrey bereits im Vorfeld von mir haben wollte sowie des Kaufs eines Reiseführers (in den ich bis zum Abflug nicht einmal hineingeguckt hatte), in ziemlich engen Grenzen. Ich bin mehr oder weniger vorurteilslos losgeflogen und ließ die Dinge einfach auf mich zukommen.

Ganz anders dagegen meine Vorbereitung auf Ecuador. Hier lernte ich meinen Reiseführer auswendig und sog alles auf, was ich irgendwie im Vorfeld an Informationen bekommen konnte. Und auch, wenn sich mein Engagement in Grenzen hielt, habe ich im Vorfeld auch schon die ersten Brocken Spanisch gelernt. Als ich also in Ecuador ankam, hatte ich bereits eine ziemlich gute Vorstellung davon, was mich erwarten würde.

Welcher dieser Ansätze nun der Bessere ist, mag ich nicht zu entscheiden. Beide haben sowohl ihre Vor- als auch Nachteile. Ich fand es ziemlich erfrischend, meine Kenntnisse über die mexikanischen Geschichte, Politik und Gesellschaft direkt vor Ort und mehr oder weniger organisch zu lernen. Trotzdem wäre es auch nicht schlecht gewesen, wenn mir bereits in den ersten Monaten bewusst gewesen wäre, dass Monterrey nicht „typisch“ für Mexiko ist. Vielleicht muss jeder für sich sehen, welcher Ansatz für ihn der bessere ist. Nur einen Zahn möchte ich jedem ziehen: Wer glaubt, in einem Semester an einer Universität eine fremde Sprache lernen zu können und sich dann – verständlicherweise – nicht traut, nur Kurse in dieser Sprache zu belegen, auch wenn er am Anfang kaum etwas verstehen wird, der irrt sich gewaltig. Eine Sprache lernt man durch Sprechen, Lesen und Schreiben, nicht dadurch, dass man bequem auf Englisch ausweicht.

Überhaupt sollte man aufpassen, wie man seinen Alltag verbringt. Für mich war und ist das Entscheidende an einem Austausch, dass man die Möglichkeit bekommt, Einblicke in eine Kultur zu bekommen, die man als Tourist nicht hat (auch wenn Studiosus gerne etwas anderes behauptet). Auch wenn ich in Ecuador den Fehler begangen habe, mich fast nur mit deutschen Freunden zu umgeben, so hatte ich ihn dort durch meine Gastfamilie. Als Austauschstudent hat man diese Möglichkeit in der Regel nicht (bzw. sollte man sich gut überlegen, ob man bereit ist, die als Student gewohnte Freiheit aufzugeben und sich erneut familieninternen Regeln zu unterwerfen, zumal diese „ungewöhnlicher“ sein können als in Deutschland – ich war es z.B. nicht). Ich kann daher jedem nur raten, sich möglichst einheimische Freunde zu suchen – insbesondere wenn man ein Jahr bleiben sollte, da man ansonsten nach einem Semester ziemlich in die Röhre guckt, wenn die Mehrheit des Freundeskreises plötzlich nicht mehr da ist. Allerdings ist das keine Faustregel, sondern nur meine Erfahrung mit Austauschprogrammen in Südamerika. Würde der Latblogger anstatt zu feiern einmal seinen Blog aktualisieren, könnte man dort über Erasmus mit Sicherheit etwas anderes lesen.

Was bringt einem aber persönlich ein solches Jahr? Tja, im besten Fall eröffnet es neue Horizonte. Ich weiß, das klingt kitschig und doof und nach Philosophie-Studium, aber ändert nichts daran, dass es stimmt. Eigene Erfahrungen sind eben besser als Erzählungen aus zweiter Hand. Das gilt sowohl für das Erlebnis einer anderen Kultur als auch für Kleinigkeiten, die einen über die eigene Erfahrungswelt in Deutschland reflektieren lassen. Wer einmal drei Stunden lang an der mexikanisch-amerikanischen Grenze herumdiskriminiert wurde, dem muss einfach die Hutschnur hochgehen, wenn europäische Politiker aus populistischen Gründen mit dem Gedanken spielen, im Schengenraum wieder Grenzkontrollen einzuführen. Und wer mit mulmigen Gefühl an einer schwerbewaffneten Militärpatrouillie vorbei zum Einkaufen gehen musste, weiß das Verbot, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen, schnell zu schätzen.

Kommen wir also abschließend zur ultimativen Frage, die man nach einem solchen Jahr stellen kann: Würde ich es wieder machen? Darauf kann ich nur voller Inbrunst sagen: „¡Por supuesto, carajo!“

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